Im Retro-Design

Hyundai Ioniq 6 im Test: Das kann der schicke Tesla-Jäger

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Mit dem Ioniq 6 bringt Hyundai ein weiteres Elektroauto an den Start: Eine ungewöhnlich gestylte Limousine, die das Tesla Model 3 angreift. Vor allem in einer Disziplin überzeugt sie.

Bekanntlich teilt sich die Autobranche derzeit in zwei Fraktionen. Da gibt es die Hersteller, die sich eher vorsichtig ins elektrische Zeitalter tasten, wie BMW – und jene, die richtig unter Strom stehen. Zu letzterer gehört zweifellos Hyundai, und die Strategie scheint aufzugehen: Die südkoreanische Marke erreicht in Deutschland bei batterieelektrischen Pkw, sogenannten BEV, einen Marktanteil von 7,1 Prozent. Das bedeutet Platz drei hinter Tesla und VW, und vor starken Wettbewerbern wie Opel, Audi, BMW oder Mercedes.

Hyundai Ioniq 6 im Test: Das kann der schicke Tesla-Jäger

Der Hyundai Ioniq 6 fällt mit extrovertiertem Design auf.

Beträchtlichen Anteil an diesem Erfolg hat das SUV Ioniq 5, das auf einer rein elektrischen Plattform basiert, die auch die Konzern-Brüder Kia EV6 und Genesis GV60 trägt. Zweites Hyundai-Modell ist nun der Ioniq 6, der zwar mit ähnlicher Technik daherkommt, aber komplett anderem Styling – ein wenig nämlich so, wie sich vielleicht Jules Verne Anfang des 20. Jahrhunderts eine elektrische Limousine der Zukunft ausgemalt hätte.

Hyundai Ioniq 6 im Test: Art-Deco-Design mit LED

Vor allem das Heck erinnert mit seinen Art-Deco-Anklängen an das Stromlinien-Design der goldenen Zwanziger (denen vor 100 Jahren), plus LED-Leuchtband. Die Dachlinie fällt deutlich ab, innen können großgewachsene Passagiere mit ihrer Frisur da durchaus Kontakt aufnehmen. Alle andere reisen sehr komfortabel: Der elektro-typisch üppige Fußraum im Fond bietet Beinfreiheit nach Business-Class-Art. Gewöhnungsbedürftig ist indes der hohe Boden, weil unter dem natürlich die Akkus lagern. Der Gepäckraum ist eher schmal, wird aber immerhin durch einen großen Frunk ergänzt, jenen bei E-Fahrern so beliebten Stauraum unter der Fronthaube etwa zur Aufnahme des AC-Ladekabels.

Die Heckpartie des Hyundai Ioniq 6 ist ungewöhnlich gestylt.

Der Fahrer blickt auf ein breites Digitaldisplay, das sich bis über die Mittelkonsole erstreckt, und auf Monitore für die seitlichen Außenkameras. Das kann man mögen, muss es aber nicht, denn serienmäßig bringt der Ioniq 6 klassische Außenspiegel mit. Und schon viele Extras, für die Konkurrenten Aufpreise oder Abos verlangen, etwa die Smartphone-Anbindung per Apple CarPlay oder Android Auto, 18-Zoll-Alufelgen, und viele Assistenzsysteme.

Hyundai Ioniq 6 im Test: Geht ab wie Schmidts Katze

Wenn sich der Hyundai Ioniq 6 lautlos in Bewegung gesetzt hat, genießen die Insassen die smoothe Fahrt, was das auf Komfort getrimmtes Fahrwerk unterstützt. Dass der Stromer beim Tritt auf das rechte Pedal abzischt wie Schmidts Katze, ist man von dieser Art des Antriebs mittlerweile gewohnt. Ebenso wie die Tatsache, dass die Nennleistung auf dem Papier darauf keinen großen Einfluss hat.

Ein breites Display dominiert das Cockpit des Hyundai Ioniq 6.

