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Heizen mit Infrarot: Alternative oder Geldverschwendung?

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Aufgrund der Preissteigerungen für Strom und Heizen machen sich Verbraucher Gedanken um preisgünstige Alternativen. Zählen dazu Infrarotheizungen?

Kassel – Durch den andauernden Ukraine-Krieg und die damit einhergehende Preissteigerung für Strom und Heizen machen sich viele Verbraucher Gedanken darüber, wie sich beim Heizen Energie und Geld einsparen lassen. Auch eine Umrüstung auf eine preisgünstige Alternative ist denkbar, zu ihnen könnte eine Infrarotheizung zählen.

Ein Unterschied zu anderen Heizsystemen liegt in der Funktionsweise der Infrarotheizung. Sie nutzt elektromagnetische Wellen, um Gegenstände in ihrer Umgebung zu erwärmen. Genau wie die Sonne strahlt sie Energie gleichmäßig ab. Statt die Raumluft zu erwärmen, treffen die Strahlen auf Oberflächen, die sich dadurch selbst aufheizen, erklärt das Portal heizung.de.

Die Infrarotheizung ist eine Stromdirektheizung „Strom wird direkt in Wärme umgewandelt“, erklärte Martin Steinestel von der Verbraucherzentrale NRW gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dabei können die Heizkörper an einer Wand montiert werden, bevor sie mittels Steckdose an den Strom angeschlossen werden. Die Anschaffungskosten für eine Infrarotheizung liegen laut Stiftung Warentest bei einigen Hundert Euro, bei einer breiten Leistungspalette zwischen 200 und 2000 Watt, je nach Modell.

Zum Vergleich: Bei einer neuen Gasheizung müssen Sie laut dem Sanierungsportal effizienhaus-online.de zwischen 1800 und 2800 Euro für das Gerät kalkulieren – ohne Zusatzkosten für die Installation.

Aus Angst vor exzessiven Energiekosten, werden viele Menschen diesen Winter mit Bedacht heizen

Welche Vorteile hat das Heizen mit Infrarot?

Zu den Vorteilen von Infrarotheizungen zählt zunächst die Flexibilität. Im Gegensatz zur Zentralheizung, die mit beispielsweise mit Öl, Gas, oder Pellets betrieben wird, können die tragbaren Heizkörper zielgenau dort eingesetzt werden, wo sie einen Raum beheizen sollen. Auch im Falle eines Ausfalls der Zentralheizung, beispielsweise durch einen Gas-Engpass, könnte dieser mit Infrarotheizkörper überall dort kompensiert werden, wo Strom fließt. Zu den weiteren Vorteilen zählen:

  • Niedrigere Raumtemperaturen: Da der Mensch die Wärmestrahlung der Infrarotheizung direkt im Körper empfindet und speichert, könnten geringere Raumtemperaturen ausreichen, um diese als angenehm zu empfinden. 
  • Gesundes Raumklima: Strahlungswärme erhitzt Körper, wohingegen herkömmliche Heizkörper die Wärme über die Luft übertragen. Die Strahlungswärme besitzt den Vorteil, dass bei ihr eine starke Luftverwirbelung ausbleibt. So entsteht eine gleichmäßige Wärmeverteilung und ein angenehmes Raumklima.
  • Heizkosten je nach Bedarf: In gut gedämmten Niedrigenergiehäusern oder zur Unterstützung in der Übergangszeit sowie in wenig genutzten Räumen, ist der Einsatz einer Infrarotheizung bei moderatem Gebrauch preisgünstig.
  • Quelle: heizsparer.de

Heizen mit Infrarot – Strom aktuell immer noch teurer als Gas

Aufgrund des hohen Strompreises kommen Infrarotheizungen als vollwertige Alternative aus Kostengründen jedoch nicht in Betracht. Wie eine Beispielrechnung von Stiftung Warentest zeigt, wäre auch bei weiter steigenden Gas-Preisen kein finanzieller Vorteil auszumachen.

So wäre eine für 100 Quadrat­meter-Wohnung, die nur per Infrarothei­zungen gewärmt wird, eine 8000 Watt Leistung erforderlich. Daraus ergeben sich von vorneherein Anschaffungskosten für mehrere Körper. Lässt man die Geräte in der kalten Jahreshälfte täglich rund acht Stunden laufen, kämen 11.680 Kilowatt­stunden im Jahr zusammen für knapp 4000 Euro – ausgehend von einem Kilowattstundenpreis von 34 Cent. Dieser stieg bei vielen Anbietern bereits auf 40 Cent, wobei weitere Erhöhungen nicht auszuschließen sind.

Zum Vergleich: Gaskunden, die aktuell noch 10 Cent pro Kilowatt­stunde zahlen, und denen ein Preisanstieg auf 25 Cent pro Kilowattstunde droht, würden in einer Wohnung über 100 Quadrat­metern bei Nutzung einer Gasheizung schätzungsweise 16.000 Kilowatt­stunden im Jahr verbrauchen. So entstünden Heizkosten von 4000 Euro.

Infrarot zum Heizen? Sinnhaftigkeit einer Anschaffung liegt am Heizverhalten und Zustand der Wohnung

Die Frage über die generelle Sinnhaftigkeit einer Infrarotheizung lässt sich somit nicht pauschal beantworten. Als kostengünstig könnte sie sich tatsächlich erweisen, wenn das eigene Kälteempfinden robuster ausfällt und zudem in gut isolierten Räumlichkeiten haust. Dazu punktet die Heizung mit Flexibilität und einfacher Montage, sowie einfacher Nutzung.

Als Kostenfalle könnte sich die Infrarotheizung herausstellen, wenn diese als alleinige Alternative zur Zentralheizung genutzt werden soll. Ein erhöhter Stromverbrauch kann zudem je nach Quelle für die Stromgewinnung die Umwelt durch mehr CO₂-Produktion belasten. Um die Energiekosten weiter in Zaum zuhalten und trotzdem eine warme Wohnung zu haben, ohne zu heizen, empfehlen sich darüber hinaus die folgenden Tipps. (nki)

Rubriklistenbild: © Thomas Trutschel/Imago

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