Gefährliche Essstörung

Pica-Syndrom bei Katzen: Welches Verhalten ein Alarmsignal für Besitzer sein sollte

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Das Pica-Syndrom ist eine Essstörung bei Katzen. Knabbert das Tier regelmäßig an Plastik, Schnürsenkeln oder Katzenstreu sollten Besitzer schnell handeln.

Bei der Nahrungsaufnahme sind Katzen meist extrem vorsichtig. Jeder Besitzer weiß: Benötigte Medikamente unter das Fressen zu mogeln, ist nahezu unmöglich. Denn bevor sie etwas fressen, wird das Futter genau untersucht. Bei dem sogenannten Pica-Syndrom ist das anders: Die Katzen knabbern und lecken plötzlich unkontrolliert an ungenießbaren Gegenständen. Verschlucken die Tiere Plastik, Textilien oder Katzenstreu ist das mitunter lebensgefährlich.

Pica-Katzen schlucken Gegenstände hinunter – Folgen können lebensgefährlich sein

Beim Pica-Syndrom knabbern oder lecken Katzen unkontrolliert an Gegenständen. Dabei können sie Teile beispielsweise aus Plastik leicht verschlucken. (Symbolbild)

Der Begriff „Pica“ stammt vom lateinischen Namen für Elster ab. Im Sprachgebrauch sind „diebische Elstern“ dafür bekannt, dass sie verschiedene Gegenstände sammeln. Während die Vögel verschiedene Gegenstände nur horten, nagen Katzen alles an, was sie finden können. Denn die Erkrankung setzt ihren natürlichen Fressinstinkt außer Kraft.

In vielen Fällen schlucken sie die Gegenstände auch unkontrolliert hinunter – mit teils erheblichen gesundheitlichen Risiken. Denn Plastik, Textilien, Papier oder Sand können den empfindlichen Magen-Darm-Trakt der Tiere belasten oder sogar lebensbedrohlich verletzen. Die möglichen Folgen: Verdauungsstörungen, Darmverschluss oder Vergiftungen.

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Symptome: Auffällige Verhaltensweisen deuten auf die Krankheit hin

Das Pica-Syndrom kann bei allen Katzen auftreten. In Studien zeigte sich jedoch, dass bestimmte Katzenrassen häufiger von der Krankheit betroffen sind. Dazu zählen beispielsweise die Siamkatze und die Burmakatze. Zu den Symptomen des Pica-Syndroms gehören vor allem auffällige Verhaltensweisen, wie zum Beispiel:

  • Gezieltes Suchen und Verzehren ungenießbarer Materialien wie Wolle, Plastik, Papier, Gummi oder Metall
  • Zwanghaftes Kauen und Lutschen an Gegenständen
  • Wiederholtes Ablecken von Oberflächen (z. B. Wände, Böden, Möbel)
  • Abnormales Fress- und Trinkverhalten: Katze trinkt nicht mehr oder nimmt das normale Katzenfutter nicht mehr zu sich
  • Erbrechen, Durchfall, Verdauungsstörungen, Magenprobleme

Erbricht die Samtpfote Gegenstände oder Materialien, die nicht für den Verzehr geeignet sind, kann das ebenfalls ein Hinweis auf das Pica-Syndrom sein.

Stress, Mangelernährung und fehlende Sozialisierung: vielfältige Ursachen

Wer bei seiner Katze eine oder mehrere auffällige Verhaltensweisen bemerkt, sollte schnell reagieren und den Vierbeiner beim Tierarzt vorstellen – ein wichtiger Schritt, um die Ursache des gestörten Fressverhaltens herauszufinden. Obwohl die genauen Ursachen bis heute unklar sind, gelten folgende Faktoren als mögliche Auslöser:

  • Stress
  • Mangelernährung
  • Fehlende Sozialisierung: Kitten, die zu früh von der Mutter und den Geschwistern getrennt wurden
  • Einsamkeit und Langeweile
  • Blutarmut
  • Leber- und Nierenschäden
  • Genetische Veranlagung

Zehn No-Gos von Katzen: auf dem Arm getragen werden, laute Geräusche & Co.

