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VW ID.3 schneller geliefert: Wolfsburg warnt vor grauen Importen aus China

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Lange Lieferzeiten für VW-Stromer bringen europäische Händler dazu, ihren Kunden einen ID.3 aus China-Produktion zu besorgen. Die Wolfsburger Zentrale findet das gar nicht gut.

So geschieht es derzeit wohl gerade tausendfach in Deutschland: Der Autofahrer hat sich nach langer, reiflicher Überlegung endlich für den Kauf eines neuen, vollelektrischen Autos entschieden. Trotz der hohen Preise deutscher Automarken soll es natürlich ein VW sein, schließlich verbrachte man seit der Fahrschule sein ganzes Autofahrerleben in solchen Modellen.

Online vorab informiert, schließlich der Besuch beim Händler des Vertrauens. Dann naht der große Tag der Unterzeichnung eines Kaufvertrages für einen ID.3. Lieferzeit? Der Händler macht ein trauriges Gesicht: Dieses Jahr wird das ganz schön knapp, elf, zwölf Monate muss man schon warten.

Schneller aus China: Der VW ID.3

VW ID.3 aus China: Hersteller warnt vor grauen Importen nach Deutschland

Der Kunde reagiert schockiert. Von heftigen Lieferzeiten hat er auch schon gehört, und schließlich ist Vorfreude die schönste Freude. Aber gleich so lange? Und reicht das dann überhaupt noch für die Umweltprämie? Vielleicht dann lieber doch einen schnell lieferbaren Konkurrenten anschauen wie den süßen Ora Funky Cat?

In diesem Moment sieht sich der VW-Händler des Vertrauens verstohlen nach links und rechts um, senkt seine Stimme und sagt: „Vielleicht habe ich da etwas für Sie“.

Und zwar einen Wagen aus China. Dort nämlich sind VW-Stromer weniger populär als hierzulande, und relativ schnell verfügbar. Die Versuchung für manchen deutschen VW-Händler ist also nicht gering, bei einem dortigen Graumarkthändler einen VW ID.3 zu besorgen, der vom Joint-Venture Partner SAIC im chinesischen Anting bei Shanghai gefertigt wird.

