VonSebastian Oppenheimerschließen
In Deutschland gibt es laut VDA großen Nachholbedarf bei der Ladeinfrastruktur für E-Autos. In rund der Hälfte der Gemeinden sei kein einziger öffentlicher Ladepunkt vorhanden.
Wer aktuell ein neues Fahrzeug kaufen möchte, steht immer noch vor der Frage: Elektroauto oder Verbrenner? Interessenten wägen dabei in verschiedenen Kategorien ab – unter anderem natürlich beim Preis, aber auch bei der Reichweite – die sich in den vergangenen Jahren bei Stromern deutlich verbessert hat. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Laden selbst. Zur Ladeinfrastruktur in Deutschland gibt es allerdings unterschiedliche Ansichten. So erklärte der Branchenverband BDEW kürzlich überraschenderweise, es gebe ein „Überangebot an Ladesäulen.“ Der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) beurteilt die Lage anders: Er moniert unter anderem einen schleppenden Ausbau der Ladeinfrastruktur.
Aktueller Stand in Deutschland: 21 Elektroautos kommen auf einen öffentlichen Ladepunkt
In einem sogenannten „E-Ladenetz-Ranking“ hat der VDA die aktuelle Lage zusammengefasst. Demzufolge gab es am 1. Juli 2023 in Deutschland 97.495 öffentliche Ladepunkte, davon 18.577 Schnellladepunkte. Zum genannten Zeitpunkt kommen damit 21 Elektroautos auf einen öffentlichen Ladepunkt. Am 1. Januar 2023 waren es noch 23 Stromer pro öffentlichen Ladepunkt gewesen, was bedeutet, dass sich, die dem Lobbyverband zufolge bestehende „große“ Lücke zwischen Bedarf und Angebot, etwas verkleinert habe. Dennoch bleibe der Nachholbedarf groß.
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In rund der Hälfte der deutschen Gemeinden gibt es laut VDA keinen einzigen öffentlichen Ladepunkt
Damit das Ziel der Bundesregierung von einer Million Ladepunkten im Jahr 2030 erreicht werden könne, müsste sich dem VDA zufolge das Ausbautempo der vergangenen zwölf Monate mehr als verdreifachen. Außerdem kritisiert der Verband die Verteilung der Ladesäulen: in rund der Hälfte aller 10.773 Gemeinden in Deutschland sei aktuell kein einziger öffentlicher Ladepunkt vorhanden. Noch schlechter sehe es in Sachen Schnellladen aus: Der Erhebung zufolge gibt es in acht von zehn deutschen Gemeinden keinen einzigen Schnellladepunkt.
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Ingolstadt aktuell Spitzenreiter im VDA-Ladenetz-Ranking
Außerdem hat der VDA in seiner Auswertung einen sogenannten T-Wert berechnet: Dieser gibt an, wie viele Elektroautos sich einen öffentlichen Ladepunkt teilen müssen – ein geringer Wert ist positiv. Folgende deutsche Städte bilden aktuell die Top 3:
| Stadt | T-Wert |
|---|---|
| Ingolstadt | 4,2 |
| Emden | 5,3 |
| Salzgitter | 5,8 |
Auch die Bundesländer insgesamt wurden ausgewertet – hier hatte beim T-Wert Sachsen (13,9) die Nase vorn. Auf Rang zwei folgen Mecklenburg-Vorpommern (14,6) und Thüringen (15,1). Schlusslichter waren in dem Vergleich das Saarland (30,0), Hessen (28,1) und Rheinland-Pfalz (26,6).
VDA-Präsidentin Müller sieht beim Ladenetzausbau „politischen Handlungsbedarf“
„Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist eine der drängendsten Infrastrukturaufgaben für Deutschland, wurde aber lange viel zu sehr vernachlässigt“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. „Die Verfügbarkeit ist beim Laden das ausschlaggebende Kriterium für die Kundenzufriedenheit. Dass es in jeder zweiten Gemeinde in Deutschland nicht einen einzigen Ladepunkt gibt, ist ernüchternd und verdeutlicht den politischen Handlungsbedarf.“ Dennoch sieht es die Verbandschefin als positiv an, dass das Tempo des Ladeinfrastrukturausbaus zuletzt angezogen habe – speziell der Ausbau der Schnellladeinfrastruktur: „Das muss nun unbedingt so weitergehen, denn Deutschlands Nachholbedarf ist groß.“
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