Vorsorge gegen Hautkrebs gelingt immer besser dank künstlicher Intelligenz, erklärt Prof. Dr. Hjalmar Kurzen. Dennoch wird immer auch ein erfahrener Dermatologe für eine genaue Diagnose gebraucht, sagt der TU-Professor aus München.
Die Früherkennung von Melanomen kann Leben retten. Mit dem Aufkommen neuer Technologien spielt Künstliche Intelligenz (KI) eine immer wichtiger werdende Rolle in der Dermatologie, insbesondere in der Früherkennung von Hautkrebs. Hier erklärt Hautarzt Prof. Hjalmar Kurzen, welche Vorteile KI-Systeme bei der Erkennung von Melanomen bieten.
Künstliche Intelligenz ist aus der Medizin nicht mehr wegzudenken. In der Dermatologie wird KI häufig zur Analyse von Hautbildern und zur Diagnose von Hauterkrankungen eingesetzt. Denn Computer haben die Fähigkeit, Muster zu erkennen und dies auch immer weiter zu verbessern.
KI-Systeme trainieren mit tausenden von Bildern. Dadurch, dass sie so viele Bilder analysiert haben, können diese Systeme zwischen malignen (bösartigen) und benignen (gutartigen) Veränderungen unterscheiden. Die KI-Modelle können dem menschlichen Auge sogar überlegen sein, sagt Prof. Hjalmar Kurzen, der in Freising das Haut- und Laserzentrum führt und an der Klinik am Biederstein der Technischen Universität München lehrt. „Die Computer können mit Techniken des maschinellen Lernens, insbesondere des sogenannten Deep-Learnings, KI-Modelle entwickeln, um auch komplexe Muster zu erkennen, die für das menschliche Auge schwer zu erfassen sind.“
Prof. Kurzen erklärt weiter: „Die KI-gestützte Dermatoskopie nutzt spezielle Kameras, um hochauflösende Bilder von Hautläsionen aufzunehmen.“ Die KI analysiere diese Bilder und gebe Empfehlungen zur Beurteilung ab. Die KI-Systeme wenden die ABCDE-Regel zur Erkennung von Hautkrebs (Asymmetrie, Begrenzung, Farbe, Durchmesser, Erhabenheit) automatisch an.
Viele dermatologische Praxen integrieren KI-Werkzeuge, um die Ärzte zu unterstützen und die Genauigkeit der Diagnosen zu erhöhen. KI-Systeme erreichen genaue Diagnosen mit einer Sensitivität und Spezifität, die oft mit der von erfahrenen Dermatologen vergleichbar sind, so Prof. Kurzen. Ein weiterer Vorteil ist die Schnelligkeit, mit der die KI Hautbilder analysiert.
Hautkrebs frühzeitig erkennen: Achten Sie auf erste Anzeichen der Erkrankung
Zudem können KI-Systeme durch neue Daten kontinuierlich verbessert werden. Aber hier liegt auch ein Kritikpunkt: Die Genauigkeit von KI-Systemen hängt stark von der Qualität der Trainingsdaten ab. Ungenaue oder nicht repräsentative Daten können zu falschen Diagnosen führen, warnt Prof. Kurzen. Er stellt klar: „Verschiedene Firmen bieten qualitativ sehr hochwertige Systeme an, mit deren Hilfe 100 Prozent sichergestellt werden kann, dass kein einziges Melanom übersehen wird und unnötige OPs vermieden werden. Doch bleibt der Dermatologe mit seiner Erfahrung unerlässlich, um einen Patienten genau beurteilen zu können.“
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.