VonRudolf Bögelschließen
Die Zukunft von Seat bei VW hing am seidenen Faden. Nun gibt es Entwarnung. Die Bestseller Ibiza und Arona werden optisch überarbeitet. Ein Fahrbericht.
München – Das Totenglöcklein hat ja schon mehrmals geläutet bei der spanischen VW-Tochter Seat. Spätestens als die qualitativ und preislich höher platzierte Sub-Marke Cupra immer erfolgreicher wurde, dachte man: Das war’s. Aber wie heißt es so schön: Totgesagte leben länger. Vermutlich hat sich bei Volkswagen dann doch noch die Erkenntnis durchgesetzt, dass man für die nicht ganz so betuchte Kundschaft günstige Kleinwagen mit Verbrenner im Angebot haben sollte. Hat da jemand Dacia gesagt? Und so gibt es sowohl für den Seat Ibiza als auch für den Arona ein Weiterleben. Im Januar kommt von beiden Modellen ein Facelift auf den Markt. Die Ibiza-Konkurrenz in Gestalt von Opel Corsa, Renault Clio und Hyundai i20 dürfte gespannt sein, genauso wie die Arona-Mitstreiter VW T-Cross, Opel Crossland und Skoda Kamiq.
Facelift für Seat Ibiza und Arona: Mild Hybrid kommt – aber erst 2027
Sogar neue Verbrenner sind geplant für Ibiza und Arona, allerdings erst 2027. Beim geplanten Mild-Hybrid muss sich Seat im VW-Konzern nämlich ganz hinten anstellen. Die neue Motoren-Generation, die auch der strengeren Schadstoff-Norm Euro 7 genügt, kommt erst einmal im neuen VW T-Roc zum Einsatz. Noch länger dauert es, bis ein voll-hybrider Antrieb bei Seat angeboten wird. Erst 2028, dann aber nur im Leon nach dem jetzigen Stand der Dinge. Bis dahin darf unter der Motorhaube der Spanier noch ausschließlich verbrannt werden. Zum Einsatz kommen drei Motoren. Ein 1,0 Liter Dreizylinder-Turbo-Benziner mit Fünf-Gang-Handschalter und wahlweise 95 oder 115 PS. Letzterer mit Sechsgang-Handschalter oder Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG). Wer mehr Power haben will, bestellt den Vierzylinder 1,5 TSI mit DSG und hat dann 150 PS zur Verfügung. Für die sparsame Klientel bietet Seat im Ibiza auch noch den kleineren 1,0 Liter großen Dreizylinder-Saugbenziner mit 80 PS an.
Zurück zum Ibiza. Die Erfolgsgeschichte des Dauerbrenners hat vor über 40 Jahren begonnen. Vorgestellt wurde das erste von Seat selbst entwickelte Auto auf der Party-Insel im Mittelmeer. Fünf Generationen und sechs Millionen verkaufter Autos später dürfen wir den neuen Ibiza testen. Natürlich auf Ibiza. Genauso wie den Mini-SUV Arona, der auf der gleichen technischen Plattform steht. Er ist das jüngste Seat-Modell, hat sich mit 750.000 Fahrzeugen seit 2017 aber auch schon ordentlich verkauft.
Als der Ibiza ins Rampenlicht rollt, präsentiert von Seat-Chef Markus Haupt persönlich, sind wir nicht die einzigen, die sich verwundert die Augen reiben. Das neue Design ähnelt schon sehr dem alten Look. Am auffälligsten ist noch der neu gestaltete sechseckige Kühlergrill, die größeren Air Curtains und das neue Tagfahrlicht an der Front. Sowie der Diffusor am Heck, der bei den höheren Ausstattungslinien Style und FR dazukommt. Neue Farben, neue Felgen, das war es an News beim Exterieur.
Seat wertet das Interieur auf: 10,25 Zoll für die Augen, 300 Watt für die Ohren
Das Interieur hingegen präsentiert sich deutlich aufgehübscht. Neue Sitze mit besserer Polsterung, gelochtes Lederlenkrad und sogar das viele Plastik wird hie und da – wie etwa in den Türen mit Textilien und Softtouch-Flächen kaschiert. Serienmäßig kommt das Armaturenbrett mit einem 8,25 Zoll großen Digital-Tacho daher, gegen Aufpreis gibt es ein 10,25 Zoll großes Display mit besserer Auflösung. Der Infotainment-Bildschirm misst 8,25 Zoll und kann auf 9,25 Zoll erweitert werden. Neu ist die stärkere Ladeschale, die mit bis zu 15 kW die Smartphone-Batterie mit Energie auffüllt und eine optional erhältliche Soundanlage mit 300 Watt Leistung.
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Rund 2.000 Euro mehr – das sind die neuen Preise für Seat Ibiza und Arona
Wenn etwas neu ist, dann kostet es in alle Regel mehr Geld. Da macht auch Seat keine Ausnahme. Gibt es den Seat Ibiza in der zweithöchsten Austattungsvariante „Style“ zurzeit noch für 19.050 Euro, so muss man künftig 20.890 Euro berappen. Beim Arona sind es 23.781 Euro, nächstes Jahr schon 25.400 Euro. Begründet wird das mit einer besseren Ausstattung und der höheren Material-Qualität. Die Motoren können zur Begründung des Preissprungs ja nicht herhalten. Hier serviert Seat alten Wein in neuen Schläuchen. Obwohl dagegen prinzipiell nichts einzuwenden ist, weil alter Wein meistens ja gut schmeckt. Und so verhält es sich auch mit den bewährten Antrieben aus dem VW-Regal.
Der Vierzylinder mit 150 PS treibt Ibiza und Arona mit ordentlich Schmackes an. Den Dreizylinder mit 115 PS sollte man hingegen nicht jagen. Allein schon der Akustik wegen, weil das Triebwerk dann laut wird. Am Verbrauch ist nach wie vor nichts auszusetzen. Jeweils knapp über sechs Liter, das ist relativ sparsam. Zumal wir zu Dritt mit Gepäck in den Autos unterwegs waren. Erstaunlich, wie gut man im Arona hinten sitzt, hier kann man sich sogar längere Strecken vorstellen. Im Ibiza möchte man es lieber bei Kurz-Trips belassen. Mehr Platz bietet der Mini-SUV auch im Kofferraum. Sind es im Ibiza nur 355 Liter, so kann man im Arona bis zu 400 Liter verstauen. Nichts auszusetzen gibt es auch am Fahrwerk der spanischen Brüder. Kurz, trocken und humorlos bewältigen Dämpfer und Federn die dann doch im wahrsten Sinn des Wortes „erheblichen“ Anforderungen der balearischen Straßenbaukunst.
Unser Fazit zum neuen Seat Ibiza und Arona
Unser Fazit: Soll man jetzt noch zuschlagen und sich schnell noch ein altes Modell sichern oder noch warten? Beides ist richtig. Denn noch gibt es die mit grundsolider VW-Technik ausgerüsteten Kleinwagen zum günstigen Preis. Und so viel tut sich dann auch wieder nicht beim Facelift, das den Aufpreis von rund 2.000 Euro rechtfertigen würde. Eine interessante Option dürften die Mild-Hybrid-Antriebe sein, die ab 2027 angeboten werden und einen noch geringeren Verbrauch versprechen. Aber eigentlich sind alle Optionen gut. Wo sonst gibt es so viel Kleinwagen für überschaubares Geld – noch dazu mit ein paar vernünftigen Verbrenner-Motoren? Rudolf Bögel
Rubriklistenbild: © Seat



