Der große Überblick

Zahlreiche Führerschein-Änderungen – Neue Regelungen für Autofahrer

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Die EU plant eine neue Führerscheinrichtlinie. Beinahe alle Autofahrenden wären von den Änderungen betroffen. Was kommt auf die Fahrenden künftig alles zu? Wir haben den Überblick für Sie.

München ‒ Vom digitalen Führerschein mit QR-Code, dem EU-weiten Führerschein für Jugendliche ab 17 Jahren bis hin zum Gesundheitscheck von Senioren ab 70 Jahren, die 4. Führerscheinrichtlinie der EU hat es in sich. Noch ist nichts konkret vom EU-Parlament in Brüssel beschlossen, doch die EU steht in den Startlöchern.

Welche Änderungen dann auf die Fahrenden hierzulande zukommen, haben wir uns für Sie einmal angeschaut. Betroffen sind vor allem viele Autofahrer und Führerschein-Prüflinge. Die verschärften Regelungen sollen vor allem der Verkehrssicherheit dienen.

Schrittweise sollen die Funktionen des digitalen Führerscheins nun weiter ausgebaut werden - bis hin zur vollwertigen Gleichstellung mit dem klassischen Kartenführerschein.

Das sind die geplanten Führerschein-Änderungen in diesem Jahr:

  • Autofahrer mit Führerschein Klasse B dürfen künftig den 4,25 Tonner fahren
  • Grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Behörden bei Verkehrsdelikten
  • Die Anerkennung von B196 gilt auch im Ausland
  • Der digitale Führerschein mit QR-Code kommt
  • Fahrschüler sollen während der Ausbildung mehr über klimaschonendes Fahren lernen - Verschärfte Regeln für Fahranfänger zwecks Unfallprävention - Fahrschüler sollen in allen EU-Mitgliedstaaten die Fahrprüfung ablegen können - außerdem sollen Jugendliche ab 17 Jahren bereits ihren Führerschein machen dürfen
  • Führerscheinentzug: EU-weite Anerkennung
  • Für Rentner ab 70 Jahren ist der Führerschein nur noch für fünf Jahre gültig, außerdem soll die Fahrtauglichkeit überprüft werden

    Lkw- und Bus-Klasse (C, D): Mindestalter wird auf 18 gesenkt

Zahlreiche Führerschein-Änderungen: Höhere Gewichtsgrenze bei Klasse B

Nach dem Erwerb eines Pkw-Führerscheins der Klasse B soll es nach dem Willen der EU künftig möglich sein, hinter dem Lenkrad von Fahrzeugen bis 4,25 Tonnen Gesamtmasse sitzen zu dürfen - sofern es sich um emissionsfreie Fahrzeuge handelt. Grund dafür ist, so die Kommission, dass batteriebetriebene Autos schwerer seien. In Deutschland liegt die Gewichtsgrenze für die Klasse B aktuell bei 3,5 Tonnen.

2019 blieben laut Autobild.de rund 40 Prozent der grenzüberschreitenden Verkehrsdelikte in der EU ungestraft, weil Täter nicht ermittelt oder Zahlungen nicht vollstreckt wurden. Damit soll Schluss sein. So soll die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Behörden erleichtert werden, Strafverfolgungsbehörden sollen Zugang zu nationalen Führerscheinregistern erhalten, die Rolle der bestehenden nationalen Kontaktstellen soll gestärkt werden. Die EU-Kommission schlägt vor, den derzeitigen Geltungsbereich der Vorschriften auf zu dichtes Auffahren, gefährliche Überholmanöver oder das Nichtbilden einer Rettungsgasse auszuweiten. Verursacher von besonders schweren Delikten - wie etwa Fahren unter Drogeneinfluss oder Unfälle mit Todesfolge - sollen ihren Führerschein nicht nur in einem Land verlieren, sondern in der gesamten EU. 

Außerdem soll laut dem ADAC-Verkehrsclub auch die Fahrerlaubnis B 196 im Ausland anerkannt werden. Wer seinen Pkw-Führerschein auf diese Klasse erweitert, darf Leichtkrafträder bis 125 Zentimeter fahren. Allerdings bislang nur in Deutschland. Mit der Änderung wäre dies auch EU-weit möglich.