Elektroautos: Die zehn beliebtesten Modelle in Deutschland

BMW i3
Platz 10: BMW i3. Schon seit 2013 auf dem Markt, und immer noch recht beliebt: 12.178 BMW i3 wurden 2021 neu zugelassen. Trotzdem läuft die Produktion des City-Stromers mit knapp 300 Kilometern Reichweite nach insgesamt 250.000 Einheiten dieses Jahr ohne Nachfolger aus. Preis: ab 39.000 Euro. © BMW
Fiat 500
Platz 9: Fiat 500. Das aktuelle Modell des Kleinstwagens, auch als Fiat 500e oder Fiat 500 Elektro bezeichnet, wird ausschließlich als E-Auto angeboten. 2021 fand er 12.516 Kunden. Je nach Akku-Größe schafft der kleine, aber charakterstarke Cityflitzer aus dem Stellantis-Konzern 190 bis über 300 Kilometer. Preis: ab 26.790 Euro. © Fiat/Stellantis
VW ID.5
Platz 8: VW ID.4. Die Crossover-Variante des braven Grundmodells ID.3 mit größerem Innenraum und etwas Off-Road-Fähigkeit wurde im vergangenen Jahr 12.734 mal zugelassen. Die Reichweite der Top-Version gibt VW reichlich optimistisch mit 518 Kilometern an. Preis: Ab 46.515 Euro. © Ingo Barenschee/VW
Skoda Enyaq iV
Platz 7: Škoda Enyaq iV. Der technische Ableger des VW ID.3 und ID.4 auf der MEB-Plattform ist mit 4,65 Metern etwas länger, und erfüllt somit das übliche Marken-Image als Alternative für die Familie. 13.026 Käufer und Leasingnehmer überzeugte das E-SUV mit offiziell bis zu 500 Kilometern Reichweite. Preis: ab 46.515 Euro. © Skoda Auto a.s.
Hyundai Kona Elektro
Platz 6: Hyundai Kona Elektro. Im Gegensatz zum neuen Ioniq 5 bietet Hyundai den seit Kona mit verschiedenen Antriebsversionen an, das seit 2018 verkaufte Elektroauto brachte es auf 17.240 Neuzulassungen. Die Motoren leisten 136 oder 204 PS, die Reichweite beträgt maximal 484 Kilometer. Preis: ab 35.650 Euro.  © Hyundai
Smart EQ fortwo Edition Bluedawn smart EQ fortwo edition bluedawn: stylish and electrifying eye-catcher
Platz 5: Smart EQ Fortwo. Wie beim BMW i3 ist auch das Ende des Elektrozwergs besiegelt. Künftig kommen die Elektroautos aus China und als größere SUV daher. Das Original fand trotz seiner mickerigen Reichweite von offiziell 153 Kilometer noch 17.413 Abnehmer. Preis: ab 21.940 Euro. © Mercedes-Benz AG
Renault Zoe
Platz 4: Renault Zoe. Beim Crashtest versagte die aktuelle Version des französischen City-Stromers (null Sterne!), aber mit 24.736 Neuzulassungen war er hierzulande durchaus beliebt. Dank bis zu 395 Kilometern maximaler Reichweite eignet er sich auch für längere Trips. Preis: ab 33.140 Euro. © Renault
VW ID.3
Platz 3: VW ID.3. Das Grundmodell des „Modularen E-Antriebs-Baukastens“ des VW-Konzerns gilt längst als elektrischer VW Golf, auch wenn sich manch Stromer-Fan einen etwas aufregenderen Auftritt gewünscht hätte. Europaweit brachte es der ID.3 mit seinen offiziell bis zu 553 Kilometern Reichweite schon auf über 100.000 Verkäufe, auf Deutschland entfielen 26.693 Zulassungen. Preis: ab 36.960 Euro. © VW
VW e-Up
Platz 2: VW e-Up. Seine große Beliebtheit führt zu seinem größten Nachteil: Immer wieder ist der kleine, 30.797 mal zugelassene Stromer ausverkauft, was letztendlich auch zu einer kräftigen Preissteigerung führte. Bis zu 260 Kilometer Reichweite gehen für diese Größe ok. Preis: ab 26.895 Euro. © VW
Tesla Model 3
Platz 1: Tesla Model 3. Das Einstiegsmodell des Elektroauto-Pioniers sicherte sich mit 35.262 Neuzulassungen klar die Pole-Position, und schaffe es wochenweise sogar an die Spitze der Gesamt-Charts aller Pkw. Die Reichweite beträgt laut Werksangabe bis zu 547 Kilometer. Preis: ab 52.965 Euro. © Tesla

VW ID.3 aus China: Hard- und Software-Konfiguration unterscheidet sich

Doch genau vor dieser Masche warnt die Wolfsburger VW-Zentrale nun ihre Händler: „Diese Fahrzeuge dürfen von Ihnen im vertraglich autorisierten Geschäft mit der Marke Volkswagen weder gekauft, vertrieben noch mit Ihrer Hilfe an die hiesigen Marktgegebenheiten angepasst werden“ heißt es in einem Schreiben, aus dem das Handelsblatt zitiert.

Aufgrund ihrer Hard- und Software-Konfiguration seien die China-Modelle in Europa nicht zulassungsfähig. So entspreche der Ladestecker ebenso wenig hiesigen Normen wie der Notruf-Assistent, statt hierzulande üblicher Internet-Dienste ist die chinesische All-in-one-App WeChat eingerichtet. Offenbar haben die chinesischen freien Händler bei ihren europäischen Kollegen schon angefragt, ob sie die Umrüstung übernehmen könnten. Tatsächlich sind auf diesem Weg wohl schon einige SAIC-Autos vor allem nach Italien gelangt.

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Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

VW droht seinen hiesigen Händlern laut Handelsblatt, der Import solcher Fahrzeuge stelle „vertragswidriges Verhalten“ dar, man werde „solche Verhaltensweisen nicht tolerieren“. Allerdings könnten solche Deals in Zukunft eher noch zunehmen: Der VW-Konzern will die Macht seiner Händler beschneiden, und auch Rabatte offiziell gekaufter Autos abschaffen – indem er auf das Agenturmodell umstellt, bei dem das Autohaus nur noch berät, der Vertrag aber mit VW selber beschlossen wird. Möglicherweise suchen sich manche Händler dann andere Wege, um an Ware zu kommen.

Rubriklistenbild: © Ingo Barenschee/VW

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