Wieder mit Verbrenner

Facelift für Ibiza und Arona: Bestseller der VW-Tochter Seat im ersten Fahr-Check

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Die Zukunft von Seat bei VW hing am seidenen Faden. Nun gibt es Entwarnung. Die Bestseller Ibiza und Arona werden optisch überarbeitet. Ein Fahrbericht.

München – Das Totenglöcklein hat ja schon mehrmals geläutet bei der spanischen VW-Tochter Seat. Spätestens als die qualitativ und preislich höher platzierte Sub-Marke Cupra immer erfolgreicher wurde, dachte man: Das war’s. Aber wie heißt es so schön: Totgesagte leben länger. Vermutlich hat sich bei Volkswagen dann doch noch die Erkenntnis durchgesetzt, dass man für die nicht ganz so betuchte Kundschaft günstige Kleinwagen mit Verbrenner im Angebot haben sollte. Hat da jemand Dacia gesagt? Und so gibt es sowohl für den Seat Ibiza als auch für den Arona ein Weiterleben. Im Januar kommt von beiden Modellen ein Facelift auf den Markt. Die Ibiza-Konkurrenz in Gestalt von Opel Corsa, Renault Clio und Hyundai i20 dürfte gespannt sein, genauso wie die Arona-Mitstreiter VW T-Cross, Opel Crossland und Skoda Kamiq.

Neuer Look für den Seat Ibiza: Der Kühlergrill hat sechs Ecken und ist größer als beim Vorgänger, die Lufteinlässe fallen gieriger aus, das Tagfahrlicht ist dafür feiner gezeichnet.

Facelift für Seat Ibiza und Arona: Mild Hybrid kommt – aber erst 2027

Sogar neue Verbrenner sind geplant für Ibiza und Arona, allerdings erst 2027. Beim geplanten Mild-Hybrid muss sich Seat im VW-Konzern nämlich ganz hinten anstellen. Die neue Motoren-Generation, die auch der strengeren Schadstoff-Norm Euro 7 genügt, kommt erst einmal im neuen VW T-Roc zum Einsatz. Noch länger dauert es, bis ein voll-hybrider Antrieb bei Seat angeboten wird. Erst 2028, dann aber nur im Leon nach dem jetzigen Stand der Dinge. Bis dahin darf unter der Motorhaube der Spanier noch ausschließlich verbrannt werden. Zum Einsatz kommen drei Motoren. Ein 1,0 Liter Dreizylinder-Turbo-Benziner mit Fünf-Gang-Handschalter und wahlweise 95 oder 115 PS. Letzterer mit Sechsgang-Handschalter oder Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG). Wer mehr Power haben will, bestellt den Vierzylinder 1,5 TSI mit DSG und hat dann 150 PS zur Verfügung. Für die sparsame Klientel bietet Seat im Ibiza auch noch den kleineren 1,0 Liter großen Dreizylinder-Saugbenziner mit 80 PS an. 

Zurück zum Ibiza. Die Erfolgsgeschichte des Dauerbrenners hat vor über 40 Jahren begonnen. Vorgestellt wurde das erste von Seat selbst entwickelte Auto auf der Party-Insel im Mittelmeer. Fünf Generationen und sechs Millionen verkaufter Autos später dürfen wir den neuen Ibiza testen. Natürlich auf Ibiza. Genauso wie den Mini-SUV Arona, der auf der gleichen technischen Plattform steht. Er ist das jüngste Seat-Modell, hat sich mit 750.000 Fahrzeugen seit 2017 aber auch schon ordentlich verkauft.

Mehr Qualität, mehr weiches Material: Das Interieur von Ibiza und Arona wurde deutlich aufgewertet. Das merkt man auch am Preis der beiden Modelle.

Als der Ibiza ins Rampenlicht rollt, präsentiert von Seat-Chef Markus Haupt persönlich, sind wir nicht die einzigen, die sich verwundert die Augen reiben. Das neue Design ähnelt schon sehr dem alten Look. Am auffälligsten ist noch der neu gestaltete sechseckige Kühlergrill, die größeren Air Curtains und das neue Tagfahrlicht an der Front. Sowie der Diffusor am Heck, der bei den höheren Ausstattungslinien Style und FR dazukommt. Neue Farben, neue Felgen, das war es an News beim Exterieur.

Seat wertet das Interieur auf: 10,25 Zoll für die Augen, 300 Watt für die Ohren

Das Interieur hingegen präsentiert sich deutlich aufgehübscht. Neue Sitze mit besserer Polsterung, gelochtes Lederlenkrad und sogar das viele Plastik wird hie und da – wie etwa in den Türen mit Textilien und Softtouch-Flächen kaschiert. Serienmäßig kommt das Armaturenbrett mit einem 8,25 Zoll großen Digital-Tacho daher, gegen Aufpreis gibt es ein 10,25 Zoll großes Display mit besserer Auflösung. Der Infotainment-Bildschirm misst 8,25 Zoll und kann auf 9,25 Zoll erweitert werden. Neu ist die stärkere Ladeschale, die mit bis zu 15 kW die Smartphone-Batterie mit Energie auffüllt und eine optional erhältliche Soundanlage mit 300 Watt Leistung.

