Beziehung zwischen Eltern und Kindern

Bestrafung kann der Psyche von Kindern nachweislich schaden – drei kluge Strategien helfen

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Es ist nicht immer leicht, auf Bestrafung und Belohnung in der Erziehung zu verzichten. Laut einem Elterncoach gibt es wertvolle Alternativen.

Strafen in der Erziehung betrachten nicht nur bekannte Pädagogen wie Katia Saalfrank kritisch. Immer mehr Eltern möchten neue Wege in der Beziehung mit ihrem Kind beschreiten und sich nicht an Erziehungspraktiken früherer Generationen orientieren. Autorin und Elterncoach Aida S. de Rodriguez gibt Eltern hilfreiche Tipps, wie die Konfliktlösung ohne Bestrafung gelingen kann.

Erziehung: Strafen wie Ohrfeigen sind für manche heute noch normal

In Konfliktsituationen mit dem eigenen Kind ist es für manche Eltern schwierig, keine Bestrafung anzudrohen. (Symbolbild)

Jeder sechste Deutsche hält Ohrfeigen zur Bestrafung in der Erziehung für in Ordnung, wie es eine repräsentative Studie zeigt. Ein Ergebnis, das sicherlich polarisiert. Für die einen mag eine Ohrfeige, ähnlich wie der „Klaps auf den Po“, ein legitimes Mittel zur Erziehung des Kindes sein. Andere sehen darin ganz klar eine Form von körperlicher Gewalt, die zunächst viel drastischer wirkt als emotionale Gewalt.

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Kinder im Haushalt: Zehn gefährliche Risiken sollten Eltern unbedingt vermeiden

