Förderwahn und vorauseilende Lebensorganisation

Erziehung: Wie Eltern aus ihren Kindern Narzissten machen

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Heutzutage fokussieren sich Eltern auf ihre Kinder und stellen ihre Bedürfnisse dabei hinten an. Laut einer Psychotherapeutin hat dieser Erziehungsstil negative Auswirkungen auf den Nachwuchs.

Erziehungsstile gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Von Abschlepper-Eltern, die ihren Kindern immer sofort herbeieilen und sie aus dem Schlamassel ziehen. Über die berühmten Helikopter-Eltern, die ständig wie ein Hubschrauber über ihrem Nachwuchs kreisen und über sie wachen. Bis hin zu sogenannten Zeppelin-Eltern, die eher ruhig und weit weg über ihren Kindern schweben – allerdings mit ständiger Explosionsgefahr. Das Verhalten dieser Elterntypen hat Auswirkungen auf die Entwicklung und Persönlichkeit der Kinder. Dass junge Menschen später zu Narzissten werden, liegt laut Psychotherapeutin Helene Drexler vor allem an einer übertrieben kindzentrierten Erziehung.

Erziehung: Wie Eltern aus Kindern Narzissten machen

Werden Kinder ständig für alles gelobt, besteht die Gefahr, dass aus ihnen später einmal Narzissten werden.

Eltern loben ihre Kinder heutzutage unentwegt. Die Kleinen werden dabei für fast alles, was sie tun, gefeiert. Doch auch wenn ein Kind Bestätigung und Anerkennung braucht, kann „falsches“ Loben Kindern eher schaden. Laut der Psychotherapeutin besteht nämlich die Gefahr, dass Kinder durch eine andauernde Überhöhung eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickeln. Eltern sind dabei nicht nur von Anfang an meist begeistert von ihrem Nachwuchs, sie identifizieren sich auch übermäßig mit ihren Kindern. So kommt es häufig zu einer ultimativen Priorisierung der Wünsche der Kinder, während die Eltern ihre Wünsche völlig hintenanstellen.

Für eine „erfolgreiche“ Narzissmus-Entwicklung muss das Kind zum Nabel der Welt werden und zur Antwort auf bisher unerfüllte Erwartungen ans eigene Leben, schreibt Drexler in ihrem Buch „Der große Erziehungsirrtum – Wie wir unsere Kinder zu Narzissten machen“. Häufig erfahren sich Kinder laut der Psychotherapeutin und Autorin von Anfang als Glückserfüller für ihre Eltern. Wenn diese dann auch noch ihre Bedürfnisse denen des Kindes konsequent unterordnen, werden weitere wichtige Weichen für die Entwicklung eines übersteigerten Selbstbewusstseins gestellt. Zudem suchen Eltern häufig nach Talenten bei ihren Kindern, die sie dann fördern. Meist haben die Sprößlinge dadurch bereits in jungen Jahren einen vollen Terminkalender mit Schwimmkurs, Musikunterricht oder Reitstunden. Zeit zum spontanen Spielen mit Gleichaltrigen, bei dem sie vor allem Sozialkompetenz erlernen würden, bleibt demnach kaum.

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Erziehung: Perfektionismus adé – Expertin empfiehlt mehr Mut zur Lücke

Die Folgen einer solchen Erziehung können verheerend sein. Denn das Ego und die eigenen Bedürfnisse stehen im Zentrum der Wahrnehmung von Narzissten, die meist auf jede Form von Kritik empfindlich und abwertend reagieren. Daher sind laut der Expertin eine vorauseilende Lebensorganisation sowie ein Förderwahn nicht die Lösung. Anstatt Perfektionismus sollten Eltern mehr Mut zur Lücke zeigen.

