Hunde- und Katzenbiss

Hund oder Katze hat gebissen? Expertinnen wissen, wann Sie zum Arzt müssen

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Hund oder Katze hat gebissen und Sie wissen nicht, was zu tun ist? IPPEN.MEDIA hat bei zwei Expertinnen nachgefragt – wann Sie zum Arzt müssen und was es zu beachten gibt.

Obwohl Haustierbesitzer es sich nicht vorstellen wollen: Auch die eigene Katze oder der eigene Hund kann zuschnappen und im schlimmsten Fall eine Wunde bei Ihnen oder anderen hinterlassen. Genauso kann es vorkommen, dass Sie beim Spaziergehen oder in anderen Haushalten von einem fremden Tier gebissen werden. „In Deutschland werden jährlich etwa 40.000 Bisswunden registriert, davon sind  80 Prozent Hundebisse, gefolgt von Katzen und Menschen“, weiß Sonja Pavic, Ausbilderin und Lehrbeauftragte in Erste Hilfe bei Erste Hilfe Bayern – Akademie für Notfallmedizin. Auf Anfrage von IPPEN.MEDIA beantwortet Pavic die wichtigsten Fragen zum Thema Hunde- und Katzenbiss.

Hund oder Katze hat gebissen – was jetzt zu tun ist

So friedlich wie diese beiden Fellnasen verhalten sich Hunde und Katzen nicht immer. (Symbolbild)

Nach dem Biss durch einen Hund oder eine Katze sollte man die Wunde nicht nur umgehend desinfizieren, sondern in jedem Fall einen Arzt aufsuchen, rät die Erste-Hilfe-Ausbilderin und -Lehrbeauftragte – vor allem dann, wenn es sich um eine offene Wunde handelt: „Generell würde ich empfehlen, eine klinische Diagnose durchzuführen zu lassen.“

Das bestätigt auch Dr. Ulrike Schimmel vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. Auf Anfrage von IPPEN.MEDIA sagt sie: „Alles, was mehr als ein oberflächlicher Kratzer ist, sollte vom Arzt gesehen und gegebenenfalls genäht werden. Starke Blutungen erfordern immer den Rettungsdienst – zwischendurch Druckverband anlegen.“ Dies sei vor allem bei Kindern notwendig, da sie besonders häufig Opfer von Tierbissen werden. Denn „aufgrund der Körpergröße des Kindes versus Hund sind Kopfverletzungen am häufigsten durch Hundebisse“, weiß Sonja Pavic.

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Ein Arzt entscheidet nach der Vorstellung des Patienten über die weitere Vorgehensweise. Diese ist abhängig vom Ausmaß der Wunde: „Bisswunden führen zu oberflächlichen oder tiefen Traumata, die ein hohes Risiko für infektiöse Komplikationen bergen“, warnt Pavic. Doch zunächst müsse ein ausreichender Tetanusschutz sichergestellt und gegebenenfalls verabreicht werden. „Auch die Indikation zur Tollwutprophylaxe ist zu prüfen“, so die Erste-Hilfe-Ausbilderin.

Dr. Schimmel macht zudem auf die Gefahren einer Behandlung der Wunde zu Hause aufmerksam: „Die üblichen Kriterien über das Ausmaß einer Verletzung hinaus beziehungsweise bei großem Blutverlust wären natürlich auch: Eine eitrige Wunde und Fieber nach einer offenen Wunde – das hieße, dass die Wundreinigung nicht ausreichend funktioniert hat.“ Ein starkes Krankheitsgefühl und Fieber nach einem Tierbiss deutet zudem auf eine systemische Infektion (Ausbreitung auf den gesamten Körper) hin, aus der sich eine bakterielle Blutvergiftung entwickeln könnte und sollte deshalb als medizinischer Notfall behandelt werden.

Diese vier Fragen sollten Sie im Krankenhaus beantworten können

Um eine optimale Behandlung garantieren zu können, sollten Betroffene beim Arzt oder im Krankenhaus laut Sonja Pavic folgende Fragen beantworten können:

  • Wo war der Biss (in welcher Region, sind dort Fälle von Erkrankungen bekannt)?
  • Wann hat der Biss stattgefunden?
  • Gibt es Vorerkrankungen?
  • Welche Symptome bemerken Sie selbst (Schmerzen, Müdigkeit, Juckreiz)?

Auch weitere Symptome wie Fieber, Rötung, Schwellung, Pulsan- oder -abstieg seien entscheidend für die anschließende Therapie. Je nach Ausmaß der Verletzung, also „ob die Wunde oberflächlich, tief und primär behandlungsbedürftig oder infiziert ist“, müsse man im Krankenhaus Röntgenaufnahmen, Laboruntersuchungen der Blutkulturen und Gewebeproben zur Bestimmung der Erreger anfertigen. „Ein chirurgischer Eingriff sollte je nach Tiefe und Ausmaß des Bisses abgewogen werden, bei Infektion kann eine systemische antimikrobielle Therapie (Anm. d. Red.: körperübergreifende Antibiotikatherapie) erforderlich sein“, weiß die Erste-Hilfe-Lehrbeauftragte.

