VonKathrin Reikowskischließen
Manipulation in Online-Shops: Eine EU-weite Untersuchung deckt Tricks von Onlinehändlern auf. Falsche Countdownzähler und visuelle Gestaltung zählen dazu.
Brüssel - Schon mal mehr Geld beim Onlineshopping gelassen als eigentlich geplant? Oder über versteckte Gebühren geärgert? Verbraucherschützer warnen schon seit Jahren: Viele Onlinehändler spielen mit legalen Grenzen und Psychotricks, wenn es um das Geschäftemachen geht - und Verbraucher fallen gerne darauf herein. „Durch geschickte Beeinflussung, werden Verbraucherinnen und Verbraucher dazu verleitet mehr zu kaufen, Daten von sich preiszugeben oder Dienste in Anspruch zu nehmen, die sie eigentlich gar nicht wollen“, sagt etwa Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen. Die VZ Bremen nennt als Beispiele: automatisch angehakte Aboservices, automatisch befüllte Einkaufskörbe und kaum lesbare Schriftarten.
Nun hat eine Kontrolle der EU-Kommission in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden von 25 europäischen Ländern ergeben: Viele Online-Shops versuchen Verbraucherinnen und Verbraucher mit verbotenen Mitteln zu manipulieren und beispielsweise zu Kaufentscheidungen zu drängen. Demnach nutzen 148 von 399 untersuchten Websites mindestens eine manipulative Taktik. Kontrolliert wurden im vergangenen Jahr Einzelhändler etwa im Textil- oder Elektro-Bereich.
EU-Kommission lässt Online-Shops auf diese manipulativen Methoden untersuchen
Die Online-Shops wurden vor allem auf drei manipulative Methoden untersucht:
- verborgene Informationen
- das Drängen zu Käufen oder Abonnements
- Countdown-Zähler, die falsche Fristen für den Kauf bestimmter Produkte angeben.
Nicht nur Manipulation, sondern Betrug lauert, wenn online Waren angeboten werden, die gar nicht geliefert werden: So erkennen Sie Fake Shops beim Online-Einkauf.
Manipulation in Online-Shops: Sind die Verbraucherschutzvorschriften noch zeitgemäß?
Laut Untersuchung verwendeten 42 Websites falsche Countdown-Zähler, 54 drängten die Verbraucher durch visuelle Gestaltung oder sprachliche Mittel zu bestimmten Entscheidungen - von Abonnements bis hin zu teureren Produkten oder Lieferoptionen. Zudem hätten 70 Online-Shops wichtige Informationen versteckt oder schlecht erkennbar gemacht. Dazu gehörten etwa Angaben zu Lieferkosten, zur Produktzusammensetzung oder zu einer billigeren Alternative. Hier finden Sie weitere Tricks von Online-Händlern.
All das verstoße gegen Verbraucherschutzregeln, sagte EU-Justizkommissar Didier Reynders und forderte die nationalen Behörden dazu auf, gegen die Praktiken vorzugehen. Parallel dazu überprüfe die Kommission alle Verbraucherschutzvorschriften, um sicherzustellen, dass diese an das digitale Zeitalter angepasst seien. (dpa/kat)