Zahlreiche Führerschein-Änderungen: Digitaler Führerschein erspart Behördengänge - Viele Neuerungen für Fahrschüler bei der Ausbildung

Der Führerschein soll ab 2023 digital werden. Bei einer Polizeikontrolle oder bei der Autovermietung reicht es dann aus, die entsprechende App auf dem Smartphone vorzuzeigen. Für die Führerscheinscheckkarte ist außerdem ein QR-Code anstelle des heutigen Chips angedacht, um ihn fälschungssicherer zu machen. Zudem erhofft sich die EU durch die Digitalisierung der Führerscheine, dass vieles für die Fahrenden bei Umtausch oder Verlust des Lappens einfacher wird. Alles könnte dann online abgewickelt werden, lästige Amtsgänge wären somit abgeschafft.

Neun Mikro-Elektroautos, die perfekt für die Stadt sind

Opel Rocks-e
Opel Rocks-e: Mancher dürfte sich fragen, ob das überhaupt noch ein vollwertiges Auto ist. Gesetzlich ist er es wie alle Kleinstwagen nicht. Wer ihn fahren will, benötigt lediglich die Führerscheinklasse AM. Somit kann er schon ab 15 Jahren bewegt werden. Der Elektromotor leistet 8 PS und beschleunigt den Mini-Stromer auf 45 km/h. Mehr geht nicht. Die 5,5-kWh-Batterie reicht für eine Reichweite von 75 Kilometern. Danach muss der 2,41 Meter lange Opel Rocks-e für rund vier Stunden an die Steckdose. Kostenpunkt: rund 8.000 Euro © Opel
Renault Twizzy
Renault Twizy: Der kleine Franzose ist so etwas wie der Opa unter den Mikro-Elektroautos. Schon seit 2012 ist der Twizy in der Modellpalette von Renault zu finden. Mit 2,34 ist er etwas größer als Rocks-e und Ami. Statt nebeneinander nehmen die zwei Insassen hintereinander Platz. Seitenscheiben gibt es nur als Zubehör. Preislich geht es ab 11.450 Euro los. Wie die größere Version fahren will, benötigt jedoch einen richtigen Führerschein. Die Reichweite gibt Renault mit 90-100 Kilometern an. © Renault
City Transformer CT1
City Transformer CT1: Auch in Israel hat man die Mikro-Elektroautos für sich entdeckt. Der CT1 vom Start-up City Transformer macht seinem Namen dabei alle Ehre. Denn die Spurweite des Mini-Stromers lässt sich anpassen. Angetrieben wird er von zwei Elektromotoren an der Hinterachse. Das Start-up verspricht bis zu 180 Kilometer Reichweite und eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Wer den CT1 vorbestellt, zahlt 13.000 Euro, später soll er dann 16.000 Euro kosten. © City Transformer
Das Elektroauto e.GO Life
e.Go Life: Mit seinen 3,3 Metern ist der e.Go Life im Vergleich zu den andren Mini-Stromern fast schon ein Riese. Der 77 PS starke Elektromotor ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. In der Stadt soll er bis zu 206 km weit kommen. Kombiniert liegt die Reichweite bei 139 Kilometern. Wegen der Insolvenz von e.Go im Sommer 2020 wurde der Life zeitweise nicht gebaut. Dasd Geschäft wurde aber von der Next.E.Go Mobile SE übernommen. Mit dem e.wave X steht auch schon ein Life-Nachfolger bereit. © Marius Becker/dpa
Microlino 2.0.
Microlino 2.0: Von 1955 bis 1962 baute BMW das Leichtfahrzeug Isetta. Bis heute ist der Kleinstwagen Kult und feiert nun sein Comeback. Zumindest ähnelt der Microlino 2.0 der Isetta sehr. Angeboten wird der Mikro-Stromer in drei Batterieversionen mit 95, 175 und 230 km Reichweite. Der 20 PS starke Elektromotor beschleunigt das nur 450 Kilogramm schwere Mobil auf 90n km/h. Mit 14.990 Euro ist der Microlino jedoch nicht grade billig. © Arnulf Hettrich/Imago
Elaris Pio
Elaris Pio: Mit 2,81 Meter Länge bleibt dieser Elektro-Zwerg noch unter der Drei-Meter-Marke. In diesem Bereich verschwimmen die Grenzen zwischen Mikro-Auto und Pkw. In Sachen Antrieb befindet sich der Pio jedoch bei den Mikro-Stromern. Grade einmal 49 PS leistet der Elektromotor. Der Akku kommt auf 27 kWh und reicht für 225 Kilometer. Preislich liegt der Pio bei 21.900 Euro. © Elaris
FreZE Nikob EV
FreZE Nikob EV: In China ist der Elektro-Zwerg unter dem Namen Wuling Hongguang Mini EV bereits sehr erfolgreich. Damit das auch in Europa der Fall ist, brauchte es neben einem neuen Namen auch mehr Sicherheit und Energieeffizienz. Heißt: ESP, Airbags, neue Räder und eine LED-Beleuchtung. Angeboten wird das Nikob EV mit einer 13,8-kWh-LFP-Zelle mit 200 km Reichweite. Kosten soll das kleine Elektroauto 16.000 Euro. © Wulling
Elektrofrosch Bob Four
Elektrofrosch Bob Four: So ganz weiß man ja nicht, was dieses Gefährt sein möchte. Offiziell handelt es sich bei dem Elektrofrosch Bob Four um einen Kabinenroller. Entsprechend ist bei 45 km/h Schluss. Rund 100 Kilometer soll der Elektrofrosch kommen und das für grade einmal 8.990 Euro. Neben dem Bob Four hat Elektrofrosch noch weitere Mikromobile im Angebot.  © Elektrofrosch
Ari 802
ARI 802: Mit 2,22 fällt der Ari 802 sehr klein aus. Mit 643 Kilogram ist er zudem auch noch sehr leicht. Daher reichen 10 PS auch um den Kleinstwagen auf Tempo 80 zu bringen. In den Versionen 252 und 452 sind nur 25 beziehungsweise 45 km/h drin. Die Reichweite gibt Ari mit 120 bis 250 Kilometern an. Preislich schlägt der Ari 802 mit 10.990 Euro zu Buche.  © Ari

