Regierungsziele in Gefahr

„Nachholbedarf ist groß“: VDA-Chefin kritisiert schleppenden Ausbau der E-Auto-Ladeinfrastruktur

  • schließen

In Deutschland gibt es laut VDA großen Nachholbedarf bei der Ladeinfrastruktur für E-Autos. In rund der Hälfte der Gemeinden sei kein einziger öffentlicher Ladepunkt vorhanden.

Wer aktuell ein neues Fahrzeug kaufen möchte, steht immer noch vor der Frage: Elektroauto oder Verbrenner? Interessenten wägen dabei in verschiedenen Kategorien ab – unter anderem natürlich beim Preis, aber auch bei der Reichweite – die sich in den vergangenen Jahren bei Stromern deutlich verbessert hat. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Laden selbst. Zur Ladeinfrastruktur in Deutschland gibt es allerdings unterschiedliche Ansichten. So erklärte der Branchenverband BDEW kürzlich überraschenderweise, es gebe ein „Überangebot an Ladesäulen.“ Der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) beurteilt die Lage anders: Er moniert unter anderem einen schleppenden Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Aktueller Stand in Deutschland: 21 Elektroautos kommen auf einen öffentlichen Ladepunkt

In einem sogenannten „E-Ladenetz-Ranking“ hat der VDA die aktuelle Lage zusammengefasst. Demzufolge gab es am 1. Juli 2023 in Deutschland 97.495 öffentliche Ladepunkte, davon 18.577 Schnellladepunkte. Zum genannten Zeitpunkt kommen damit 21 Elektroautos auf einen öffentlichen Ladepunkt. Am 1. Januar 2023 waren es noch 23 Stromer pro öffentlichen Ladepunkt gewesen, was bedeutet, dass sich, die dem Lobbyverband zufolge bestehende „große“ Lücke zwischen Bedarf und Angebot, etwas verkleinert habe. Dennoch bleibe der Nachholbedarf groß.

Dem Verband der Automobilindustrie zufolge geht der Ausbau der E-Auto-Ladeinfrastruktur in Deutschland immer noch zu schleppend voran. (Symbolbild)

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie im kostenlosen Newsletter unseres Partners 24auto.de.

In rund der Hälfte der deutschen Gemeinden gibt es laut VDA keinen einzigen öffentlichen Ladepunkt

Damit das Ziel der Bundesregierung von einer Million Ladepunkten im Jahr 2030 erreicht werden könne, müsste sich dem VDA zufolge das Ausbautempo der vergangenen zwölf Monate mehr als verdreifachen. Außerdem kritisiert der Verband die Verteilung der Ladesäulen: in rund der Hälfte aller 10.773 Gemeinden in Deutschland sei aktuell kein einziger öffentlicher Ladepunkt vorhanden. Noch schlechter sehe es in Sachen Schnellladen aus: Der Erhebung zufolge gibt es in acht von zehn deutschen Gemeinden keinen einzigen Schnellladepunkt.

Das sind die zehn meistgebauten Elektroautos Europas

Ein Renault Zoe
Platz 10 – Renault Zoe: Der französische Stromer ist inzwischen schon etwas in die Jahre gekommen, dennoch gehört der Renault Zoe auch im Jahr 2022 noch zu den meistproduzierten Elektroautos Europas. © Renault
Ein Audi e-tron
Platz 9 – Audi e-tron: Der erste reine Stromer von Audi gehört auch 2022 zu den meistgebauten E-Autos in Europa. Das Foto zeigt die Sportback-Variante. © Audi
Mehrere Tesla Model Y in Grünheide
Platz 8 – Tesla Model Y: Für den europäischen Markt wird das Tesla Model Y in der Gigafactory in Grünheide bei Berlin gebaut – und es reicht für den achten Platz im Produktions-Ranking. © IMAGO/Jochen Eckel
Ein Audi Q4
Platz 7 – Audi Q4: Ein weiterer Audi gehört zu den meistproduzierten E-Autos Europas: Der Q4 wird wie einige weitere Stromer des VW-Konzerns in Zwickau gefertigt. © Audi
Ein Hyundai Kona
Platz 6 – Hyundai Kona: Ein Koreaner hat es ebenfalls unter die zehn meistproduzierten E-Autos Europas geschafft – der Hyundai Kona wird im tschechischen Hyundai-Werk in Nosovice gebaut. © Hyundai
Ein Peugeot e-208
Platz 5 – Peugeot e-208: Mit dem Peugeot e-208 hat es ein Fahrzeug aus dem Stellantis-Konzern auf den fünften Platz geschafft. © Peugeot
Ein Skoda Enyaq
Platz 4 – Skoda Enyaq: 50.765 Einheiten des Skoda Enyaq verließen im Jahr 2022 das Werk in Tschechien – das reicht für den vierten Platz im europäischen Elektroauto-Produktionsranking. Das Foto zeigt die RS-Version des Stromers. © Skoda
Ein VW ID.3
Platz 3 – VW ID.3: Die Elektro-Kompaktlimousine VW ID.3 wird in Zwickau gebaut – 52.229 Exemplare rollten im Jahr 2022 dort vom Band. © Volkswagen
Ein VW ID.4
Platz 2 – VW ID.4: Auch den zweiten Platz belegt ein Volkswagen – der ebenfalls in Zwickau produzierte ID.4 wurde 63.685 Mal gebaut. © Volkswagen
Ein Fiat 500e
Platz 1 – Fiat 500e: 66.325 Exemplare des italienischen Stromers liefen 2022 in Mirafiori vom Band – damit war er das meistgebaute E-Auto Europas. © Fiat

Ingolstadt aktuell Spitzenreiter im VDA-Ladenetz-Ranking

Außerdem hat der VDA in seiner Auswertung einen sogenannten T-Wert berechnet: Dieser gibt an, wie viele Elektroautos sich einen öffentlichen Ladepunkt teilen müssen – ein geringer Wert ist positiv. Folgende deutsche Städte bilden aktuell die Top 3:

StadtT-Wert
Ingolstadt4,2
Emden5,3
Salzgitter5,8

Auch die Bundesländer insgesamt wurden ausgewertet – hier hatte beim T-Wert Sachsen (13,9) die Nase vorn. Auf Rang zwei folgen Mecklenburg-Vorpommern (14,6) und Thüringen (15,1). Schlusslichter waren in dem Vergleich das Saarland (30,0), Hessen (28,1) und Rheinland-Pfalz (26,6).

VDA-Präsidentin Müller sieht beim Ladenetzausbau „politischen Handlungsbedarf“

„Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist eine der drängendsten Infrastrukturaufgaben für Deutschland, wurde aber lange viel zu sehr vernachlässigt“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. „Die Verfügbarkeit ist beim Laden das ausschlaggebende Kriterium für die Kundenzufriedenheit. Dass es in jeder zweiten Gemeinde in Deutschland nicht einen einzigen Ladepunkt gibt, ist ernüchternd und verdeutlicht den politischen Handlungsbedarf.“ Dennoch sieht es die Verbandschefin als positiv an, dass das Tempo des Ladeinfrastrukturausbaus zuletzt angezogen habe – speziell der Ausbau der Schnellladeinfrastruktur: „Das muss nun unbedingt so weitergehen, denn Deutschlands Nachholbedarf ist groß.“

Rubriklistenbild: © Michael Gstettenbauer/Imago

Kommentare