Sechs Tage Arbeitsniederlegung

GDL-Streik in Rekordlänge: Nicht alle Bahnreisenden können das Ausmaß nachvollziehen

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Ganze sechs Tage bestreikt die GDL die Bahn. Bahnreisende reagieren unterschiedlich auf den Streik der Lokführergewerkschaft – die Kritik wächst.

Frankfurt – Auf ganze 136 Stunden Streik müssen sich Bahnreisende ab Mittwoch (24. Januar) einstellen. Noch nie hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) während der Amtszeit ihres Chefs Claus Weselsky zu einem so langen Arbeitskampf auf der Schiene aufgerufen. Der bisher längste GDL-Streik im Personenverkehr hatte 2015 für 127 Stunden weite Teile des Bahnverkehrs in Deutschland lahmgelegt.

Ab 24. Januar um 2.00 Uhr stehen Pendlerinnen und Pendlern sowie Wochenendausflüglern fast volle sechs Tage lang erhebliche Einschränkungen bevor. Gerichtlich dagegen vorgehen will die Deutsche Bahn (DB) – im Gegensatz zum ersten GDL-Streik in diesem Jahr – nicht. Anfang Januar war dieser Versuch in mehreren Instanzen gescheitert. GDL-Chef Weselsky fühlte sich dadurch bestätigt „Wir sind nicht gestoppt worden, weil unsere Streiks rechtmäßig, verhältnismäßig und zulässig sind“, sagte er am Montag (22. Januar) in Berlin. Doch sehen die Bahnreisenden das genauso?

Sechs Tage GDL-Streik ab Mittwoch (24. Januar): Viele Bahnreisende kritisieren Verhältnismäßigkeit

Die Stimmung ist durchaus gespalten. Die Reaktionen der User auf X (früher Twitter) nach der Verkündung des zweiten GDL-Streiks im noch jungen Jahr 2024 reichen von Kritik – die es auch von politischer Seite gab – über Verständnis bis hin zu Ablehnung der erneuten Arbeitsniederlegung. Ähnlich gespalten waren die Meinungen laut einer MDR-Umfrage auch beim ersten GDL-Streik des laufenden Jahres.

Der nächste GDL-Streik steht an. Für Bahnreisende drohen Zugausfälle und Verspätungen. (Symbolbild)

Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer auf X (ehemals Twitter) äußerten sich zum neuerlichen Bahnstreik. Viele von ihnen kritisieren insbesondere die aus ihrer Sicht fehlende Verhältnismäßigkeit des sechs Tage andauernden GDL-Streiks:

  • „Die GDL hat trotz vorliegendem Angebot seitens DB zu einem sechstägigen (!) Bahnstreik aufgerufen. Das Angebot kann sich durchaus sehen lassen, trotzdem wird eskaliert. Mit Arbeitskampf für bessere Konditionen hat das nichts mehr zu tun. Kein Verständnis, keine Solidarität.“
  • „Das nervt langsam, wir Fahrgäste leiden darunter und außerdem kriegen die Lokführer schon genug Geld und wollen weniger arbeiten. Wie soll das gehen?“
  • „Ich sag ja auch nicht, dass die Forderungen nicht verdient wären – sondern wirtschaftlich unrealistisch. Außerdem ist ein Streik, der sechs Tage dauert, einfach absurd. Und das im selben Monat, in dem ein vier-Tage-Streik stattgefunden hat.“
  • „Was Claus Weselsky (GDL) nun trotz eines erneuten fairen Entgegenkommens und Verhandlungsaufrufen der Deutschen Bahn veranstaltet, ist kein Arbeitskampf mehr, sondern purer Egoismus ohne jegliche Rücksicht auf Verluste. Auch Pro Bahn nennt das unzumutbar.“
  • „Würde ich regelmäßig streiken und an meinen Arbeitgeber unverhältnismäßige Forderungen stellen, hätte ich die längste Zeit einen Job gehabt. Wo ist bei den ständigen Bahnstreiks die Verhältnismäßigkeit?“

GDL streikt sechs Tage lang: Dennoch gibt es Verständnis unter Bahnreisenden

Trotz der längsten Dauer eines GDL-Streiks seit Beginn der Amtszeit von Gewerkschaftschef Weselsky haben einige Bahnreisende dennoch Verständnis für die Arbeitsniederlegung:

  • „Nach den Boni-Auszahlungen des DB-Bahn-Managements ist eigentlich fast jeder Streik der Mitarbeitenden zumindest nachvollziehbar.“
  • „Gegen ein Bahn-Management, das sich selbst für die katastrophalste Leistung noch fette Boni auszahlen lässt, werde ich immer auf Seiten der Belegschaft sein. Bahnstreik muss man dann halt auch mal in Kauf nehmen.“
  • „Die Forderungen sind weiterhin gerechtfertigt und es gibt weiterhin kein verhandlungsfähiges Angebot von der Bahn. Die Konsequenz lautet Streik und das ist richtig so!“
  • „Mein Mann streikt ab morgen für bessere Arbeitszeiten und Ruhezeiten am Stück, damit Familienleben auch mal stattfinden kann.“
  • „Der Streik trifft die Bürger, weil die Bahn kein gutes Angebot liefert. Ich finde es unfair, dass alleine den Bahnmitarbeitern zuzurechnen.“

Tarifstreit zwischen Bahn und GDL: Bahnreisende wünschen sich Rückkehr an den Verhandlungstisch

Eine Rückkehr an den Verhandlungstisch, um den Tarifstreit zwischen GDL und der Bahn endlich zu beenden, fordern mehrere Userinnen und User. Sie bestärken aber auch das grundsätzliche Recht auf Streik:

  • „Streik ist gut und richtig, aber wenn man wie GDL kein Interesse zeigt, sich zusammenzusetzen in großer Runde, ist das nicht mehr im Sinne von Streik, sondern auf dem Weg zur Erpressung.“
  • „Dass beispielsweise viel zu hohe Gehälter in der Verwaltung versickern, ist unstrittig. Die Bahn ist aber mit einem deutlich besseren Angebot auf die GDL zugegangen. Wieso ist die Antwort ein weiterer Streik, aber keine Verhandlungen? Man trifft sich in der Regel in der Mitte.“
  • „Ich verstehe, wie streiken funktioniert. Aber: Ich verstehe auch, wie Verhandlungen funktionieren. Und da finden offenbar KEINE Dialoge statt. Und DAFÜR hab ich kein Verständnis. Sechs Tage Streik stehen für mich in KEINEM Verhältnis mehr.“
  • „Beide Seiten stellen sich stur und keiner ist bereit, ernsthaft zu verhandeln. Aber ein Sechs-Tage-Streik ist einfach nicht zu rechtfertigen. Stell dir vor, Krankenhauspersonal, Pflegekräfte würden sowas machen.“

Bahnreisende, die von dem GDL-Streik betroffen sind, können von Ticketrechten Gebrauch machen. Im Falle eines Zugausfalls oder von Verspätungen gibt es dann Geld zurück. (kh)

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/Bodo Marks/dpa

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