Thermometer in der Badewann mit Baby
Eine Gefahr, die gerade Eltern beim ersten Kind unterschätzen, ist die Wassertemperatur beim Baden in der Badewanne. Was sich für den Erwachsenen mit der Hand gut warm anfühlt, kann für das Baby allerdings schon heiß sein. Fatal wird es dann, wenn Eltern das Wasser im Eifer des Gefechts einlaufen lassen und das Baby reinsetzen, ohne vorher die Wassertemperatur zu prüfen – sei es zumindest mit der Hand oder am besten mit einem Wasser-Thermometer. Das Wasser sollte idealerweise eine Temperatur von 37 Grad oder 38 Grad Celsius haben, damit Ihr Kind nicht auskühlen oder überhitzen kann. Thermometer für die Badewanne, die in gängigen Drogeriemärkten erhältlich sind, zeigen speziell an, welche Temperatur für Babys und Kinder geeignet ist. Wasser kann schon ab einer Temperatur von 50 Grad zu Verbrühungen führen – bei Babys und Kindern mit empfindlicher Haut bereits darunter. © jcdiazhidalgo/Imago
Kind in der Badewann
Die meisten Kinder lieben es, zu baden und im Wasser zu planschen. Worauf Eltern dabei unbedingt achten sollten: Selbst bei wenigen Zentimetern Wasserhöhe können Kinder ertrinken, daher sollten sie nie unbeaufsichtigt in der Badewanne planschen. Über 70 Prozent der Fälle von Ertrinken passieren statistisch gesehen im Alter von ein bis drei Jahren in der häuslichen Badewanne. © mitarart/Imago
Baby im Schlafsack im Bett
Eine weitere Gefahr ist besonders im Bett des Babys beim Schlafen gegeben. Neugeborene und Babys sollten laut der Empfehlung von Kinderärzten mindestens bis zum ersten Lebensjahr einen Schlafsack tragen, um die Gefahr des plötzlichen Kindstods (SIDS) deutlich zu reduzieren. Wichtig ist, dass der Schlafsack gut passt und der Kopf des Babys nicht durch die Öffnung rutschen kann. Zudem sollten nicht zusätzlich Kissen, Handtücher oder Kuscheltiere als Barrieren gegen das Drehen in das Babybett gelegt werden. So kann tatsächlich im Ernstfall das Gegenteil passieren: Das Kleine wird durch den Druck der Gegenstände in die Seiten- oder Bauchlage gezwungen und das Zurückdrehen auf den Rücken verhindert. Auch Decken im Bett bergen eine Gefahr, da das Baby sich diese im Schlaf über den Kopf ziehen könnte. © xSaraxMonikax/Imago
Kind greift nach Putzmitteln unter Spüle
In vielen Haushalten werden die Putz- und Waschmittel, Spülmaschinen-Tabs und andere chemischen Produkte unter der Spüle verstaut. Mit kleinen Familienmitgliedern kann dies schnell zur lebensbedrohlichen Gefahr werden: Ab dem Kleinkindalter möchten Kinder für gewöhnlich alles erkunden, öffnen Schubladen und Schränke, greifen nach Gegenständen und versuchen sie zu öffnen. Dann wird nicht selten das Entdeckte in den Mund genommen und „probiert“. Um die Gefahr der Vergiftung zu vermeiden, sollten jegliche chemische Mittel außer Reichweite von Kindern aufbewahrt werden – am besten in einem Hochschrank, wo die Kleinen nicht hinkommen. Sollte Ihr Kind dennoch Reinigungsmittel verschlucken oder in die Augen bekommen, rufen Sie sofort die Giftnotrufzentrale an. © Ute Grabowsky/photothek.net/Imago
Kleiner Junge erkundet die Schalter am Elektroherd
Ab dem Kleinkindalter möchten die Kleinen ihre Umgebung erkunden, alles kennenlernen, berühren, anfassen, ausprobieren. In der Küche lauern Gefahren, die sich Eltern so auf Anhieb nicht immer bewusst machen. Der Herd kann beispielsweise zur großen Gefahr werden, wenn Ihr Kind die Knöpfe des Herds erstmalig erreicht, daran dreht und so die Platte anschaltet. Besonders gefährlich wird es dann, wenn das Kind auch die heiße Herdplatte erreicht und berühren kann oder etwas auf dem Herd steht und im schlimmsten Fall zu brennen beginnt. Auch hier gilt: Gefahrenquellen vermeiden, eine Absperrung vor dem Herd oder ein Laufgitter kann helfen, um das Kleine in Sicherheit zu wissen, sollte der Elternteil einen Moment abwesend sein müssen. © Caption Writer/Editor/Imago
Kind mit Spagetti am Herd vor Topf mit kochendem Wasser
Die meisten Kinder sind grundsätzlich interessiert daran, zu helfen, viele besonders beim Kochen. Doch auch in diesem Fall sollten die Kleinen mit Vorsicht eingebunden werden, das heißt nicht ohne elterliche Aufsicht, insbesondere, wenn heiße Speisen oder kochendes Wasser auf dem Herd stehen. Da könnte es im Ernstfall zu Verletzungen wie schwerer Verbrühung kommen. © YAY Images/Imago
Kind greift nach Messer auf Küchenablage
Die Küche und das gemeinsame Kochen bringt Freude, birgt aber auch Gefahren, insbesondere für Kinder. Das muss nicht immer der heiße Topf auf dem Herd sein, auch das scharfe Messer kann schnell und unbedarft in Kinderhände gelangen. Achten Sie auch während des Kochens mit Kindern darauf, dass scharfe Gegenstände wie Messer außer Reichweite liegen. © AndreyPopov/Imago
Kind mit Schere geht auf Steckdose zu
Nicht nur Messer, auch Scheren können Kindern im Haushalt zum Verhängnis werden – erst recht, wenn Sie damit auf Erkundungstour gehen und sich zusätzlichen Gefahren aussetzen. Haushaltsgegenstände wie Scheren, Stabmixer, scharfe Messer, Feuerzeuge, Wasserkocher und ähnliches sollten außer Reichweite von Kindern aufbewahrt werden, am ehesten in für Kinder nicht zu erreichenden Schubladen oder Schränken. Auch Steckdosen in Fußnähe können gerade für krabbelnde Kinder verlockend sein, hineinzufassen. Gegenstände wie Scheren oder Stricknadeln sind leitfähig und könnten einen lebensgefährlichen Stromschlag auslösen – hier empfiehlt sich in jedem Fall eine Steckdosensicherung, auch erhältlich in Drogerien, um Kinder zu schützen. © CharlesxGullung/Imago
Tischkante mit Eckenschutz
Was für manche komisch oder unschön aussehen mag, kann Kinder vor schweren Verletzungen bewahren: Ecken-Schutz. Scharfe Kanten von beispielsweise Schränken und Tischen können für Kinder zur echten Gefahr werden. Da wird fröhlich Zuhause rumgetobt und plötzlich gegen den Tisch gerannt. Gerade für Kinder, deren Kopf auf Höhe der Eck-Kante ist, kann aus dem Spiel schnell ernst werden und es im wahrsten Sinne des Wortes „ins Auge gehen“. © Antonio Gravante/Imago
Kleinkind kletter aus Fenster
Der Entdeckungsdrang ab dem Kleinkindalter ist bei vielen ungebremst. Zu viele Abenteuer warten „da draußen“ und wollen erkundet werden. Ab dem Zeitpunkt, an dem Kleinkinder krabbeln und laufen können, ist für Eltern besondere Vorsicht geboten. Da wird sich an Möbeln hochgezogen, geklettert und offene Fenster können dann zu einer echten Gefahr werden. Auch hier sollte darauf geachtet werden, dass Balkontüren und Fenster nicht geöffnet sind, wenn das Kind alleine im Zimmer ist. Es gibt einfache Tür- und Fensterverriegelungen, die vor schweren Unfällen schützen können. © xDavidxJaklex/Imago

