- VonBenjamin Bauerschließen
Sieben von 25 Sonnencremes für Kinder enthalten einen verbotenen Weichmacher, wie „Öko-Test“ herausfand. Nun wurden auch Cremes für Erwachsene geprüft.
Kassel – Wer mit den Kleinen in den Urlaub gen Süden fährt, sollte stets darauf achten, dass die Kinderhaut immer mit Sonnencreme eingecremt ist. Dass längst nicht jeder Sonnenschutz dabei gänzlich unbedenklich ist, hat Öko-Test zuletzt gezeigt. Nachdem die Experten in Sonnencremes für Kinder verbotene Weichmacher entdeckt hatten, wurden nun auch Produkte für Erwachsene unter die Lupe genommen.
Verbotener Weichmacher in Sonnencreme: Können die Hersteller nicht anders?
Das Ergebnis: Acht von 19 getesteten Sonnencremes enthalten ebenfalls den Weichmacher Di-n-hexylphthalat (DnHexP), der von der EU als besonders besorgniserregend eingestuft wurde, weil er sich negativ auf die Fortpflanzungsfähigkeit auswirken kann. Als Inhaltsstoff in Kosmetika ist DnHexP in der Europäischen Union verboten, es kann aber bei der Herstellung des chemischen UV-Filters DHHB als Abfallprodukt entstehen.
Entsprechend melden einige Hersteller zurück, dass Verunreinigungen in den Sonnencremes „unvermeidbar“ seien, wie Öko-Test miteilt. Doch die Tester sagen klar: „Wenn Verunreinigungen des UV-Filters DHHB mit einem verbotenen Weichmacher wirklich ‚unvermeidbar‘ sind, wie manche Hersteller sagen, dann müssen sie sich nach Alternativen zu dem Filter umschauen,“ so Katja Tölle, stellvertretende Öko-Test-Chefredakteurin, dazu in einer Mitteilung von Öko-Test.
Öko-Test: DnHexP-Spuren in drei Sonnencreme-Produkten gefunden
Der höchste DnHexP-Gehalt stecke laut Laborbefund im „Sun Care Sonnen-Fluid SPF 30“ der Marke Annemarie Börlind Sun Care. Auch die „Bevola classic Sonnenmilch LSF 30“ von Kaufland und die „Today Sun Sonnenmilch LSF 30“ von Rewe (Dalli-Werke) enthielten DnHexP-Spuren. Die Rückstände hätten allerdings eine Größenordnung, bei der Öko-Test noch von Spuren spreche. Laut Öko-Test geht nach aktuellem Stand der Forschung keine gesundheitliche Gefährdung von DnHexP-Gehalten in der Menge, wie sie durch das Labor in den drei Sonnenschutzmitteln gefunden wurden, aus.
Aus Sicht von Öko-Test besteht kein Anlass für Panik: „UV-Strahlung ist und bleibt die Hauptursache für Hautkrebs, deshalb sollte man keinesfalls aus lauter Bedenken auf Sonnenschutz verzichten“, so Chefredakteurin Tölle.
Verbrauchern rät Öko-Test, auf der Verpackung die Inhaltsstoffe zu checken, ob das Produkt den UV-Filter DHHB enthält. Als Alternative könne man zu zertifizierter Naturkosmetik greifen, die die Anwendung chemischer UV-Filter ausschließt. Wer sich so gut vorbereitet und im Urlaub dann in die Sonne will, wird allerdings manchmal schwer enttäuscht, wenn der Strand plötzlich gesperrt ist. Da ist es gut zu wissen, welche Rechte man als Urlauber hat. (BeBau)