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Hexenschuss! Experte erklärt, was jetzt zu tun ist und wie man vorbeugen kann

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Plötzlich stechender Schmerz im Rücken? Vermutlich handelt es sich um einen Hexenschuss! Experte Prof. Dr. Oliver Tobolski klärt im Video-Interview auf, wie Sie Schmerzen schnell loswerden und vorbeugen können.

Sie wollen sich gerade nach dem Ball bücken oder Ihre Sporttasche aus dem Auto heben – und dann passiert es: Ein stechender, unerwarteter Schmerz fährt Ihnen in den unteren Rücken. Bewegungen sind kaum mehr möglich, selbst einfaches Aufrichten wird zur Qual. Der Hexenschuss gehört zu den häufigsten Rückenleiden und trifft sowohl Sportler als auch Büroarbeiter. Doch was steckt wirklich dahinter? Und wie kann man sich davor schützen? Wir haben mit Prof. Dr. Oliver Tobolski, einem erfahrenen Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin, gesprochen.

Im Video oben sehen Sie das vollständige Interview.

Zur Person: Prof. Dr. Oliver Tobolski

- Praxis: Ortho4Sport in Köln
- Schwerpunkt: Sporttraumatologie /Sportorthopädie
- Facharzt für Chirurgie, Sportmedizin, Chirotherapie
- Verbandsarzt Tennisverband Mittelrhein
- ATP-Arzt
- Ehemaliger Leiter des offiziellen Medizinzentrums des Olympiastützpunkts Rheinland
- Ausbildungen an Universitätskliniken Köln und Münster
- Dozent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement

Wie kommt es zu einem Hexenschuss? Ein Facharzt klärt auf

Herr Dr. Tobolski, was genau passiert bei einem Hexenschuss?
Prof. Dr. Oliver Tobolski: Viele meiner Patienten sagen: „Herr Doktor, mich hat die Hexe geschossen.“ Und genau so fühlt es sich an. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Einklemmungssymptomatik. Durch verklebte Muskelstrukturen werden Nerven eingeengt, wodurch Schmerzen entstehen. Besonders betroffen ist der Musculus Quadratus Lumborum, ein wichtiger Rückenstrecker. Zusätzlich kann das Sacroiliacalgelenk, das zwischen Kreuzbein und Becken liegt, blockiert sein und für Schmerzen sorgen.
Welche Symptome sind typisch für einen Hexenschuss?
Prof. Dr. Oliver Tobolski: Das prägnanteste Merkmal ist der plötzlich einsetzende Schmerz im unteren Rücken, der Betroffene regelrecht aushebelt. Viele gehen automatisch in eine Schonhaltung, weil jede Bewegung Schmerzen verursacht. Typischerweise strahlt der Schmerz manchmal bis in die Oberschenkelrückseite aus – jedoch nicht bis in die Fußsohle, denn das wäre ein Anzeichen für eine andere Problematik wie eine Bandscheibenbeteiligung.

Übersicht: Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall? So erkennen Sie den Unterschied

MerkmalHexenschussBandscheibenvorfall
SchmerzbeginnPlötzlich, oft nach BewegungSchleichend oder durch Belastung
LokalisationLendenwirbelsäuleKann in Beine/Füße ausstrahlen
SchonhaltungStark, kaum Bewegung möglichBewegung oft noch möglich
SensibilitätsstörungenSehr seltenHäufig (Kribbeln, Taubheitsgefühl)

Hier geht's zum „Hey, Doc!“-Serien-Teil Arthrose: Anzeichen, Ursachen und Ratschläge zur Therapie

Hexenschuss: Behandlung und Heilungsdauer

Muss ich bei einem Hexenschuss sofort zum Arzt?
Prof. Dr. Oliver Tobolski: In den meisten Fällen nicht. Der klassische Hexenschuss heilt innerhalb weniger Tage ab. Zunächst hilft Wärme in Form einer Wärmflasche oder eines warmen Bades, um die Muskulatur zu entspannen. Auch ein entzündungshemmendes Mittel wie Diclofenac oder Voltaren kann kurzfristig eingesetzt werden. Wichtig ist: Nicht komplett ins Bett legen, sondern sich so gut es geht bewegen – kleine Spaziergänge sind oft der Schlüssel.
Wie lange dauert die Heilung?
Prof. Dr. Oliver Tobolski: Ein klassischer Hexenschuss dauert 24 Stunden intensiv an, danach wird es allmählich besser. Die Nachwirkungen können jedoch einige Tage bis zu einer Woche spürbar sein. Wer sich vernünftig bewegt und Wärme anwendet, ist oft binnen weniger Tage wieder fit.
Kann man einem Hexenschuss vorbeugen?
Prof. Dr. Oliver Tobolski: Absolut! Die Hauptursache für einen Hexenschuss ist eine schwache Rumpfmuskulatur. Besonders Menschen mit wenig trainierten Bauchmuskeln oder einer Fehlhaltung durch einen Bierbauch sind gefährdet. Deshalb empfehle ich gezielte Übungen für die tiefe Bauchmuskulatur, die schrägen Bauchmuskeln und den Beckenboden. Nur 5–10 Minuten täglich können bereits helfen, die Wirbelsäule zu stabilisieren.

Fazit: Bei Hexenschuss aktiv bleiben und präventiv stärken!

Ein Hexenschuss kann plötzlich kommen – doch mit der richtigen Muskelstärkung kann man das Risiko deutlich reduzieren. Sollte es doch passieren, helfen Wärme, leichte Bewegung und Geduld.

Innerhalb weniger Tage lässt sich der Schmerz oft in den Griff bekommen. Wer langfristig präventiv trainiert, spart sich viele Schmerzen! Pilates oder Wandpilates sind eine Möglichkeit, Rumpfmuskulatur aufzubauen. Ein kurzes Workout finden Sie in folgendem Video:

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Rubriklistenbild: © Ippen Media

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