Erziehung: Strafen kann der Psyche von Kindern schaden – 3 clevere Strategien

Dabei reichen möglicherweise „harmlosere“ Formen von Bestrafung bereits aus, Kinder unglücklich zu machen, wie es die Buchautorin Aida S. de Rodriguez beschreibt. In ihrem Buch „Es geht auch ohne Strafen! Kinder auf Augenhöhe begleiten“ beschreibt sie nicht nur die Hintergründe von Strafen, sondern zeigt auch Möglichkeiten für Eltern auf, durch Verzicht von Bestrafung die Beziehung mit dem Kind auf ein anderes Level zu heben, wie es Focus Online berichtet. De Rodriguez gibt Familien dafür verschiedene Alternativen an die Hand, unter anderem:

Statt Strafen in der Erziehung: 1. Fokus auf das Bedürfnis, nicht auf das Verhalten

Im hitzigen Moment von Wut und Zorn des Nachwuchses ist es für Eltern alles andere als leicht, die Situation dennoch mit Abstand zu betrachten und zu versuchen, das wahre Bedürfnis ihres Kindes zu erkennen. Dabei ist das in vielen Konflikten der Schlüssel zur Lösung und für viele Eltern mit einem „Aha“-Moment verbunden, wenn sie es schaffen, ihren Fokus auf das Bedürfnis des Kindes und weniger auf sein Verhalten zu richten. Probieren Sie es aus, es kann Ihnen helfen, Ihre Haltung auf das Geschehen in eine positivere Richtung zu lenken und von Bestrafungen zur Lösung des Konflikts wegzukommen.

Statt Strafen in der Erziehung: 2. Krisenmoment beenden und mit dem Kind weggehen

Wenn Sie merken, die Situation zwischen Ihnen und Ihrem Kind eskaliert, verlassen Sie den Ort, den Raum – wichtig: zusammen mit Ihrem Kind. So haben Sie beide die Chance, sich in neutralerer Umgebung wieder zu beruhigen. Anstatt „Geh jetzt in Dein Zimmer!“ könnten Sie Ihrem Kind gegenüber erwidern: „Lass uns zusammen hinsetzen und darüber sprechen, was gerade passiert ist.“

Statt Strafen in der Erziehung: 3. Zusammen nach Lösungen suchen

Im Moment des Konflikts ist es oftmals schwierig sich zu beruhigen und nach Lösungen zu suchen – im Anschluss ist es eher und einfacher möglich. Es kann helfen, zusammen über das Thema des Konflikts zu sprechen und nach Lösungen zu suchen – bedenken Sie, dass Kinder häufig noch keine echten Strategien kennen, ihre Probleme zu lösen. Dafür sind sie eben auf Ihre Hilfe als Eltern angewiesen, frei nach dem Motto „Gemeinsam sind wir stark!“

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Westend61/Imago

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