VonSophie Klußschließen
Hund oder Katze hat gebissen und Sie wissen nicht, was zu tun ist? IPPEN.MEDIA hat bei zwei Expertinnen nachgefragt – wann Sie zum Arzt müssen und was es zu beachten gibt.
Obwohl Haustierbesitzer es sich nicht vorstellen wollen: Auch die eigene Katze oder der eigene Hund kann zuschnappen und im schlimmsten Fall eine Wunde bei Ihnen oder anderen hinterlassen. Genauso kann es vorkommen, dass Sie beim Spaziergehen oder in anderen Haushalten von einem fremden Tier gebissen werden. „In Deutschland werden jährlich etwa 40.000 Bisswunden registriert, davon sind 80 Prozent Hundebisse, gefolgt von Katzen und Menschen“, weiß Sonja Pavic, Ausbilderin und Lehrbeauftragte in Erste Hilfe bei Erste Hilfe Bayern – Akademie für Notfallmedizin. Auf Anfrage von IPPEN.MEDIA beantwortet Pavic die wichtigsten Fragen zum Thema Hunde- und Katzenbiss.
Hund oder Katze hat gebissen – was jetzt zu tun ist
Nach dem Biss durch einen Hund oder eine Katze sollte man die Wunde nicht nur umgehend desinfizieren, sondern in jedem Fall einen Arzt aufsuchen, rät die Erste-Hilfe-Ausbilderin und -Lehrbeauftragte – vor allem dann, wenn es sich um eine offene Wunde handelt: „Generell würde ich empfehlen, eine klinische Diagnose durchzuführen zu lassen.“
Das bestätigt auch Dr. Ulrike Schimmel vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. Auf Anfrage von IPPEN.MEDIA sagt sie: „Alles, was mehr als ein oberflächlicher Kratzer ist, sollte vom Arzt gesehen und gegebenenfalls genäht werden. Starke Blutungen erfordern immer den Rettungsdienst – zwischendurch Druckverband anlegen.“ Dies sei vor allem bei Kindern notwendig, da sie besonders häufig Opfer von Tierbissen werden. Denn „aufgrund der Körpergröße des Kindes versus Hund sind Kopfverletzungen am häufigsten durch Hundebisse“, weiß Sonja Pavic.
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Ein Arzt entscheidet nach der Vorstellung des Patienten über die weitere Vorgehensweise. Diese ist abhängig vom Ausmaß der Wunde: „Bisswunden führen zu oberflächlichen oder tiefen Traumata, die ein hohes Risiko für infektiöse Komplikationen bergen“, warnt Pavic. Doch zunächst müsse ein ausreichender Tetanusschutz sichergestellt und gegebenenfalls verabreicht werden. „Auch die Indikation zur Tollwutprophylaxe ist zu prüfen“, so die Erste-Hilfe-Ausbilderin.
Dr. Schimmel macht zudem auf die Gefahren einer Behandlung der Wunde zu Hause aufmerksam: „Die üblichen Kriterien über das Ausmaß einer Verletzung hinaus beziehungsweise bei großem Blutverlust wären natürlich auch: Eine eitrige Wunde und Fieber nach einer offenen Wunde – das hieße, dass die Wundreinigung nicht ausreichend funktioniert hat.“ Ein starkes Krankheitsgefühl und Fieber nach einem Tierbiss deutet zudem auf eine systemische Infektion (Ausbreitung auf den gesamten Körper) hin, aus der sich eine bakterielle Blutvergiftung entwickeln könnte und sollte deshalb als medizinischer Notfall behandelt werden.
Diese vier Fragen sollten Sie im Krankenhaus beantworten können
Um eine optimale Behandlung garantieren zu können, sollten Betroffene beim Arzt oder im Krankenhaus laut Sonja Pavic folgende Fragen beantworten können:
- Wo war der Biss (in welcher Region, sind dort Fälle von Erkrankungen bekannt)?
- Wann hat der Biss stattgefunden?
- Gibt es Vorerkrankungen?
- Welche Symptome bemerken Sie selbst (Schmerzen, Müdigkeit, Juckreiz)?
Auch weitere Symptome wie Fieber, Rötung, Schwellung, Pulsan- oder -abstieg seien entscheidend für die anschließende Therapie. Je nach Ausmaß der Verletzung, also „ob die Wunde oberflächlich, tief und primär behandlungsbedürftig oder infiziert ist“, müsse man im Krankenhaus Röntgenaufnahmen, Laboruntersuchungen der Blutkulturen und Gewebeproben zur Bestimmung der Erreger anfertigen. „Ein chirurgischer Eingriff sollte je nach Tiefe und Ausmaß des Bisses abgewogen werden, bei Infektion kann eine systemische antimikrobielle Therapie (Anm. d. Red.: körperübergreifende Antibiotikatherapie) erforderlich sein“, weiß die Erste-Hilfe-Lehrbeauftragte.
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Hunde und Katzen: Nicht nur Bisse können gefährlich werden
Doch nicht nur Hunde- und Katzenbisse können für Menschen gefährlich sein. Auch Kratzer sollte man laut Sonja Pavic mit Vorsicht behandeln. So könnten Katzen durch Bisse, aber auch durch Kratzer die sogenannte Katzenkratzkrankheit (KKK) verursachen. Für immungeschwächte Patienten könne eine Erkrankung lebensbedrohlich werden. Aber auch bei Gesunden könnten „wochen- bis monatelange lokale Lymphadenopathie (Anm. d. Red.: Erkrankung der Lymphknoten), gelegentliche Abszesse und systemische Erkrankungen“, also Krankheiten, die laut DocCheck Flexikon ein gesamtes Organsystem befallen und nicht auf eine einzige Körperregion beschränkt bleiben, die Folge sein.
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Wer haftet für einen Hunde- oder Katzenbiss?
Dr. Ulrike Schimmel gibt außerdem die haftungsrechtliche Dimension eines Beißvorfalls zu bedenken: „Bissige Hunde werden gegebenenfalls reglementiert – wiederholte Beißvorfälle ziehen ja Maulkorbpflicht oder mehr nach sich“, so Dr. Schimmel. Beißt Ihr Haustier andere Tiere oder fremde Personen, sind Sie als Haustierhalter in der Pflicht: „Das Bürgerliche Gesetzbuch schreibt in § 833 BGB vor, dass ein Tierhalter alle Schäden ersetzen muss, die sein Tier verursacht, bei Verletzungen eines Menschen ist auch Schmerzensgeld zu zahlen. Ob dies auf eigenem, einem fremden oder öffentlichen Grundstück passiert, ist daher unerheblich“, erklärt Rechtsanwältin Ann-Kathrin Fries auf tasso.net. Diese Haftung des Tierhalters sei „sehr weitreichend“ und könne auch „Verletzungen umfassen, die der Hund nicht direkt, nur mittelbar hervorgerufen hat. Daher sollte jeder (!) Hundehalter eine Hundehalterhaftpflichtversicherung abschließen“, rät die Rechtsanwältin weiter.
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