So lange ist das her? Diese 15 Autos feiern 2025 ein rundes Jubiläum

Die vierte Generation des BMW 5er
30 Jahre BMW 5er (E39): Mit einer Neuauflage des BMW 5ers (vierte Generation) konterte der Münchner Autobauer ab 1995 die gleichzeitig erneuerte Mercedes E-Klasse (W210). Die Touring-Version folgte im März 1997, das Sportmodell M5 im Herbst 1998. © BMW
Ein Toyota RAV4
30 Jahre Toyota RAV4: Mit dem Japaner feiert ein früher Vertreter des Kompakt-SUV Jubiläum. Zunächst wurde der RAV4 nur als Dreitürer angeboten – die fünftürige Version mit deutlich besserem Platzangebot wurde jedoch bald nachgeschoben. © Heritage Images/Imago
Ein Toyota MR2
40 Jahre Toyota MR2: Noch ein Japaner feiert Geburtstag. Der keilförmige Mittelmotorsportwagen mit Klappscheinwerfern wurde in Frankreich nur als MR bezeichnet. Weil sich „MR2“ dort ausgesprochen nach einem Fäkalwort anhört. © Toyota
Ein VW Polo der ersten Generation
50 Jahre Volkswagen Polo: Noch vor Ford Fiesta und Opel Corsa brachte der erste Polo den modernen deutschen Kleinwagen in Fahrt – dies allerdings als Parallelmodell zum Audi 50. © VW
Fahraufnahme eines Porsche 924
50 Jahre Porsche 924: Nachfolger des VW-Porsche 914 und Auftakt zu einer Serie erfolgreicher Sportwagen in Transaxle-Bauweise. Wegen seiner vom Volkswagen-Konzern stammenden Teile wurde er oftmals nicht als vollwertiger Porsche angesehen. Spötter bezeichneten das Modell auch als „Hausfrauenporsche“. © Porsche
Ein AMC Pacer
50 Jahre AMC Pacer: Das Design des kompakten Dreitürers darf vorsichtig wohl als „eigenwillig“ bezeichnet werden. Wegen der großen Glasflächen bekam er auch den Spitznamen „rollendes Aquarium“. Ein filmisches Denkmal wurde dem Wagen durch seine Rolle in der Komödie „Wayne‘s World“ (1992) gesetzt. © Dreamstime/Imago
Ein Mercedes W123
50 Jahre Mercedes 200 D bis 280 E (W123): Ein Bestseller mit dem Ruf fast unzerstörbarer Robustheit. Bis zum Januar 1986 liefen fast 2,7 Millionen Fahrzeuge der Baureihe vom Band. © Mercedes
EIn Opel Manta B
50 Jahre Opel Manta B: Nach nur fünf Jahren Bauzeit des Opel Manta A kam 1975 der Opel Manta B auf den Markt. Der hatte einen längeren Radstand und große Rechteck-Scheinwerfer. Das Foto zeigt ein Exemplar aus dem Jahr 1985. Kult-Status erlangte der Opel Manta B durch den Film „Manta, Manta“ (1991) mit Til Schweiger und Tina Ruland in den Hauptrollen. © Sebastian Geisler/Imago
Ein Rallye-Opel-Ascona-B
50 Jahre Opel Ascona B: Und noch ein Opel feiert 2025 einen runden Geburtstag. Rallyechampion Walter Röhrl gewann mit der Mittelklasse-Limousine Opel Ascona B 1982 sogar die Fahrer-Weltmeisterschaft. © Opel
Ein BMW 3er der ersten Generation
50 Jahre BMW 3er (E21): Die kompakte Sportlimousine ersetzte ab 1975 die BMW 02-Typen und avancierte zur bis heute erfolgreichsten Modellreihe des Münchner Autobauers. Das Sportmodell M3 kommt aber erst 1986 mit der nächsten 3er-Generation (E30) auf den Markt. © BMW
Toyota Corolla der 3. Generation
50 Jahre Toyota Corolla (3. Generation): Im März 1975 kam die dritte Corolla-Generation in Deutschland auf den Markt. Mit dem 1,2-Liter-Motor (55 PS) kostete der Corolla damals ab 8.490 D-Mark. © Depositphotos/Imago
Ein Peugeot 403
70 Jahre Peugeot 403: Im Jahr 1955 wurde der Peugeot 403 erstmals in Paris der Öffentlichkeit vorgestellt. Es war das erste Modell der Franzosen, dass sich mehr als eine Million mal verkaufte. Bekannt wurde die Cabrio-Version des 403 vor allem durch die 1970er-Jahre-Serie Columbo, in der der Hauptdarsteller (Peter Falk) einen solchen Wagen fuhr.  © Pond5 Images/Imago
Ein Fiat 600
70 Jahre Fiat 600: Auf dem Genfer Autosalon 1955 feiert der Fiat „Seicento“ Premiere – noch im selben Jahr startete die Prodktion. Die ersten Modelle – im Gegensatz zum Fahrzeug auf dem Foto – hatten noch sogenannte Selbstmördertüren, die hinten angeschlagen waren. © Depositphotos/Imago
Eine BMW Isetta
70 Jahre BMW Isetta: Im Jahr 1955 startete das Rollermobil BMW Isetta. Das ungewöhnliche Konzept mit der Fronttür ist heute Kult – und findet mit dem elektrischen Microlino sogar eine Art Neuauflage.  © Imagebroker/Imago
Ein Citroën DS
70 Jahre Citroën DS: Auf dem Pariser Salon 1955 feierte die futuristische Limousine ihre Weltpremiere – mit gigantischem Erfolg. Angeblich wurden am ersten Abend nach der Präsentation 12.000 Bestellungen aufgenommen, bis Messeende 80.000 Kaufverträge abgeschlossen. Der Spitzname des damals technisch herausragenden und außergewöhnlich designten Fahrzeugs lautete in Deutschland „die Göttin“. © DS