Von Abschlepper bis Helikopter: Elf Elterntypen – und ihr Erziehungsstil

Auto wird abgeschleppt
Abschlepper-Eltern: Diese Elterntypen verhalten sich ähnlich wie die bekannten Helikopter-Eltern. Denn wie ein Abschleppwagen – der sofort zur Stelle ist, wenn man Hilfe braucht – eilen auch die sogenannten Abschlepper-Eltern geschwind herbei, um das Chaos ihrer Kinder zu beseitigen und sie aus dem Schlamassel zu ziehen. Experten zufolge handelt es sich dabei jedoch meist um eine unverhältnismässige Unterstützung vonseiten der Eltern. Stattdessen bräuchten Kinder Freiräume, um eigene Erfahrungen machen zu können. Dazu zählen jedoch auch Misserfolge, vor denen dieser Elterntypus seinen Nachwuchs häufig beschützen möchte.  © Nejron/IMAGO
Zwei Personen beim Curling
Curling-Eltern: Auch sie zählen zur Gattung der Helikopter-Eltern, gehen jedoch noch einen Schritt weiter, indem sie ihr Kind nicht nur permanent „überwachen“, sondern auch aktiv in ihr Leben eingreifen. Wie beim Curling-Spiel wird der Weg auf dem Glatteis geebnet. Zudem werden mögliche Hindernisse bereits im Vorhinein beseitigt. Durch dieses Verhalten wird den Kindern ebenfalls die Chance genommen, eigene Erfahrungen zu machen, sich weiterzuentwickeln und echtes Selbstvertrauen aufzubauen. Curling-Eltern werden dabei häufig mit Rasenmäher- und Schneepflug-Eltern (siehe weiter unten) gleichgesetzt.  © NormanKrauss/IMAGO
Zwei Delfine im Meer
Delfin-Eltern: Liebevoll und fürsorglich – genau wie die Tiere selbst – geht dieser Elterntypus mit seinem Nachwuchs auf. Dabei schafft er eine gesunde Balance zwischen Schutz bieten und Freiraum lassen. Gleichzeitig werden diese Eltern von ihren Kindern als Autoritätspersonen anerkannt. Delfin-Eltern legen zwar die Regeln fest, sie gehen jedoch auch auf die Bedürfnisse der Kleinen ein und diskutieren die Regeln gemeinsam aus. © imagebroker/IMAGO
Flugzeug
Flugzeug-Eltern: Sie sind das Gegenteil von Helikopter-Eltern und verfolgen dabei einen kollaborativen Ansatz bei der Erziehung. Während sich Helikopter-Eltern stark auf ihren Nachwuchs konzentrieren und ihre eigenen Interessen vernachlässigen, suchen Flugzeugeltern gemeinsame Erfahrungen für die ganze Familie. Dabei sollen alle Familienmitglieder davon profitieren können – ähnlich einem Passagierflugzeug, indem alle mitfliegen dürfen. (Symbolbild) © Olaf Schuelke/IMAGO
Helikopter
Helikopter-Eltern: Sie sind wohl die bekannteste Gattung von Elterntypen und zeichnen sich dadurch aus, dass sie überfürsorglich sind und wie Helikopter ständig über ihrem Kind kreisen. Dabei lassen sie es so gut wie nie aus den Augen. Dies liegt in einer Angst begründet, ihrem Schützling könnte etwas zustoßen oder er könnte in der harten Gesellschaft nicht bestehen. Auch dieser Erziehungsstil soll laut der Meinung von Experten negative Folgen für die Kinder und deren späteres Erwachsenenleben haben.  © Zoonar.com/Daniel Ferreira-Leites Ciccarino/IMAGO
Mann mäht Rasen
Rasenmäher-Eltern: Sie stellen ebenfalls eine Unterart von Helikopter-Eltern dar. Genauso wie Curling-Eltern räumen sie ihren Kindern potentielle Gefahren aus dem Weg, bevor diese – bildlich gesehen – überhaupt darüber stolpern könnten und sich mit der Herausforderung auseinandersetzen müssten. So verhindern Rasenmäher, dass ihr Kind mit Misserfolgen, Widrigkeiten oder Kämpfen konfrontiert wird. Laut Experten sollten Eltern ihre Kinder jedoch vielmehr auf diese Herausforderungen, die nun mal zum Leben dazu gehören, vorbereiten – anstatt sie von ihnen fernzuhalten und diese wie ein Rasenmäher niederzumähen. © Westend61/IMAGO
Schneepflug
Schneepflug-Eltern: Sie agieren wie Curling- und Rasenmäher-Eltern. Allerdings unterscheiden sie sich von ihnen, indem sie noch aggressiver den Weg für den Erfolg ihres Kindes räumen. Stellt sich jemand oder etwas ihrem Nachwuchs in den Weg, wird wie mit einem Schneepflug alles weggeräumt. © Eliseo Trigo/IMAGO
Taxi
Taxi-Eltern: Wie es der Name wohl bereits erahnen lässt, fungiert dieser Elterntypus als Taxi-Fahrer für seine Sprösslinge. Pünktlich zum Unterrichtsstart und -ende stehen sie mit der Familienkutsche vor der Schule, weil sie ihren Kindern den Weg dorthin nicht zumuten möchten, und blockieren meist Parkplätze und Gehwege. Anstatt den Schulweg mit ihnen zu trainieren, kutschieren Taxi-Eltern ihre Kinder lieber direkt vor die Türe – aus Angst vor einem Unfall oder weil sie die Kleinen vor Wind und Wetter bewahren möchten. Aufgrund ihrer Überfürsorglichkeit zählen diese Eltern ebenfalls zur Gruppe der Helikopter-Eltern. © David Inderlied/IMAGO
Sibirischer Tiger
Tiger-Eltern: Sie möchten ihre Kinder zu Ausnahmetalenten erziehen und deshalb mit autoritären Methoden hohe Leistungen und Erfolge beim Nachwuchs erzielen. Die Amerikanerin Amy Chua, die ursprünglich aus China stammt, machte den Begriff „Tigermom“ durch ihr Buch „Die Mutter des Erfolgs. Wie ich meinen Kindern das Siegen beibrachte“ bekannt. Zum Alltag ihrer Töchter gehörten fragwürdige Methoden wie Nahrungs- und Schlafentzug. © blickwinkel/IMAGO
Zeppelin
Zeppelin-Eltern: Sie schweben im Gegensatz zu Helikopter-Eltern eher ruhig und langsam und immer weit weg über ihren Kindern. Dennoch herrscht wegen des Gases im Zeppelin eine permanente Explosionsgefahr. Denn wenn in ihren Augen etwas schief läuft, können sie vor Wut durchaus mal platzen. © blickwinkel/IMAGO

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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