Ernüchternde Reaktionen

„Ich verstehe nur Bahnhof“: Rewe-Mitarbeiter wenden sich mit verzweifeltem Zettel an Kunden

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Selbstbedienungskassen müssen gelernt sein. Das ist zumindest die Meinung eines Rewe-Teams, das ihren Kunden mit einem Zettel „erklärt“, wie es geht.

Nürnberg – Selbstbedienungskassen werden immer beliebter. Laut dem Forschungsinstitut EHI boten im Jahr 2023 rund 5000 Geschäfte ihren Kunden die Möglichkeit, den Scan- und Bezahlvorgang in unterschiedlichen Variationen selbst durchzuführen. Im Jahr 2021 waren es noch rund 2310 – das entspricht einem Anstieg von 117 Prozent. Mit 60 Prozent aller Geschäfte lässt sich ein Großteil dieser Kassen im Lebensmitteleinzelhandel finden, unter anderem bei Rewe.

Da es wie bereits erwähnt aber unterschiedliche Variationen vom selbstständigen Scan- und Bezahlvorgang gibt, gibt es auch verschiedene Methoden, die gekauften Artikel zu scannen. Das kann schon mal zu Problemen führen. Rewe-Mitarbeiter einer Filiale wandten sich daher mit einer dringenden Bitte an ihre Kunden. Allerdings fielen die Reaktionen auf den Zettel wohl anders aus als erhofft. Denn statt auf Verständnis traf dieser auf jede Menge Verwirrung und Kopfschütteln.

Rewe-Mitarbeiter schreiben verzweifelten Zettel: „Bitte, Bitte, Bitteeeeee“

Ein Kunde fand den Zettel der Rewe-Mitarbeiter nach eigenen Angaben in einer Filiale in Nürnberg und teilte ein Foto davon im Subreddit „aberBitteLaminiert“. „Bitte, Bitte, Bitteeeeee“, ist auf dem DIN A4-Blatt zu lesen. „Scannt bitte jeden Artikel einzeln, egal ob er/sie/es/divers von der gleichen Firma ist, gleich aussieht, gleiche Farbe hat usw.“ Was danach kommt, muss erst dekodiert werden.

Bitteeeeee
byu/NotToBeIncriminated inaberBitteLaminiert

Fest steht, dass die Rewe-Mitarbeiter versuchen zu erklären, warum es wichtig ist, jeden Artikel an der Selbstbedienungskasse einzeln zu scannen. Fest steht auch, dass es an dem „Computer“ und der „heutigen Zeit“ liegt. Mehr lässt sich dem Zettel nicht entnehmen – so zumindest das Urteil einiger Reddit-Nutzer. „Ich verstehe nur Bahnhof“, ist in der Kommentarspalte unter dem Beitrag zu lesen. Ein anderer Nutzer kritisierte den unnötig komplizierten Satzbau.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Rewe mit einem Zettel direkt an seine Kunden wendet. In der Vergangenheit haben sich die Mitarbeiter einer Filiale etwa beschwert und geschrieben: „Jetzt habt ihr Pech gehabt.“ In einem anderen Fall hat ein Kunde das Schild laut vorgelesen, wodurch viele amüsiert lachen mussten.

Queerfeindlicher Seitenhieb? Rewe-Mitarbeiter treffen mit Zettel auf Unverständnis

Was der Reddit-Community aber sauer aufstößt, ist weniger der Satzbau, sondern eher eine bestimmte Formulierung. „Hahaha ‚er/sie/es/divers‘ ist lustig, weil das Lebensmittel gar kein Geschlecht hat“, so ein Nutzer ironisch. Ein weiterer schrieb: „Immer mega peinlich, wenn die Verbitterung über die Existenz nicht heteronormativer Menschen in die Kommunikation einfließen muss, auch wenn es mit dem Thema nichts zu tun hat.“ Den Seitenhieb hätten sich die Rewe-Mitarbeiter sparen können, sind sich viele Reddit-Nutzer einig.

Doch warum dürfen die Artikel denn nun nur einzeln gescannt werden? Ein Reddit-Nutzer, der offenbar die Supermarkt-Sprache versteht, hat den Zettel für die Community entziffert. Laut ihm gehe es dabei um Bestandsführung. Dazu führt er folgendes Beispiel auf: Wenn zwei Joghurts desselben Herstellers gekauft werden, diese aber unterschiedliche Geschmacksrichtungen haben, denke das System, dass zwei Produkte mit derselben Geschmacksrichtung gekauft wurden.

Eine Anfrage von IPPEN.MEDIA bezüglich des Inhalts des Textes als auch der von Nutzern als queerfeindlich eingeordneten Formulierung blieb von Rewe zunächst unbeantwortet. (cln)

Rubriklistenbild: © Screenshot/Reddit r/aberBitteLaminiert

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