Hohe Mehrkosten

Gas-Krise: Wem bis zu 5000 Euro Aufschlag drohen - „Ruin für Millionen Mieter“

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Gas-Krise: Expertinnen und Experten befürchten eine „unglaubliche Belastung“.
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Die Energiekrise könnte viele Menschen in Deutschland treffen. Expertinnen und Experten befürchten eine „unglaubliche Belastung“.

Kassel - Ende Juni hatte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die Gas-Alarmstufe ausgerufen. Nur wenige Tage später warnte Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, vor drastischen Nachzahlungen als Folge einer möglichen Gasknappheit in Deutschland. Wegen des Ukraine-Konflikts könnten die Aufschläge bei Energiekosten schlimmer ausfallen als befürchtet.

Neue Berechnungen des Gesamtverbands der deutschen Wohnungswirtschaft (GdW) zeigen: Haushalte müssen für Energie in diesem Jahr bis zu 5000 Euro draufzahlen. Laut bild.de kommen auf Verbraucherinnen und Verbraucher unterschiedlich hohe Kosten zu:

  • 1-Personen-Haushalt: Die Kosten liegen bei bis zu 344 Euro/Monat (+229 Euro zum Vorjahr). Macht bis 2749 Euro Mehrkosten 2022.
  • 2-Personen-Haushalt: Pro Monat bis zu 476 Euro Energiekosten (+ 317 Euro). Macht aufs Jahr bis zu 3799 Euro mehr.
  • 3-Personen-Haushalt: Familien mit einem Kind drohen monatliche Energiekosten bis zu 579 Euro (+385 Euro). Macht aufs Jahr bis zu 4624 Euro mehr.
  • 4-Personen-Haushalt: Bis zu 635 Euro/Monat (+422 Euro). Mehrkosten 2022: bis zu 5074 Euro.

„Vor allen Haushalten in Deutschland liegt eine unglaubliche Belastung. Gerade Menschen mit geringen Einkommen, die mit solchen Nachzahlungen konfrontiert werden, können sich das nicht leisten“, sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko zu Bild. Mieterbund-Präsident Lukas Siebenkotten fürchtet sogar: „Das könnte nicht weniger als den Ruin für Millionen Mieter bedeuten.“ Daher fordert Siebenkotten von der Regierung Heizkostenzuschüsse für sozial schwache Mieter: „Geschieht dies nicht rasch, sind soziale Verwerfungen und Auseinandersetzungen zu befürchten.“

Hohe Nebenkosten: Sozialer Frieden in Gefahr?

Auch Verena Bentele, Chefin des Sozialverbands, sieht den sozialen Frieden in Deutschland ohne weitere Entlastungen für Verbraucherinnen und Verbraucher gefährdet: „Armen Rentnerinnen und Rentnern drohen Energiesperren, wenn sie ihre Rechnungen nicht begleichen können und im schlimmsten Fall der Verlust der Wohnung, weil die Heizkosten oft Bestandteil der Miete sind. Das muss unbedingt verhindert werden. Wir brauchen jetzt einen Kündigungsschutz für solche Härtefälle und Energiesperren müssen aufgesetzt werden“.

SPD-Fraktionsvize Verena Hubertz zeigt sich alarmiert und stellt neue Entlastungen der Ampelkoalition in Aussicht: „Wir kennen den Ernst der Lage. Und wir arbeiten mit Hochdruck an Lösungen“. Keine Mieterin und kein Mieter dürfe auf der Straße landen, weil die Nebenkosten explodieren. Daher plädiere auch Hubertz für einen Kündigungsstopp.

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte dagegen erst am Donnerstag im ZDF Erwartungen an neue Entlastungen gedämpft: „Wir werden nicht alle Preise runtersubventionieren können. Das kann kein Staat der Welt.“

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