Rund 2.000 Euro mehr – das sind die neuen Preise für Seat Ibiza und Arona

Wenn etwas neu ist, dann kostet es in alle Regel mehr Geld. Da macht auch Seat keine Ausnahme. Gibt es den Seat Ibiza in der zweithöchsten Austattungsvariante „Style“ zurzeit noch für 19.050 Euro, so muss man künftig 20.890 Euro berappen. Beim Arona sind es 23.781 Euro, nächstes Jahr schon 25.400 Euro. Begründet wird das mit einer besseren Ausstattung und der höheren Material-Qualität. Die Motoren können zur Begründung des Preissprungs ja nicht herhalten. Hier serviert Seat alten Wein in neuen Schläuchen. Obwohl dagegen prinzipiell nichts einzuwenden ist, weil alter Wein meistens ja gut schmeckt. Und so verhält es sich auch mit den bewährten Antrieben aus dem VW-Regal.

Mini-SUV mit Erfolgsgeschichte: Der Arona hat sich schon 750.000-mal verkauft. Zum Start des runderneuerten Modells gibt es drei verschiedene Motorisierungen.

Der Vierzylinder mit 150 PS treibt Ibiza und Arona mit ordentlich Schmackes an. Den Dreizylinder mit 115 PS sollte man hingegen nicht jagen. Allein schon der Akustik wegen, weil das Triebwerk dann laut wird. Am Verbrauch ist nach wie vor nichts auszusetzen. Jeweils knapp über sechs Liter, das ist relativ sparsam. Zumal wir zu Dritt mit Gepäck in den Autos unterwegs waren. Erstaunlich, wie gut man im Arona hinten sitzt, hier kann man sich sogar längere Strecken vorstellen. Im Ibiza möchte man es lieber bei Kurz-Trips belassen. Mehr Platz bietet der Mini-SUV auch im Kofferraum. Sind es im Ibiza nur 355 Liter, so kann man im Arona bis zu 400 Liter verstauen. Nichts auszusetzen gibt es auch am Fahrwerk der spanischen Brüder. Kurz, trocken und humorlos bewältigen Dämpfer und Federn die dann doch im wahrsten Sinn des Wortes „erheblichen“ Anforderungen der balearischen Straßenbaukunst.

Unser Fazit zum neuen Seat Ibiza und Arona

Unser Fazit: Soll man jetzt noch zuschlagen und sich schnell noch ein altes Modell sichern oder noch warten? Beides ist richtig. Denn noch gibt es die mit grundsolider VW-Technik ausgerüsteten Kleinwagen zum günstigen Preis. Und so viel tut sich dann auch wieder nicht beim Facelift, das den Aufpreis von rund 2.000 Euro rechtfertigen würde. Eine interessante Option dürften die Mild-Hybrid-Antriebe sein, die ab 2027 angeboten werden und einen noch geringeren Verbrauch versprechen. Aber eigentlich sind alle Optionen gut. Wo sonst gibt es so viel Kleinwagen für überschaubares Geld – noch dazu mit ein paar vernünftigen Verbrenner-Motoren? Rudolf Bögel

Rubriklistenbild: © Seat

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