Horrende Eis-Preise: Reisende nach Italien müssen tief in die Tasche greifen
VonRomina Kunze
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Tony Fessel
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Die Kosten für Eis steigen überall spürbar, aber vor allem in Italien. Ursachen sind die Ressourcen – aber auch die Touristen selbst.
München – Ein leckeres Eis gehört im Sommer doch einfach dazu. Vor allem im Urlaub, wenn die Sonne auf einen herunterbrennt und man so nett an der Strandpromenade oder durch eine schöne Altstadt flaniert, kommt eine leckere Abkühlung gerade recht. Doch ausgerechnet in der Heimat des Gelatos scheint die süße Verlockung kaum mehr bezahlbar.
Urlauber in Rom, Mailand oder in den Küstenregionen dürften bei den momentanen Eis-Preisen ordentlich schlucken. In den vergangenen drei Jahren sind die Preise für Eiscreme in Italien in die Höhe geschossen, wie eine Untersuchung aufzeigt. Ganz unschuldig sind die Touristen daran aber wohl nicht.
Eis-Preise steigen doppelt so schnell wie Inflation in Italien
Um rund 30 Prozent sind die Eis-Preise seit 2021 gestiegen, wie die italienische Konsumforschungsstelle (Consumption Research and Training Center, CRC) berichtet. Damit eilen sie der Inflationsrate davon: die lag im selben Zeitraum nach Angaben der nationalen Medien gerade einmal bei der Hälfte (15,7 Prozent) und ist aktuell auf einem äußerst niedrigen Stand.
Ohne ein traditionelles Gelato gegessen zu haben, kann man Italien, geschweige denn Rom eigentlich nicht wieder verlassen. Allerdings treibt genau dieser Hype durch Touristen den Eis-Preis. (Symbolfoto)
Verglichen wurden sowohl handwerklich hergestelltes Speiseeis aus den feinen Gelaterias Italiens, als auch industriell hergestelltes Eis für den Supermarkt-Vertrieb. Zur Untersuchung haben die Marktforscher verschiedene Städte in Italien herangezogen. Gerechnet wird in Kilopreisen. Damit reihen sich die Eis-Preise in den generellen Wucher-Trend im beliebten Urlaubsland ein. Teuer kann es auch werden, wer sich die Eiskugeln im Gehen gönnt – das ist, wie so einige andere Dinge in Italien verboten.
Selbst Supermarkt-Eis vom Fließband extrem teuer – Wucher vor allem dort, wo sich Touristen tummeln
Wie unter anderem das italienische Nachrichtenportal Firenze Today schreibt, kostet ein Kilo industriell hergestelltes Eis in Italien durchschnittlich 5,86 Euro. In der Stadt Forlì nördlich des beliebten Party-Ortes Rimini sogar 8,28 Euro – der teuerste Kilopreis der Studie. Am günstigsten ist das Supermarkt-Eis in Cuneo unweit der französischen Grenze (4,21 Euro pro Kilo). Deutlich happiger fallen die Preise der von Hand hergestellten Gelatos aus.
Rechnet man auf das Kilo hoch, nehmen die Eiscreme-Hersteller italienweit zwischen 20 und 28 Euro, so idealista.it. Auf eine kleine Eistüte mit einer Kugel heruntergebrochen mache das im Schnitt 2,7 Euro. In Metropolen aber auch gut und gerne um einiges mehr.
Teure Rohstoffe, hohe Mieten, unersättliche Nachfrage – das steckt hinter den astronomischen Eis-Preisen
Wie im Grunde bei allem anderen sind laut CRC zum einen die gestiegenen Rohstoffpreise für Milch, Zucker und Kakao dafür verantwortlich, zum anderen bedingen auch die teils exorbitanten Mieten die fürstlichen Eis-Preise in Italien. „In Roms Stadtzentrum zahlen einige Geschäfte in den besten Lagen bis zu 35.000 Euro monatlich Miete. Das ist enorm, natürlich belastet das den Endpreis des Produkts Gelato“, führt auch Claudio Pica, Präsident des italienischen Eisherstellerverbands, aus.
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Doch damit können die explodierenden Eis-Preise nur teilweise erklärt werden, wie das Forschungsinstitut CRC schreibt. Denn überraschenderweise tun die astronomischen Summen für Eis der Nachfrage keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: der sei nach Studien des CRC sogar gestiegen, insbesondere unter Touristen. Und somit letztlich Haupt-Preistreiber für Eiscreme. „Die Steigerungen sind eher auf die stetig wachsende Nachfrage zurückzuführen, die auch von ausländischen Touristen getragen wird“, erklärte der Präsident des wissenschaftlichen Ausschusses des CRC, Furio Truzzi.