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Hunde und Katzen: Nicht nur Bisse können gefährlich werden

Doch nicht nur Hunde- und Katzenbisse können für Menschen gefährlich sein. Auch Kratzer sollte man laut Sonja Pavic mit Vorsicht behandeln. So könnten Katzen durch Bisse, aber auch durch Kratzer die sogenannte Katzenkratzkrankheit (KKK) verursachen. Für immungeschwächte Patienten könne eine Erkrankung lebensbedrohlich werden. Aber auch bei Gesunden könnten „wochen- bis monatelange lokale Lymphadenopathie (Anm. d. Red.: Erkrankung der Lymphknoten), gelegentliche Abszesse und systemische Erkrankungen“, also Krankheiten, die laut DocCheck Flexikon ein gesamtes Organsystem befallen und nicht auf eine einzige Körperregion beschränkt bleiben, die Folge sein.

Vor dem Kauf eines Haustiers: Elf Gedanken, die Ihnen zeigen, ob ein Goldfisch vielleicht doch die bessere Wahl ist

Eine Frau arbeitet am Laptop, während ihr Hund daneben sitzt.
Die wichtigste Frage, die Sie sich vor der Anschaffung eines Haustieres stellen sollten: Habe ich ausreichend Zeit für das neue Familienmitglied? Dabei kommt es nicht nur auf Ihre Arbeitszeiten, sondern auch auf Ihre Freizeit an. Sind beispielsweise Ihre Unternehmungen tierfreundlich? Beachten Sie auch, dass ein Hund mehr Zeit in Anspruch nimmt als zum Beispiel eine Katze. © Panthermedia/Imago
Ein Mädchen führt einen Hund Gassi, im Hintergrund laufen die Eltern.
Wünscht sich nicht nur ein Familienmitglied, sondern die ganze Familie das Tier? Bevor Sie im Alleingang entscheiden oder jemandem eine Freude bereiten möchten, sollten Sie lieber mit der gesamten Familie besprechen, wie die einzelnen Mitglieder zu einem Haustier stehen. In diesem Zug können Sie gleich über eine mögliche Aufgabenverteilung sprechen. © Wavebreak Media Ltd/Imago
Ein Hund mit allerlei Hunde-Ausstattung um sich.
Haustiere sind nicht günstig. Können Sie sich das gewünschte Tier aus finanzieller Sicht auch wirklich leisten? Überlegen Sie sich vor der Anschaffung ausführlich, ob Sie auch zukünftig in der Lage sind, die monatlichen Kosten für das neue Familienmitglied zu stemmen. Während Hunde pro Monat etwa zwischen 30 und 200 Euro kosten, sitzt Ihnen eine Katze mit rund 40 Euro monatlich auf der Tasche. © Pond5 Images/Imago
Eine Frau reagiert allergisch auf eine Katze.
Manche Menschen stellen erst dann fest, dass sie allergisch auf ihr Haustier reagieren, wenn sie es sich bereits in die Wohnung geholt haben. Um der beidseitigen Enttäuschung vorzubeugen, sollten Sie sich vor der Anschaffung ausgiebig mit Ihrer eigenen Gesundheit und der Ihrer Familie beschäftigen. Sind Sie gesund und haben keine Allergien, stehen die Zeichen auf Grün. Bestehen Zweifel, sollten Sie sich zur Sicherheit von einem Arzt durchchecken lassen. Zusätzlich zu einem Test auf Tierhaarallergien sollten Sie sich mit der Frage auseinandersetzen, ob Ihre Fitness ausreicht, um einem Tier gerecht zu werden. Ein Hund will beispielsweise täglich, meist auch mehrmals täglich, Gassi geführt werden. © BSIP/Imago
Ein Hund mit grauen Haaren um die Nase schläft auf einem Teppich.
Stellen Sie sich die Frage, ob Sie die komplette Lebensdauer Ihres zukünftigen Haustieres für es da sein können. Eine angemessene und artgerechte Betreuung erfordert nicht nur körperliche, sondern auch geistige Fitness. © Cavan Images/Imago
Ein Hund sitzt in einem Haus, das von einem Umzug gezeichnet ist.
Wie sieht die Zukunft aus? Hat ein Haustier darin Platz oder sollten Sie mit der Anschaffung besser noch eine Weile warten? Steht beispielsweise ein Umzug oder eine längere Reise an, ist es wohl besser, wenn Sie mit dem neuen Tier noch warten, bis mehr Stabilität gewährleistet ist. Haustiere benötigen nicht nur viel Geduld und Zeit, sondern auch Liebe und Aufmerksamkeit. © Mint Images/Imago
Eine Katze springt an ihrem Kratzbaum hoch.
Könnte ich dem neuen Haustier ausreichend Platz bieten? Zu einer artgerechten Haltung gehört auch ein großzügiges Lebensumfeld. Wünschen Sie sich eine Katze, sollten Sie genug Platz für mindestens ein Katzenklo und einen Kratzbaum habe. Soll es ein niedlicher Nager werden, benötigt der mindestens einen großen Käfig, im Optimalfall ein zusätzliches Freilaufgehege. Wohnen Sie zur Miete, sollten Sie in jedem Fall Rücksprache mit Ihrem Vermieter halten. © Zoonar/Imago
Eine rote Katze miaut.
Wie ist Ihr Kenntnisstand über das Tier, das Sie sich ins Haus holen möchten? Seien Sie ehrlich mit sich selbst und beantworten Sie diese Frage aufrichtig. Sollten Sie feststellen, dass Sie nur wenig über die Tierart und ihre Verhaltensweisen wissen, sollten Sie das vor einer Anschaffung nachholen. Erst wenn Sie wirklich über das Tier und seine Eigenheiten wie Erziehung, Haltung, mögliche Erkrankungen oder Besonderheiten der Rasse Bescheid wissen, ist es unbedenklich, über einen Kauf oder eine Adoption nachzudenken. © agefotostock/Imago
Eine Schildkröte paddelt in einem Aquarium.
Ist das Tier, das Sie und Ihre Familie sich wünschen, ein Einzelgänger oder ein Rudeltier? Während die meisten Haustiere alleine wunderbar zurechtkommen, gibt es Ausnahmen, die unbedingt Artgenossen benötigen, um sich wohlzufühlen. Sind Sie unsicher, wie es sich bei Ihrem Wunschtier verhält, stellen Sie eine kurze Recherche an oder befragen Sie im Zweifel einen Experten. Egal, zu welcher Gruppe Ihr Haustier gehört – ausreichend Beschäftigung und Aufmerksamkeit durch Sie ist in jedem Fall ein Muss. © Anka Agency International/Imago
Hund allein zuhause
Wäre die Versorgung Ihres Haustieres gewährleistet, wenn Sie im Urlaub sind? Sofern Sie Ihren neuen Liebling nicht mit in die Ferien nehmen können, muss mit Sicherheit geklärt werden, wer sich in Ihrer Abwesenheit um Ihr Tier kümmern könnte. Am besten denken Sie schon im Voraus über geeignete Kandidaten nach und nicht erst, wenn Sie schnell jemanden finden müssen. Zur Unterbringung während Ihrer Urlaubszeit eignen sich auch Tierpensionen ganz wunderbar. Am Einfachsten ist es mit einem Hund, sofern Sie ihn mit in die Unterkunft nehmen dürfen. © Christin Klose/dpa-tmn
Zwei Katzen sitzen nebeneinander in der Wiese.
Zu guter Letzt sollten Sie noch einmal in sich gehen und sich fragen, ob Sie sich auch ausreichend Zeit für eine Entscheidung genommen haben. Überstürzen Sie nichts und durchdenken Sie jede der oben genannten Fragen gemeinsam mit Ihrer Familie oder dem Partner. Sollten Sie zu dem Schluss kommen, dass ein Haustier in Ihrem Leben keinen Platz hat, sollten Sie zu Ihren eigenen Gunsten und zum Wohl des Tieres ehrlich mit sich sein und von einem Kauf absehen. © Pond5 Images/Imago

