Mehr Sicherheit am Steuer

Änderung für Millionen Menschen geplant: EU-Führerschein-Pläne sehen neue Führerscheinklasse B+ und SUV-Tabu vor

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Sowohl Senioren als auch Fahranfänger werden im neuen Führerschein-Entwurf ins Visier genommen. Eine weitere Führerscheinklasse und selbst SUV-Regeln könnten sie besonders betreffen.

Kassel – Auf der Ebene der Europäischen Union haben Rat und Parlament eine frische Idee zur Erweiterung der Führerscheinklassen vorgeschlagen: Die Einführung der Kategorie B+. Bereits zu Beginn des Jahres 2023 gab es für Autofahrer einige Änderungen. Diese Initiative beinhaltet eine Anpassung der EU-Richtlinie 2022/2561 bezüglich der Grundqualifikation und der kontinuierlichen Fortbildung von Kraftfahrern. Aktuellen Informationen zufolge, wie sie im vorliegenden Entwurf des EU-Parlaments dargelegt sind, soll das Lenken von SUVs und anderen Fahrzeugen mit einem Gewicht von über 1,8 Tonnen einer verschärften Regulierung unterliegen. Dabei verfolgt man zwei vorrangige Zielsetzungen:

  • Emissionen senken
  • Sicherheit erhöhen

Änderung für SUV-Fahrer: Warum die EU eine neue Führerscheinklasse einführen möchte

Zurzeit beschäftigt sich das Europäische Parlament mit einer Überarbeitung einiger Bestimmungen im Bereich der Führerscheine. Neben der Einführung einer neuen Führerscheinklasse, die speziell auf Neulinge im Straßenverkehr abzielt, sind auch verschärfte Vorschriften für ältere Fahrer vorgesehen. Diese beiden Maßnahmen haben ein gemeinsames Ziel: eine strengere Regulierung von potenziellen Risiken im Straßenverkehr, um die allgemeine Sicherheit zu erhöhen. Ziel ist „die Zahl der Verkehrstoten bis 2050 auf null zu bringen“, wie in der Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität von 2020 festgeschrieben.

Schwere Personenkraftwagen und Geländewagen (SUV) (...) sind im Hinblick auf die Straßenverkehrssicherheit mit größerer Wahrscheinlichkeit in Zusammenstöße verwickelt, die weitaus schwerwiegendere Folgen haben.

Auszug aus dem Berichtsentwurf zur Änderung der Richtlinie (EU) 2022/2561 

Zusätzlich zu diesem Sicherheitsaspekt wird im Entwurf auch ausführlich auf die Reduzierung von Emissionen eingegangen. Schwere Personenkraftwagen gelten als unhandlicher, weniger energieeffizient und verbrauchen daher mehr Treibstoff. Das Umweltbundesamt hat schon seit geraumer Zeit die Einführung von Kostensteigerungen für Fahrer solcher umweltschädlicher Fahrzeuge gefordert. Die erschwerte Zugänglichkeit stellt eine weitere Alternative dar, um SUVs und ähnliche Fahrzeuge im Straßenverkehr zu reduzieren.

Neue Führerscheinklasse: Welche Autofahrer davon betroffen sind

Die geplante Änderung der Richtlinie zielt nicht primär auf langjährige Autofahrer ab, wie es jüngst im Zusammenhang mit der Umtauschfrist im Januar der Fall war. Im Gegenteil, junge Erwachsene wären besonders von diesen Vorschlägen betroffen. Es könnte eine vollständige Untersagung des Lenkens schwerer Fahrzeuge vor Erreichen des 21. Lebensjahres in Betracht gezogen werden. Ebenso könnten ältere Fahrer vor zusätzliche Hürden gestellt werden, um die Berechtigung zum Führen von SUVs zu erlangen. Dies liegt daran, dass der Berichtsentwurf nicht nur eine Anpassung der „erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Verhaltensweisen“ vorsieht, sondern auch „Mindestanforderungen an die körperliche und geistige Eignung“ für die Erlangung des Führerscheins der Klasse B+ beinhaltet.

Vor allem für Senioren sowie Fahranfänger sollen die neuen Regeln Änderungen bereit halten. (Symbolbild)

Neben einer Vielzahl von SUVs überschreiten auch einige Fahrzeuge der Mittel- und Oberklasse die Marke von 1,8 Tonnen Gewicht. Gegner der vorgeschlagenen Änderungen im Führerscheinsystem argumentieren, dass diese den Zugang zu umweltfreundlicheren Fahrzeugalternativen unnötig erschweren. „Der Vorschlag verkennt die Tatsache, dass moderne Fahrzeuge, insbesondere Elektroautos aufgrund der Ausstattung und dem Gewicht der Batterien immer schwerer werden, die modernen Sicherheitseinrichtungen dem Fahrzeuggewicht jedoch entsprechend angepasst sind“, so die Euopean Automobile Clubs (EAC) in eigener Pressemitteilung. Auch die allgemeine Grundannahme, dass „schwere“ Autos gefährlicher seien, lasse sich statistisch nicht belegen.

Die Führerschein-Novellierung dürfte noch für viele Diskussionen sorgen. Über die Entwürfe der einzelnen Richtlinien wird im Parlament und später in den Mitgliedstaaten beraten. Anschließend müssen sie in ein nationales Recht transferiert werden.

Für diesen von der Redaktion geschriebenen Artikel wurde maschinelle Unterstützung genutzt. Der Artikel wurde vor Veröffentlichung von Redakteur Kilian Bäuml sorgfältig überprüft.

Rubriklistenbild: © Felix Kästle/dpa

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