Kerzen sind in Herbst und Winter beliebt. Ein Experte rät jedoch, beim Kauf genau auf die Inhaltsstoffe zu achten. Vor allem Allergiker sollten aufpassen.
Endlich Zeit für Kerzenschimmer. Gerade in der kalten Jahreszeit boomt die Nachfrage nach Kerzen. Doch was viele nicht wissen: die meisten Stumpen oder Stangen bestehen nicht aus Wachs, sondern aus alten Fetten oder Resten der Mineralölproduktion. Sie können Schad- und Giftstoffe enthalten. Dr. Jürgen Steinert von Öko-Test erklärt, worauf es ankommt.
Für Laien oft kaum möglich zu erkennen, woraus eine Kerze besteht
Wer an echten Bienenwachskerzen reibt, bemerkt den typischen Duft. Aber nur noch ein sehr kleiner Anteil wird aus echtem Wachs gezogen oder gegossen. Und weil bei allen anderen Kerzen der Dufttest nicht funktioniert, ist es für Laien fast nicht möglich zu erkennen, woraus eine Kerze besteht:
„Es gibt keine Deklarationspflicht“, so Dr. Jürgen Steinert, Tester bei Öko-Test: „Die meisten Kerzen im Handel bestehen aus Paraffin oder Stearin.“ Beides bringe Probleme mit sich: „Paraffin ist ein Produkt der Erdölindustrie. Stearin besteht oft aus Palmöl, was massive ökologische Probleme verursacht, weil es in riesigen Monokulturen angebaut wird.“
Die meisten Kerzen sind aus Paraffin oder Stearin
Wenn auf der Verpackung nicht steht, welcher Rohstoff verwendet wurde, könne man davon ausgehen, dass es sich um Paraffin oder Stearin handelt: „Einfach, weil es die günstigsten Rohstoffe sind“, so Steinert.
Echte Bienenwachskerzen sind zwar eine gute Alternative, in der Herstellung aber deutlich aufwendiger und daher auch deutlich teurer. Doch auch hier ist genaues Lesen der Verpackung gefragt: „Viele Bienenwachskerzen kommen inzwischen aus China, was sich negativ auf die Ökobilanz auswirkt.“
Steinert rät zu ökologischen Alternativen wie Kerzen aus Rapswachs, die „es häufig aus Deutschland oder aus Biomasse gibt. Letzteres bedeutet, dass Fette und Öle verarbeitet werden, die bei der Nahrungsmittelproduktion anfallen, was sehr nachhaltig ist.“
Allergiker sollten Kerzen mit Duft- oder Farbstoffen genau auswählen
Das Abbrennen der Kerzen entzieht der Raumluft Sauerstoff, daher ist regelmäßiges Lüften wichtig. Allerdings sollte es nicht zu Zugluft kommen, dann entsteht Ruß, der gesundheitsschädlich ist. Der Docht sollte nicht zu lang sein, im Zweifelsfall wird er auf einen Zentimeter gekürzt, damit er rußfrei brennt.
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Wer zu Allergien neigt, sollte auf Duftkerzen mit ätherischen Ölen verzichten und bei der Farbe zurückhaltend sein. „Viele schädliche Stoffe gelangen über Farben, Lacke und Duftstoffe in die Kerzen“, so Steinert: Mit weißen Kerzen sei man gesundheitlich auf der sicheren Seite!
Denn trotz aller Bedenken, Kerzenlicht ist einfach schön und die künstlichen Versionen ebenfalls nicht empfehlenswert: „Diese enthalten Batterien oder Knopfzellen, also wertvolle Rohstoffe und sind damit keine ökologische Alternative.“