Leistungsversionen gibt es mit 151, 229 und 325 PS, letztere mit zwei Aggregaten und Allradantrieb. Die Akkus speichern 53 oder 77,4 kWh – Reichweitenkönig ist der heckgetriebene Ioniq 6 mittlerer Leistung. Der schafft laut offizieller WLTP-Norm 614 Kilometer, das Topmodell noch 583. Der Clou: Bei diesem Auto sind diese Angaben nicht mal hoffnungslos übertrieben. Bei der Testfahrt pendelte sich der Verbrauch tatsächlich bei unter 15 kWh auf 100 Kilometer ein, und die Reichweite bei über 500 Kilometer. Das natürlich bei moderaten Tempi und Temperaturen. Dass die Reichweite auf schnellen Autobahnetappen und bei Kälte schmelzen dürfte, ist da verschmerzbar.

E-Wagen der Extraklasse: Zehn Luxusautos, die mit Strom fahren

Der Elektro-Sportwagen Rimac Nevera fährt auf einer Straße.
Rimac Nevera: Für viele sind Sportwagen der Inbegriff von Luxus. Beim Rimac Nevera dürfte das außer Frage stehen. Lediglich 150 Exemplare des Elektroautos sollen gebaut werden. Kolportierter Kostenpunkt: zwei Millionen Euro. Netto. Dafür gibt es aber auch 1.914 PS, vier Elektro-Motoren und eine Reichweite von bis zu 550 Kilometern. Den Sprint von null auf 100 legt der Sportwagen in sagenhaften 1,85 Sekunden zurück. © Rimac
Das Luxus-Elektroauto Audi e-tron GT
Audi e-tron GT: Auch der Ingolstädter vereint Sport und Luxus. In der Basisvariante sorgen 476 PS für viel Vortrieb. Wer sich für die RS-Version entscheidet, darf sich auf 598 PS freuen. Je nach Modell sind Reichweiten von 472 bzw. 487 Kilometer möglich. Preislich geht es bei rund 104.000 Euro los. Der RS e-tron GT schlägt mit mindestens 142.500 Euro zu Buche. © Audi
Das Luxus-Elektroauto Porsche Taycan.
Porsche Taycan: Auch wenn man es auf den ersten Blick nicht sieht, technisch ist der Luxus-Stromer eng verwandt mit dem Audi e-tron. Beide nutzen die gleiche Plattform und teilen auch so viele Bauteile. Allerdings hat der Zuffenhausener etwas mehr Leistung (bis zu 761 PS) und kommt je nach Version bis zu 498 Kilometer weit. In der günstigsten Variante kostet der Taycan 88.399 Euro. Am teuersten ist der Taycan Turbo S Cross Turismo mit 191.096 Euro. © Porsche
Das Luxus-Elektroauto Mercedes-Benz EQS
Mercedes-Benz EQS: Abgesehen von den Maybach-Modellen ist die S-Klasse wohl das luxuriöseste Fahrzeug, das man bei Mercedes kaufen kann. Kein Wunder also, dass man in Stuttgart mit einer Elektro-Version nachlegte. In der günstigsten Version mit 292 PS kostet der EQS rund 116.000 Euro. Die Reichweite liegt bei 576 Kilometern. Zudem bietet der Stromer neben viel Luxus auch eine Menge Platz. © Mercedes-Benz AG
Das Luxus-Elektroauto Mercedes-Benz EQE.
Mercedes-Benz EQE: Neben der S-Klasse hat auch die E-Klasse ein elektrisches Gegenstück bekommen. In der Basisversion leistet der Elektromotr des EQE 245 PS und kommt bis zu 639 Kilometer weit. Wer etwas mehr Leistung bevorzugt wird bei AMG fündig. Der AMG EQE 53 4Matic+ Dynamic Plus kommt mit zwei E-Aggregaten die zusammen 687 PS leisten. Allerdings sinkt die Reichweite auf bis zu 526 Kilometer. © Dirk Weyhenmeyer/Mercedes-Benz AG
Das Luxus-Elektroauto BMW iX M60
BMW iX: Ja, auch BMW kann bekanntlich Luxus. In diesem Fall mit dem SUV iX. Die zwei Elektromotoren leisten je nach Version 326 oder 523 PS. Der iX M60 kommt sogar mit 540 PS zum Kunden. Je nach Batterie legt der Stromer mit einer Ladung 408 bis 633 Kilometer zurück. Die Basisversion gibt es bereits für 77.300 Euro. Mit dem M-Logo geht es bei 143.100 Euro los. © BMW/Enes Kucevic Photography
Das Luxus-Elektroauto BMW i7.
BMW i7: Was Mercedes die S-Klasse ist, ist bei BMW der 7er. Mehr Luxus geht nicht. Und wie der Konkurrent aus Stuttgart haben auch die Münchner ihr Flaggschiff unter Strom gesetzt. Zwei Elektromotoren sorgen für 544 PS. Künftig soll der Stromer sogar teilweise autonom fahren können. So viel Luxus hat allerdings seinen Preis: Satte 139.900 Euro ruft BMW für den i7 auf. © BMW/Daniel Kraus
Das Luxus-Elektroauto Lucid Air.
Lucid Air: Mit dem Elektroauto drängen auch immer mehr neue Hersteller auf den Markt. Einer davon ist Lucid. Mit dem Air haben sich die Amerikaner direkt ins Luxus-Segment gewagt. Je nach Ausführung wird das Elektroauto von 480 bis 1.111 PS angetrieben. 2023 soll das neue Top-Modell Saphire mit 1.217 PS kommen. Die Reichweite liegt bei 653 bis 883 Kilometern. In nur 15 Minuten soll genug Strom für ca. 400 Kilometer Reichweite geladen sein. Für die Air Dream Edition werden aktuell 218.000 Euro fällig. Etwas günstiger ist der Grand Touring, der bei 159.000 Euro startet. © Lucid
Das Luxus Elektroauto Jaguar I-PACE.
Jaguar I-PACE: Die Briten sind schon seit 2018 mit ihrem Luxus-Elektroauto auf dem Markt. Entsprechend bekommt der I-PACE 2024 einen Nachfolger. Bis dahin haben die Kunden die Wahl zwischen zwei Versionen mit jeweils 400 PS. Mit der 90,2-kWh-Batterie kommt der Stromer bis zu 450 Kilometer weit. Die Preise starten bei 92.400 Euro. © Jaguar
Das Luxus-Elektroauto Rolls-Royce Spectre.
Rolls-Royce Spectre: Schon im Jahr 1900 hatte sich der Rolls-Royce-Mitbegründer Charles Rolls ein Elektroauto zugelegt und war begeistert. Er wusste aber auch: Die Stromer sind erst dann sinnvoll, wenn es feste Ladestationen geben würde. Über 110 Jahre später ist das der Fall und die BMW-Tochter bringt mit dem Spectre ihr erstes Serien-Elektroauto auf den Markt. Dafür setzt man nicht etwa auf die Neue-Klasse-Architektur, sondern hat mit dem Aluminium-Spaceframe eine eigene Basis entwickelt. Die Batterie ist jedoch mit der des i7 verwandt und soll eine Reichweite von etwa 520 Kilometern ermöglichen. Angetrieben wird der Nobel-Stromer von zwei E-Motoren, die zusammen 585 PS leisten. Mit einem Preis von 318.500 Euro liegt der Spectre zwischen dem Cullinan und Phantom.  © Rolls-Royce

