VonLaura Knopsschließen
Fettige und süße Lebensmittel scheinen die Gehirnaktivität nachhaltig zu verändern. Nach und nach wird es trainiert, Ungesundes zu bevorzugen.
Viele Menschen können zu Süßigkeiten wie Eiscreme und Schokolade, aber auch fettigen Lebensmitteln wie Chips und Pommes nur schwer Nein sagen. Warum wir so gerne zu fett- und zuckerreichen Nahrungsmitteln greifen, war lange unklar. Welcher Reiz von ungesunden Lebensmitteln ausgeht, haben daher Forscher des Max-Planck-Instituts für Stoffwechselforschung in Köln untersucht. Im Rahmen der Studie durften die Probanden jeden Tag zweimal Pudding essen – und das für acht Wochen lang. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Cell Metabolism“ veröffentlicht.
Zucker und Fett aktivieren bestimmte Hirnregionen
Rund 57 Teilnehmer und Teilnehmerinnen nahmen an dem achtwöchigen Experiment teil. In dieser Zeit verzehrten die Probanden täglich zweimal – zusätzlich zu den normalen Mahlzeiten – einen speziellen Pudding. Während die eine Gruppe der Teilnehmer einen fett- und zuckerreichen Pudding erhielt, gab es für die anderen einen Pudding mit gleicher Kalorienzahl, allerdings mit weniger Fett und Zucker. Über den gesamten Zeitraum hinweg untersuchten die Wissenschaftler dabei die Hirnaktivität der Probanden.
Das Ergebnis: Die Messungen der Hirnaktivität ergaben, dass die fett- und zuckerreiche Speise bestimmte Hirnregionen stärker aktiviert. Gleichzeitig nahm die Vorliebe für fettarme Speisen ab. Im Vordergrund stand dabei das sogenannte „dopaminerge System“, welches für Motivation und Belohnung zuständig ist. „Unsere Neigung zu fett- und zuckerreichen Lebensmitteln, der sogenannten westlichen Ernährung, könnte angeboren sein oder sich als Folge von Übergewicht entwickeln. Wir denken aber, dass das Gehirn diese Vorliebe erlernt“, schlussfolgert Autorin Sharmili Edwin Thanarajah.
Snacks verändern die Geschmacksvorlieben
Neben der angeborenen Vorliebe für fett- und zuckerreiche Nahrungsmittel spielen also auch Gewohnheiten eine entscheidende Rolle. So scheint sich das Gehirn den Forschern zufolge durch den Konsum von Pommes und Schokolade neu zu verdrahten. Nach und nach lernt das Gehirn unterbewusst belohnendes Essen zu bevorzugen. Diese neu geknüpften und erlernten Verbindungen lassen sich dann allerdings nur schwer wieder auflösen.
Obwohl die Studienergebnisse vielversprechend sind, handelt es sich bei dem Experiment nur um eine kleine Studie. Die Wissenschaftler weisen daher darauf hin, dass Studien mit mehr Teilnehmerzahlen die Erkenntnisse erst noch bestätigen müssen.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.
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