Wer haftet für einen Hunde- oder Katzenbiss?

Dr. Ulrike Schimmel gibt außerdem die haftungsrechtliche Dimension eines Beißvorfalls zu bedenken: „Bissige Hunde werden gegebenenfalls reglementiert – wiederholte Beißvorfälle ziehen ja Maulkorbpflicht oder mehr nach sich“, so Dr. Schimmel. Beißt Ihr Haustier andere Tiere oder fremde Personen, sind Sie als Haustierhalter in der Pflicht: „Das Bürgerliche Gesetzbuch schreibt in § 833 BGB vor, dass ein Tierhalter alle Schäden ersetzen muss, die sein Tier verursacht, bei Verletzungen eines Menschen ist auch Schmerzensgeld zu zahlen. Ob dies auf eigenem, einem fremden oder öffentlichen Grundstück passiert, ist daher unerheblich“, erklärt Rechtsanwältin Ann-Kathrin Fries auf tasso.net. Diese Haftung des Tierhalters sei „sehr weitreichend“ und könne auch „Verletzungen umfassen, die der Hund nicht direkt, nur mittelbar hervorgerufen hat. Daher sollte jeder (!) Hundehalter eine Hundehalterhaftpflichtversicherung abschließen“, rät die Rechtsanwältin weiter.

Rubriklistenbild: © Zoonar.com/Oksana Shufrych/Imago

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