Erziehung: Wie Eltern aus ihren Kindern Narzissten machen
VonJudith Braun
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Heutzutage fokussieren sich Eltern auf ihre Kinder und stellen ihre Bedürfnisse dabei hinten an. Laut einer Psychotherapeutin hat dieser Erziehungsstil negative Auswirkungen auf den Nachwuchs.
Erziehungsstile gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Von Abschlepper-Eltern, die ihren Kindern immer sofort herbeieilen und sie aus dem Schlamassel ziehen. Über die berühmten Helikopter-Eltern, die ständig wie ein Hubschrauber über ihrem Nachwuchs kreisen und über sie wachen. Bis hin zu sogenannten Zeppelin-Eltern, die eher ruhig und weit weg über ihren Kindern schweben – allerdings mit ständiger Explosionsgefahr. Das Verhalten dieser Elterntypen hat Auswirkungen auf die Entwicklung und Persönlichkeit der Kinder. Dass junge Menschen später zu Narzissten werden, liegt laut Psychotherapeutin Helene Drexler vor allem an einer übertrieben kindzentrierten Erziehung.
Erziehung: Wie Eltern aus Kindern Narzissten machen
Eltern loben ihre Kinder heutzutage unentwegt. Die Kleinen werden dabei für fast alles, was sie tun, gefeiert. Doch auch wenn ein Kind Bestätigung und Anerkennung braucht, kann „falsches“ Loben Kindern eher schaden. Laut der Psychotherapeutin besteht nämlich die Gefahr, dass Kinder durch eine andauernde Überhöhung eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickeln. Eltern sind dabei nicht nur von Anfang an meist begeistert von ihrem Nachwuchs, sie identifizieren sich auch übermäßig mit ihren Kindern. So kommt es häufig zu einer ultimativen Priorisierung der Wünsche der Kinder, während die Eltern ihre Wünsche völlig hintenanstellen.
Für eine „erfolgreiche“ Narzissmus-Entwicklung muss das Kind zum Nabel der Welt werden und zur Antwort auf bisher unerfüllte Erwartungen ans eigene Leben, schreibt Drexler in ihrem Buch „Der große Erziehungsirrtum – Wie wir unsere Kinder zu Narzissten machen“. Häufig erfahren sich Kinder laut der Psychotherapeutin und Autorin von Anfang als Glückserfüller für ihre Eltern. Wenn diese dann auch noch ihre Bedürfnisse denen des Kindes konsequent unterordnen, werden weitere wichtige Weichen für die Entwicklung eines übersteigerten Selbstbewusstseins gestellt. Zudem suchen Eltern häufig nach Talenten bei ihren Kindern, die sie dann fördern. Meist haben die Sprößlinge dadurch bereits in jungen Jahren einen vollen Terminkalender mit Schwimmkurs, Musikunterricht oder Reitstunden. Zeit zum spontanen Spielen mit Gleichaltrigen, bei dem sie vor allem Sozialkompetenz erlernen würden, bleibt demnach kaum.
Erziehung: Perfektionismus adé – Expertin empfiehlt mehr Mut zur Lücke
Die Folgen einer solchen Erziehung können verheerend sein. Denn das Ego und die eigenen Bedürfnisse stehen im Zentrum der Wahrnehmung von Narzissten, die meist auf jede Form von Kritik empfindlich und abwertend reagieren. Daher sind laut der Expertin eine vorauseilende Lebensorganisation sowie ein Förderwahn nicht die Lösung. Anstatt Perfektionismus sollten Eltern mehr Mut zur Lücke zeigen.
Von Abschlepper bis Helikopter: Elf Elterntypen – und ihr Erziehungsstil
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.