Hyundai Ioniq 6 im Test: Tesla Model 3 kostet genau so viel

Zumal der Ioniq 6 mit 800-Volt-Technologie (die sonst nur wenige Stromer wie der Audi e-tron GT bieten) schnell lädt, nämlich in fünf Minuten für 100 Kilometer. Da hat er dem Tesla Model 3 etwas voraus – und die amerikanische Kompakt-Limousine darf man durchaus als ärgsten Konkurrenten des Koreaners betrachten. Nach Teslas Preissenkung kostet sie fast genau das gleiche, nämlich in der jeweiligen Basisausstattung knapp 44.000 Euro.

Hyundai Ioniq 6 239 kW
Motor/Antrieb2 Elektro/Allrad
Leistung/Drehmoment239 kW (325 PS) / 605 Nm
Länge/Breite/Höhe4,86/1,88/1,50 m
Ladevolumen401 l
Vmax/0–100 km/h185 km/h / 5,1 s
Verbrauch/Reichweite15,1 l/100 km / 583 km
Preis52.900 Euro
Preis Basisversion 111 kW (151 PS), Heckantrieb43.900 Euro

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Für diesen Preis bietet der Hyundai den modernen Auftritt und mehr Technik als der nicht mehr ganz taufrische Tesla. Der bringt dafür das Image der besten Stromer-Marke mit – aber wenn Hyundai so weiter macht, könnte sich das ändern.

Rubriklistenbild: © www.weigl.biz/Hyundai

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