Was angerechnet wird und was nicht

Erbe als Risiko für Bürgergeld-Empfänger: Leistungsanspruch steht auf dem Spiel

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Leistungsempfänger haben zwar einen finanziellen Schutz, müssen jedoch bestimmte Folgen akzeptieren, sonst drohen Einbußen.

Berlin – Seit Juli 2023 hat sich die rechtliche Situation für Bürgergeld-Empfänger, die eine Erbschaft erhalten, grundlegend geändert. Was auf den ersten Blick als Glücksfall erscheinen mag, kann sich schnell zu einem komplexen sozialrechtlichen Problem entwickeln. Besonders wenn es sich bei der Erbschaft um eine Immobilie handelt, stehen Betroffene vor erheblichen Herausforderungen.

Neue Gesetzeslage betrifft Bürgergeld-Empfänger: Erbschaften gelten als Vermögen

Die Einführung des Bürgergeldes 2023 brachte eine wesentliche Änderung mit sich: Erbschaften zählen nun nicht mehr als Einkommen, sondern als Vermögen. Die Neuregelung, die im Detail auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales erklärt wird, hat auch weitreichende Konsequenzen für Leistungsempfänger. Während der ersten zwölf Monate, der sogenannten Karenzzeit, bleibt Vermögen bis zu 40.000 Euro für die erste Person und je 15.000 Euro für jede weitere Person der Bedarfsgemeinschaft unangetastet. Nach Ablauf dieser Frist reduziert sich der Freibetrag auf 15.000 Euro pro Person.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Gegen-hartz.de weist darauf hin, dass dies für einmalige Erbschaftszahlungen gilt, dazu zählen auch Pflichtteilsansprüche und Vermächtnisse. Laufende Zuwendungen werden hingegen als Einkommen bewertet. Erben kann allerdings mit weiteren Herausforderungen verknüpft sein. Gegen-hartz.de verdeutlicht die Problematik mit einem typischen Szenario: Eine Familie erbt ein mehr als einhundert Jahre altes, stark sanierungsbedürftiges Einfamilienhaus. Alle Erben sind vom Jobcenter abhängig und haben vermutlich kaum Ersparnisse, um Instandhaltungsmaßnahmen durchzuführen. Kaum liegt der Erbschein vor, meldet sich jedoch das Bauordnungsamt mit dringenden Fristsetzungen zum Substanzerhalt.

Übersteigt der Wert des Erbes die Freibeträge, droht der Verlust des Anspruchs auf reguläre Leistungen. Wie Sozialrechtsexperte Dr. Utz Anhalt erklärt, darf das Jobcenter dann die laufenden Leistungen als zinsloses Darlehen erbringen, verlangt aber häufig eine dingliche Sicherheit, etwa eine Grundschuld. Wer dieser Absicherung nicht zustimmt, riskiert, leer auszugehen.

Diese Optionen haben Bürgergeld-Empfänger beim Erbe

Eine wichtige Ausnahme bildet selbst genutztes Wohneigentum. Das Bundessozialgericht stellte 2023 in einem Urteil klar, dass das Jobcenter Reparaturen sogar bei etwas übergroßen Eigenheimen übernehmen muss, sofern die Maßnahme unabweisbar und ausschließlich dem Substanzerhalt dient. Das eröffnet Betroffenen die Möglichkeit, notwendige Reparaturen als Kosten der Unterkunft anerkennen zu lassen – ohne Rückzahlungspflicht.

Unterdessen sorgen Union und SPD mit drastischen Kürzungsplänen beim Bürgergeld gerade für Diskussionen.

Werden wichtige Dokumente nicht vorgelegt, droht Bürgergeld-Empfangenden die Streichung des Sozialgeldes, auch eine Rückforderung ist möglich. (Symbolbild)

Für Bürgergeld-Empfänger, die eine Erbschaft erhalten, ergeben sich verschiedene Handlungsmöglichkeiten:

  • Selbstnutzung: Wer die geerbte Immobilie selbst bewohnen möchte, sollte dies dem Jobcenter umgehend mitteilen und nachweisen, dass es sich um angemessenes Wohneigentum handelt.
  • Darlehensantrag: Ist eine Verwertung der Erbschaft kurzfristig nicht möglich, kann ein Antrag auf Darlehensgewährung beim Jobcenter gestellt werden. Hierbei ist zu beachten, dass in der Regel eine Sicherheit, etwa in Form einer Grundschuld, verlangt wird.
  • Rechtliche Beratung: Ein Beratungsschein beim Amtsgericht kann helfen, kurzfristig anwaltliche Unterstützung im Sozial- und Erbrecht zu erhalten.
  • Erbausschlagung: In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, das Erbe auszuschlagen. Dies muss innerhalb einer gesetzlichen Frist von sechs Wochen geschehen.

Die neue Gesetzeslage zum Bürgergeld schützt Erbende nicht pauschal vor sozialrechtlichen Konsequenzen. Ob das Jobcenter weiterhin Leistungen gewährt, hängt maßgeblich von der Verwertbarkeit des Erbes und der Nutzung einer geerbten Immobilie ab.
Betroffene sollten sich frühzeitig beraten lassen, um ihre Optionen sorgfältig abzuwägen.

Auch zum Thema Mietkosten gibt es ein weitreichendes Urteil für Bürgergeldempfänger. (diase)

Rubriklistenbild: © Eibner/IMAGO

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