Wer künftig in die Fahrschule geht, soll mehr über die Auswirkungen des eigenen Fahrstils lernen und was das für die Fahrzeugemissionen bedeutet. Zudem werden die aktualisierten Prüfvorschriften auf das Fahren von emissionsfreien Fahrzeugen angepasst. Darüber hinaus sollen Fahrschüler für umsichtiges Verhalten im Straßenverkehr unter Berücksichtigung besonders gefährdeter Verkehrsteilnehmer wie E-Scooter oder E-Bikes sensibilisiert werden. Außerdem soll für Fahranfänger eine mindestens zweijährige Probezeit nach Bestehen der Führerscheinprüfung und null Toleranz bei Alkohol am Steuer beschlossen werden. Darüber hinaus soll das Führerschein-Alter in ganz Europa angepasst werden und begleitetes Fahren ab 17 erlaubt werden.

Änderung bei der Führerscheinprüfung: Vereinfachung der Wohnsitzregelung

Bislang ist es nicht möglich, theoretische und praktische Führerscheinprüfung in unterschiedlichen Mitgliedstaaten der Europäischen Union zu absolvieren. Um der zunehmenden Mobilität der Bevölkerung Rechnung zu tragen und sprachliche Barrieren zu überwinden, soll das künftig erlaubt sein. Der Entwurf der neuen Führerschein-Richtlinie enthält eine Vereinfachung der Wohnsitzregelung, sodass die Führerscheinprüfung künftig zum Beispiel auch in dem EU-Land, dessen Staatsangehörigkeit der Prüfling besitzt, abgelegt werden könnte.

Die Regelungen bezüglich der Entziehung, Einschränkung oder Aussetzung von Fahrerlaubnissen sollen künftig von den Mitgliedstaaten gegenseitig anerkannt werden.

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Zahlreiche Änderungen beim Führerschein: Senioren ab 70 zum Tauglichkeitstest

Eine völlige Neuerung könnte es für Autofahrende über 70 Jahren hierzulande geben. Sie sollen möglicherweise alle fünf Jahre ihre Fahrtauglichkeit überprüfen lassen. In einigen EU-Ländern ist das bereits Praxis. Nun soll die Verkehrstauglichkeitsüberprüfung laut ADAC in allen Mitgliedstaaten eingeführt werden. Ob das auch in Deutschland für Auto- und Motorradführerscheine umgesetzt wird und wie ein derartiger Check aussehen könnte, ist aber noch nicht geklärt.

Zu guter Letzt noch eine gute Nachricht: In Deutschland kann die Klasse C für Lkw momentan erst mit 21 Jahren, die Klasse D für Busse erst mit 24 Jahren erworben werden. Der Entwurf sieht laut ADAC die Möglichkeit einer Absenkung im Bereich der öffentlichen Sicherheit, wie zum Beispiel der Feuerwehr vor. Auch ein begleitetes Fahren im Rahmen des Lkw-Führerscheins (C17) solle künftig möglich sein.

Rubriklistenbild: © Christoph Dernbach/dpa

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