Eine schlafende Katze.
Auch wenn sie dabei besonders niedlich und hübsch aussehen, hassen es Katzen, beim Schlafen gestört zu werden. Sie benötigen täglich ausreichend Schlaf, um mit ihrer Energie zu haushalten sowie zur Kontrolle des Stoffwechsels. Genauso wenig schätzen die Stubentiger es im Übrigen, wenn man sie beim Fressen stört. © VWPics/Imago
Eine Katze – man sieht nur ihre Beine – sitzt vor zwei aufeinandergestapelten Mandarinen.
Katzen haben ein feines Näschen und können manche beißenden oder stechenden Gerüche nicht ausstehen. Dazu gehören ätherische Öle, der Geruch bestimmter Lebensmittel oder manche Küchendüfte. Zitrusaromen, Kaffeesatz, Bananenschalen, Zwiebeln, Knoblauch und Essig schlagen manche Katzen direkt in die Flucht. Auch einige Zimmerpflanzen, Blumen oder die ätherischen Düfte von Tannennadeln empfinden Katzen als extrem unangenehm. Der Vorteil: Die meisten der verhassten Pflanzen könnten bei Verzehr giftig sein. Menschengemachte Gerüche wie Haushaltsreiniger und Parfums sind für Katzen überwiegend zu stark und werden daher als störend empfunden. © Pond5 Images/Imago
Ein Babykätzchen versteckt sich.
Neben ihrem feinen Näschen besitzen Katzen auch ein extrem empfindliches Gehör. Damit reagieren sie auf Veränderungen in ihrer Umgebung. Wird es um sie herum plötzlich laut, können sie nicht zuordnen, weshalb das passiert. Aus diesem Grund ertragen sie keine lauten Geräusche – sogar Streit kann für sie zur Belastung werden. © Panthermedia/Imago
Eine Katze kuschelt sich an eine Frau, die gerade Yoga macht.
Streicheln, kuscheln, anfassen – für Katzen ist das nicht immer ein Genuss. Erfahrene Katzenbesitzer wissen, dass die Stubentiger hin und wieder empfindlich auf Berührungen reagieren können. Lassen Sie die Mieze ihre eigenen Regeln machen und warten Sie am besten darauf, dass sie zu Ihnen kommt. Streicht sie um Ihre Beine oder stupst Sie mit dem Näschen an, möchte sie gestreichelt werden. © Zoonar/Imago
Eine Katze sitzt vor einer geschlossenen Holztüre.
Katzen mögen keine Frustration. Dazu gehören nicht nur verschlossene Türen, sondern auch Spiele, bei denen sie nicht gewinnen können. Bleibt die Belohnung aus oder wird der Jagdtrieb nicht befriedigt, ist es mit der guten Laune vorbei. Verschlossene Türen hingegen widersprechen der neugierigen Natur von Katzen. Hören sie dann auch noch Geräusche dahinter, wie beispielsweise von ihren Besitzern, kann der Katzenjammer schnell groß werden. © Danita Delimont/Imago
Ein Katzenbaby und ein Entenbaby beschnuppern sich.
Die meisten Katzenbesitzer meinen es gut, wenn sie ihren Tieren tief in die Augen blicken. Was sie dabei nicht wissen, ist, dass Katzen das Angestarrt werden als Bedrohung wahrnehmen. Aus Sicht einer Katze ist es höflich, sie nur kurz anzuschauen. Geheimtipp: Möchten Sie Ihrem Liebling sagen, dass Sie ihn lieben, blinzeln Sie ihn langsam, aber kurz an. © Image Source/Imago
Zwei schwarze Katzen beäugen einen Saugroboter misstrauisch.
Katzen können Staubsauger nicht ausstehen. Sie empfinden ihn nicht nur als zu laut, sondern auch als unberechenbar. Kein Wunder: Er bewegt sich durch das ganze Haus und damit, ohne zu fragen, durch ihr Revier. Er reinigt ihre Lieblingsplätze, aus ihrer Sicht, ohne Grund. Nur wirklich gelassene Artgenossen ertragen den saugenden Mitbewohner. © Westend61/Imago
Eine Katze sitzt mit großen Augen auf einem Menschenarm.
Eine Sache, die fast alle Katzenbesitzer tun, die jedoch für die meisten Katzen ein Graus ist: Die geliebten Haustiere hochheben und sie auf dem Arm tragen. Die gelassenen Exemplare lassen die Tortur über sich ergehen, viele wehren sich jedoch vehement dagegen. Der Grund ist eigentlich offensichtlich. Oftmals werden Katzen in dieser Position dazu gezwungen, ihren empfindlichen Bauch zu präsentieren. Sie sind dann verletzlich und empfinden das Getragen werden als unangenehm. © blickwinkel/Imago
Einer Katze wird ein Duschkopf über ihren Kopf gehalten.
Es stimmt, dass viele Katzen wasserscheu sind. Baden ist für diese Tiere aber nicht nur eine reine Qual, sondern in den meisten Fällen auch unnötig. Genauso verhält es sich, wenn ein verärgerter Nachbar den Wasserschlauch auf die Stubentiger hält. Allerdings ist es möglich, junge Kätzchen frühzeitig an Wasser zu gewöhnen. Ob Baden dann notwendig ist, sollten sich Katzenhalter dennoch gut überlegen, denn für gewöhnlich halten sich die Tiere selbst am besten sauber. In Ausnahmefällen wie Verletzungen oder Alterserscheinungen kann ein Bad jedoch eine sinnvolle Ausnahme darstellen. © YAY Images/Imago
Eine Katze leckt ihre Pfoten mit der Zunge.
Katzen sind sehr reinlich und mögen es auch in ihrer Umgebung am liebsten sauber und gepflegt. Altes Futter oder ein schmutziges Katzenklo können die Samtpfoten daher gar nicht leiden. Taucht in der Katzentoilette also ein Häufchen auf, entfernen Sie es besser und stellen damit sicher, dass Ihre Katze auch beim nächsten Bedürfnis ihr Klo und keinen anderen Ort in der Wohnung wählt. © YAY Images/Imago

Behandlung des Pica-Syndroms: unterschiedliche Therapieansätze helfen den Katzen

Um die Gesundheitsprobleme zu minimieren, sollten Besitzer die betreffenden Gegenstände in der Wohnung zunächst außer Reichweite bringen. Für eine langfristige Verbesserung ist allerdings eine abgestimmte Therapie erforderlich. Je nach Ursache der Krankheit gibt es unterschiedliche Ansätze. Bei einer Mangelernährung beispielsweise ist eine Futterumstellung oder eine Anpassung der Futtermenge ratsam. Bei anderen körperlichen Problemen sind oft Medikamente für Katzen notwendig. Diese können auch Stress oder Angstzustände der Tiere lindern, sollten jedoch nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt verabreicht werden. Häufig sind außerdem Anpassungen der Umgebung notwendig, um den Katzen ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten.

Damit das Pica-Syndrom erst gar nicht auftritt, können Besitzer vorbeugende Maßnahmen ergreifen, um das Wohlbefinden der Katze zu fördern. Dazu gehören eine frühe Sozialisierung, Reduktion von Stress, regelmäßige Untersuchungen beim Tierarzt und ein abwechslungsreiches Umfeld mit ausgewähltem Katzenspielzeug.

Rubriklistenbild: © Wassilis Aswestopoulos/Imago

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