Vorteile und Risiken

Experte erläutert, wer mit dynamischen Stromtarifen Geld sparen kann

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Der Blick auf die Stromrechnung kann Verbraucher schocken. Ist ein Wechsel zu dynamischen Stromtarifen ratsam? Ein Experte benennt Vor- und Nachteile.

Kassel – Steigende Preise an der Strombörse dürften viele Haushalte verunsichern. 800 Euro pro Megawattstunde wurde dort Anfang November verlangt – ein neuer Rekord seit Beginn der Energiekrise. Kein Wunder also, dass sich viele Verbraucher nach günstigen Stromtarifen umschauen. Ist möglicherweise ein dynamischer Stromtarif die Lösung, um die Energiekosten daheim zu senken?

Dynamische Stromtarife: So funktionieren sie – Experte sieht „enormes Einsparungspotential“

Das wollte IPPEN.MEDIA von einem Experten wissen. Maximilian Both ist Co-Gründer und Geschäftsführer von Wechselpilot. Das Unternehmen bietet privaten wie geschäftlichen Haushalten einen automatisierten Wechselservice ihrer Energie- und Internetverträge an. Der Stromexperte sieht den „wichtigsten Vorteil“ von dynamischen Stromtarifen in deren „enormem Einsparungspotential“, wie er im Gespräch mit IPPEN.MEDIA erklärte.

Was versteht man unter einem dynamischen Stromtarif?

Normale Stromtarife bestehen aus einem fix vereinbarten Grundpreis, gemessen in Euro pro Jahr, und einem fixen Arbeitspreis in Cent pro Kilowattstunde. Dynamische Stromtarife hingegen haben keinen festen Arbeitspreis.

Die Arbeitspreise sind an die Preise des Großhandels gekoppelt, genau genommen an den „EPEX Spot Markt“. Am Spotmarkt wird noch gehandelt, kurz bevor der Strom benötigt wird, zum Beispiel nur wenige Stunden oder einen Tag vor der Stromlieferung. Dynamische Stromtarife sind in der Regel an den Day-Ahead-Markt gekoppelt, das ist eine Unterform des Spotmarktes. Dort wird zu sich stündlich ändernden Preisen heute Strom gehandelt, der morgen geliefert wird. Dadurch können Stromanbieter einen Tag vor der Lieferung des Stroms die Preise für die Stunden des nächsten Tages kennen und auch bekannt geben. Für Verbraucher ändern sich damit stündlich die Preise und jeder Tag ist verschieden. (Quelle: Verbraucherzentrale.de)

Energie-Experte erklärt, welche Verbraucher durch dynamische Stromtarife sparen können

Stromexperte Both hält es für elementar wichtig, seinen Haushalt zu durchleuchten und eigene Quellen für höheren Energieverbrauch zu identifizieren. Das besagte „enorme Einsparungspotential“ ergibt sich laut Both „durch die flexible Nutzung“ von bestimmten Verbrauchseinheiten. Zu diesen zählen laut Einschätzung des Fachmanns unter anderem:

  • E-Autos
  • Wärmepumpen
  • ein installiertes Smart-Home
  • ein Home Energy Management System (HEMS)

Both zufolge können Strom-Kunden, die besagte Verbrauchseinheiten nutzen, „Geld sparen, wenn Sie Ihren Verbrauch in Zeiten niedriger Preise verlagern können“. Bei E-Autos, Wärmepumpen, Smart-Home oder HEMS-Lösungen sind „dynamische Stromtarife der perfekte Partner“, versichert der Experte bei IPPEN.MEDIA. Der Verbrauch kann automatisiert gesteuert und optimiert werden. Grundsätzlich gelte: „Für Verbraucher sind dynamische Tarife in Ihrer Kostenstruktur deutlich transparenter.“

Nicht jeder profitiert von dynamischen Tarifen – „Kosten können höher als in statischen Stromtarifen ausfallen“

Allerdings erwähnte Both auch mögliche Risiken, die ein dynamischer Stromtarif unter gewissen Umständen mit sich bringen kann. „Da Preise genauso nach oben schwanken wie nach unten, kann das ohne genaue Planung und Optimierung auch zu erhöhten Kosten führen. Das Preisrisiko liegt komplett bei den Verbrauchern“, betont der Experte bei IPPEN.MEDIA.

„Insbesondere, wenn ein Haushalt oft zu teuren Zeiten Strom benötigt und dieses Verbrauchsverhalten nicht steuern kann oder will, kann das zu deutlich erhöhten Kosten führen. Zwar können Kunden mit der Verlagerung des Stromverbrauchs in günstige Zeiten Kosten sparen. Umgekehrt können Kosten bei unbewusster Nutzung auch höher als in statischen Stromtarifen ausfallen.“

Stromexperte Maximilian Both.

Zur Einordnung: Bei der Energieversorgung wird Tag- und Nachtstrom geliefert. Die Zeitfenster, in denen der Strom angeboten wird, unterscheiden sich auch im Preis. Nachtstromtarife sind günstiger als Tagstromtarife. In der Regel wird zwischen 6 Uhr und 22 Uhr Tagstrom geliefert, von 22 Uhr bis 6 Uhr Nachtstrom. Wenn der Experte also von teuren Zeiten spricht, zu denen Strombedarf besteht, meint er die Zeitfenster, die in den Tagstromtarif fallen.

Dynamische Stromtarife können also für einige Verbraucher die Lösung sein, um die eigene Stromrechnung wieder bezahlbar zu machen. Erwähnt werden muss allerdings laut Both auch, dass „selbst bei negativen Börsenpreisen der Verbrauch dennoch Geld kostet – durch Messstellengebühr, Netzentgelte, Steuern und sonstige Abgaben. Der Sockelbetrag beträgt im Schnitt 20 bis 25 Cent.“ Wer jedoch nicht mit den erläuterten Verbrauchseinheiten ausgestattet ist, könnte mit einem statischen Stromtarif unter Umständen besser fahren. Denn in klassischen Tarifen übernehmen Stromanbieter das Preis-Risiko. (kh)

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa/Patrick Lux/Wechselpilot

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