Kardiophobie

Ohne Grund Angst vor plötzlichem Herztod? Kardiologe gibt Tipps, was gegen „Herzangst“ hilft

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Ängste sind menschlich und bis zu einem gewissen Grad normal. Doch ausgeprägte „Herzangst“ kann den Alltag immens beeinträchtigen. Ein Kardiologe erklärt, wie Sie Ihrer Phobie begegnen können.

Das Gefühl der Angst beschützt uns davor, in gefährliche Situationen zu geraten. So meiden es die meisten aus Angst, nachts alleine durch dunkle Gassen zu schlendern. Auch Angst vor Spinnen kann in Ländern mit giftigen Arten lebensrettend sein. Doch Ängste haben auch ihre Schattenseiten. So können sie krankhaft werden und so enormen Leidensdruck bei den Betroffenen verursachen.

Bei Ängsten, die Ihr Leben negativ beeinflussen, sollten Sie einen Mediziner oder Psychologen aufsuchen. Eine Angststörung könnte dahinter stecken. Angststörungen gehören in Deutschland zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Rund 15 Prozent der Bevölkerung ist betroffen, so die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie,
Psychosomatik und Nervenheilkunde.

Auch die eigene Gesundheit kann krankhaft ausgeprägte Ängste verursachen. Mediziner sprechen dann von „Herzangst“ oder auch „Kardiophobie“, wenn Menschen Angst vor Herzkrankheiten haben, auch wenn dafür kein objektiv nachvollziehbarer Grund zu finden ist.

Junger Mann hat Angst vor Herzkrankheit: Professor vermutet Herzangst

Sorgen lassen sich oftmals nicht einfach abstellen. Auch die eigene Gesundheit kann Auslöser von Sorge um Kummer sein.

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Nicht wenige Betroffene von Herzangst suchen Rat im Internet. Die Experten der Deutsche Herzstiftung beantworten in ihrer Sprechstunde alle Fragen rund um die Herzgesundheit. Auch ein junger Mann hat sich hier eine Meinung eingeholt: „Ich bin 18 Jahre alt und habe Sorge, einen „plötzlichen Herztod“ zu erleiden. Mein Ruhepuls im Sitzen ist zurzeit immer zwischen 90 und 100 pro Minute, im Liegen zwischen 60 und 80 pro Minute. Bei der kleinsten Anstrengung, zum Beispiel Treppenhochlaufen, rast mein Herz richtig mit 120 bis 130 Schlägen pro Minute. (...) Kürzlich war ich bei einem Kardiologen. Herzecho, Belastungs- sowie Langzeit-EKG waren ohne Befund. Kann mir was passieren? Ich habe Angst und Sorge, dass mein Herz stehen bleibt. Ist der hohe Puls gefährlich?“, wird der junge Mann auf den Seiten der Deutschen Herzstiftung zitiert.

Professor Herbert E. Ulmer, stellvertretender Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung, vermutet eine vorliegende Herzangst. Der Mediziner im Ruhestand, der 18 Jahre lang Ärztlicher Direktor des Zentrums für herzkranke Kinder in Heidelberg war, antwortete dem verunsicherten 18-Jährigen: „Heute leiden nicht wenige Menschen unter der Sorge, unerkannte, bedeutsame Probleme mit dem Herzen zu haben beziehungsweise zu bekommen, auch wenn sich dafür kein objektiv nachvollziehbarer Grund finden lässt. Dies wird als „Herzangst“ beziehungsweise „Kardiophobie“ bezeichnet. (...) Für Hilfe in derartigen Situationen sind weniger Kardiologen als sogenannte psychosomatisch orientierte Ärztinnen und Ärzte zuständig“.

Vorsicht: So erkennen Sie sofort einen Herzinfarkt

Wer einen Herzinfarkt erleidet, verspürt starke, langanhaltende Schmerzen im Brust- und Herzbereich. Doch auch andere Körperregionen wie Arme und Oberbauch können betroffen sein. Meist strahlt der Schmerz von der Brust in die Extremitäten, zwischen die Schulterblätter bis in den Rücken oder in den Hals und Kiefer.
Wer einen Herzinfarkt erleidet, verspürt oft starke, langanhaltende Schmerzen im Brust- und Herzbereich. Meist strahlt der Schmerz von der Brust in die Extremitäten, zwischen die Schulterblätter bis in den Rücken oder in den Hals und Kiefer. © dpa
Mann fasst sich an Arm
Auch Schmerzen im Arm können auf einen Herzinfarkt hinweisen.  © AntonioGuillem/Imago
Frau fasst sich an Bauch
Doch auch in anderen Körperregionen wie dem Oberbauch können sich bei einem Herzinfarkt Schmerzen auftun.  © Iordache Magdalena/Imago
Frau fasst sich an Rücken
Der Schmerz im Brustbereich kann bei einem Herzinfarkt bis in den Rücken ausstrahlen.  © ArtmannWitte/Imago
Junge attraktive Frau fasst sich mit den Händen an den Rücken
Zu den starken Schmerzen kommt häufig noch ein heftiger Druck oder ein sehr starkes Engegefühl im Brust- und Herzbereich hinzu. Viele Betroffenen haben dann das Gefühl, dass ihnen die Luft abgeschnürt wird und ihnen ein Elefant auf der Brust steht. © Imago
Mann hat Schmerzen in der Brust
Neben den stechenden Schmerzen und der Brustenge verspüren manche Betroffene ein stark brennendes Gefühl, das nicht aufhören will. © Imago
Einer Frau ist übel
Auch wenn es erst auf etwas anderes hindeuten kann: Übelkeit und Erbrechen können ebenfalls darauf hindeuten, dass Sie gerade einen Herzinfarkt erleiden. Die sogenannten „unspezifischen“ Anzeichen treten bei Frauen sogar häufiger auf als bei Männern. Die Deutsche Herzstiftung rät, immer dann den Notarzt zu rufen, wenn die Beschwerden in zuvor noch nie erlebtem Ausmaß auftreten. © Imago
Frau schaut aus Fenster
Einen Herzinfarkt kann man jemandem sogar im wahrsten Sinne des Wortes ansehen: Meist werden Betroffene vor Schmerz und Angst ganz fahl und totenblass im Gesicht und bekommen zudem Angstschweiß. © Bernd Feil/Imago
Frau ist erschöpft
Es gibt auch eher unspezifische Anzeichen, die für einen Herzinfarkt sprechen können. Dazu zählt extreme Müdigkeit und Erschöpfung. © Imago
Auch Kieferschmerzen zählen zu den eher unspezifischen Herzinfarkt-Symptomen. Bei extremen Beschwerden sollten Sie besser einen Arzt aufsuchen.
Auch Kieferschmerzen zählen zu den eher unspezifischen Herzinfarkt-Symptomen. Bei extremen Beschwerden sollten Sie besser einen Arzt aufsuchen.  © Imago

Was hilft bei Herzangst?

Professor Ulmer rät dem jungen Mann zu folgenden Lebensstil-Änderungen, um sein Herz zu stärken und mutmaßliche Herzangst abzubauen:

  • Regelmäßige körperliche Aktivitäten
  • Verzicht auf Genussmittel wie zum Beispiel viel Kaffee, Zigaretten oder hochkalorische Energydrinks
  • Gesellschaft suchen und sich Freunden/Familie anvertrauen

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

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