Ersatz für Vitamine?

Nahrungsergänzungsmittel für Kinder: Wie gesund die bunten Drops und Bärchen wirklich sind

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Viele Eltern wollen durch die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln einem Mangel vorbeugen. Nicht immer sind die Vitamine allerdings sinnvoll.

Egal ob in der Drogerie oder Apotheke – Nahrungsergänzungsmittel gibt es zahlreiche zu kaufen. Nicht nur viele Erwachsene nehmen regelmäßig künstliche Vitamine und Nährstoffe zu sich, auch speziell für Kinder sind die Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Die Produkte sollen Mängel ausgleichen, Abwehrkräfte stärken oder gar die Konzentrationsfähigkeit verbessern. Doch wie gesund sind die Produkte und wann lohnen sie sich wirklich? Welchen Nutzen Nahrungsergänzungsmittel bei Kindern haben und welche Mittel zu empfehlen sind, hat die Verbraucherzentrale nun überprüft.

Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln: Viele Produkte überdosiert

Im Rahmen des Marktchecks nahmen die Verbraucherschützer insgesamt 33 Nahrungsergänzungen stichprobenartig unter die Lupe. Analysiert wurden die Produkte dabei auf Qualität, Zutaten, Wirkung und Zusammensetzung. Das Ergebnis: Viele der untersuchten Nahrungsergänzungsmittel sind für den Nachwuchs zu hoch dosiert, enthalten zu viel Zucker und sind mit unnötigen Zusatzstoffen angereichert.

Bunte Bärchen und Drops mit Vitaminen und Nährstoffen sollen Mangelerscheinungen bei Kindern verhindern. Die meisten Produkte enthalten jedoch zu viel Zucker und sind überdosiert.

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Rund 70 Prozent der untersuchten Nahrungsergänzungsmittel enthalten unnötig hohe Dosen der Vitamine und Nährstoffe. Eine Überdosis kann sich den Experten zufolge demnach ebenso wie ein Mangel negativ auf die Gesundheit auswirken. Etwa 23 der 33 Produkte überschritten die Referenzwerte für Vier- bis Siebenjährige der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Insgesamt 13 der 33 Produkte (39 Prozent) erreichen oder überschreiten also sogar die Empfehlungen für Erwachsene. Sechs der Mittel übertreffen zudem die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vorgeschlagenen Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungen.

Schilddrüse: Zehn jodhaltige Lebensmittel unterstützen das Organ

Milch in einem Glas
Um die Gesundheit der Schilddrüse zu stärken, braucht der Körper ausreichend Jod. Dieses steckt unter anderem in Milchprodukten. Vollmilch enthält beispielsweise 6 µg / 100 g Jod.  © Westend61/IMAGO
Hartkäse
Käse zählt ebenfalls zu den jodhaltigen Lebensmitteln. Hartkäse hat zum Beispiel einen Jodgehalt von 20-40 µg / 100 g.  © Bernd Jürgens/IMAGO
Eier in einer Schale
Eier enthalten 10 µg / 100 g Jod. Neben Jodsalz können sie deshalb als zusätzliche Jodquelle dienen.  © CHROMORANGE/IMAGO
Spinat in einer weißen Schüssel
Spinat ist nicht nur ein kalorienarmes Gemüse, das den Körper mit den Mineralstoffen Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen versorgt: Das grüne Blattgemüse enthält mit 12 µg / 100 g auch reichlich Jod, um die Schilddrüse vor Krankheiten zu schützen.  © Vitalina-Rybakova/IMAGO
Brokkoli in einer Schüssel
Brokkoli enthält 15 µg / 100 g Jod. Um Ihre Schilddrüse vor Erkrankungen zu schützen, empfiehlt es sich deshalb, das grüne Gemüse regelmäßig zu verzehren. ©  Alex9500/IMAGO
Erdnüsse in der Schale
Nüsse sind wichtige Jodlieferanten, die regelmäßig verzehrt werden sollten, um die Schilddrüse gesund zu halten. Erdnüsse haben beispielsweise einen Jodgehalt von 13 µg / 100 g. Es eignen sich aber auch Cashewkerne (10 µg / 100 g) oder Walnüsse (3 µg / 100 g). © I. Rozenbaum & F. Cirou/IMAGO
Seelachs auf einem Teller garniert mit zwei Zitronenscheiben
Seelachs zählt ebenfalls zu den jodhaltigen Lebensmittel. Er enthält 200 µg / 100 g Jod, was der täglich empfohlenen Jodaufnahme entspricht. Wenn Sie regelmäßig Seefisch essen, tun Sie Ihrer Schilddrüse damit etwas Gutes. © blickwinkel/IMAGO
Zwei Kabeljau-Filets in einer Pfanne
Um Erkrankungen der Schilddrüse vorzubeugen, sollte mindestens einmal pro Woche Seefisch auf dem Speiseplan stehen. Neben Seelachs und Schellfisch eignet sich hier zum Beispiel auch Kabeljau, da er ausreichend Jod enthält.  © CSH/IMAGO
Garnelen am Spieß
Auch Garnelen zählen zu den Lebensmitteln, die reichlich Jod enthalten. Sie gehören zu den tierischen Lebensmitteln, die als zuverlässige Jodlieferanten gelten, um die Schilddrüse fit zu halten. © Karel Noppé/IMAGO
Essbare Algen in einer Schüssel
Essbare Algen sind vor allem aus der asiatischen Küche bekannt. Aufgrund ihres hohen Jodgehalts können sie sogar gesundheitsschädlich sein. Menschen, die unter einer Schilddrüsen-Erkrankung leiden, sollten deshalb beispielsweise keine auf Algen basierende Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. © Jiri Hera/IMAGO

Überdosis an Vitaminen: Nahrungsergänzungsmittel häufig überflüssig

Viele der Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel zielen direkt auf Kinder ab. Schön bunt, süß und lecker sollen sie sein. Eine Überdosis kann jedoch gerade bei Kleinkindern für unangenehme Nebenwirkungen sorgen. So können sich beispielsweise große Mengen der Vitamine A und D durch Kopfschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit äußern.

Auf folgende Produkte sollten Eltern daher unbedingt verzichten:

  • Aronia+ Kids
  • Centrum Frisch & Fruchtig Lutschtabletten
  • Centrum Vita Soft Gums
  • Das Originale Möllers Omega-3 Kids
  • Doppelherzsystem Immun Multi-Vitamine Family
  • Doppelherzsystem OMEGA-3 flüssig Family
  • GSE Kinder Vital Complex
  • ImmunPro Kids Direktsticks
  • Juice Plus Soft Chewables Fruit
  • Juice Plus Soft Chewables Vegetable
  • Lifeplus Yummies
  • MensSana Vitaldrink Kinder
  • Multivitamin Lutschtabletten mit Apfelgeschmack von Raab Vitalfood 
  • Naturafit Kindervitamine mit Calcium
  • Orthomol Junior C plus
  • Orthomol Jjunior Omega plus
  • Salus Kindervital Spezial-Tonikum
  • Sanostol Bärchen
  • Sanostol Lutschtabletten
  • YaYa Bären Multivitamin

Grundsätzlich sollten Eltern die Nahrungsergänzungsmittel eher kritisch betrachten. Wer seine Kinder gesund ernährt, kann den Verbraucherschützern zufolge besser auf die Produkte verzichten. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung an der frischen Luft sind und bleiben die Voraussetzung für eine gute Entwicklung der Kinder. 

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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