Keine Gewinnschleuder

Warum kostet Eiscreme so viel? Eismacher rechnet vor, was er an einer Kugel verdient

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Dieser Preisanstieg geht an kaum jemanden vorbei – Kugel-Eis wird immer teurer. Eine Gewinnschleuder ist der Sommersnack aber nicht, rechnet ein Eismacher vor.

München – Eiscreme ist von Jahr zu Jahr teurer geworden. Durchschnittlich 1,62 Euro kostet eine Kugel in deutschen Großstädten mittlerweile, zeigt eine Befragung von coupons.de. Darunter in München besonders teuer: über zwei Euro werden durchschnittlich fällig. Doch: Hinter den hohen Preisen stecke mehr als reines Profitstreben, klärt Eismacher Kevin Kuhn in einer WDR-Reportage auf.

Wofür Sie bei der Eisdiele zahlen: Diese Kostenposten stecken in einer Kugel Eis

„Zu meiner Schulzeit hat eine Kugel noch 80 Cent gekostet“, stellt eine Kundin vor laufender Kamera fest. Um herauszufinden, was hinter den hohen Preisen steckt, hat das Reporterteam der WDR-Sendung „Ausgerechnet“ eine Eisdiele von Kevin Kuhn besucht. Er ist Geschäftsführer von fünf „I am Love“-Filialen in Nordrhein-Westfalen. An den hohen Kugelpreisen lässt sich gut verdienen – oder etwa nicht? Der Eismacher geht zur Klärung ins Detail:

  • Etwa 60 Cent des Kugelpreises decken die Personalkosten
  • Etwa 50 Cent: allgemeine Kosten (Strom, Logistik etc.)
  • Etwa 30 Cent: Wareneinsatz
  • Etwa 10 Cent: Verpackung (Eiswaffel, Löffel etc.)
  • Als Gewinn sind etwa 10 bis 20 Prozent zu verbuchen

Es zeigt sich: Kugelpreise von 80 Cent würden laut seinen Berechnungen in heutigen Zeiten ein Minusgeschäft für Eismacher bedeuten. Mit der Inflation und den höheren Ausgaben in der Herstellung steigen auch die Preise für Kugel-Eis.

Außerdem zu beachten: Nicht jede Eissorte kostet in der Herstellung gleich viel

Eis ist nicht gleich Eis – das zeigt sich nicht nur im Geschmack, sondern auch in den Herstellungskosten. Sie variieren in Abhängigkeit von dem Arbeitsaufwand und den Inhaltsstoffen. Um dies für seine Kunden transparent zu machen, hat sich Kuhn in seinen Filialen für diverse Sortenpreise zwischen 1,40 und 1,80 Euro entschieden. Also: Vanille kostet zum Beispiel nicht das gleiche wie Erdbeere. Dieses Vorgehen findet der Eismacher fairer: „Man zahlt sonst ja auch für das, was man bekommt.“

Eismacher verrät: Trotz steigender Kugelpreise bleibt Gewinn gering. (Symbolfoto)

Zudem muss bei der Preisgestaltung beachtet werden: Es handelt es sich bei Eisdielen um ein Saisongeschäft. Zwar wird auch im Winter Eis gegessen, sagt Kuhn, aber lieber auf dem Sofa als in der Eisdiele. Von den gestiegenen Ausgaben über die verwendeten Zutaten bis hin zum ausbleibenden Wintergeschäft – steigende Kugelpreise können vielschichtige Gründe haben.

Rubriklistenbild: © IMAGO

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