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Insekten in Lebensmitteln: Gesundheitliche Folgen unklar – Experten besorgt

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Ekel hin oder her – es gibt weitaus mehr Gründe, warum Insekten essen keine gute Idee ist. Vom Ökosystem bis zu Krankheiten – was dagegen spricht:

Insekten sind für die meisten Menschen in Deutschland zunächst nicht das Mahl der Wahl. Jedoch gibt die jüngste EU-Verordnung zu Insekten in Lebensmitteln aktuell Anlass, sich mit dem Thema Insekten als Nahrungsmittel intensiver auseinanderzusetzen. Völlig unbedenklich, in anderen Kulturen normal, sagen die einen. Doch dann gibt es auch Stimmen, die der Neuerung ganz und gar nichts Positives abgewinnen können. Warum Insekten essen nicht unbedingt eine gute Idee ist:

Insekten in Lebensmitteln – Tierhaltung mal Tausend

Seit der Meldung, in welchen Lebensmitteln künftig Hausgrillen und Getreideschimmelkäfer bald drin stecken könnten, steht Deutschland Kopf. Klar, über die krabbligen Sechsbeiner denkt keiner gerne nach – vor allem, wenn es ums Essen geht. Dabei soll das Verspeisen von Grille und Co. im Essen durchaus seine Vorteile haben.

Doch nicht so schnell – warnen andere. Das Nahrungsmittel der Zukunft sind Insekten jedenfalls nicht – und das nicht nur aus Gründen des Ekels. Was auch für andere Tiere in der Massentierhaltung gilt, gilt für Insekten mindestens tausendfach. So warnt Peta vor allem vor Zoonosen und Parasiten, für die in Massenhaltung gezüchtete Insekten besonders anfällig sind.

Insekten in Lebensmitteln: Diese Krabbeltiere sind (bald) in unserem Essen

Eine Frau isst ein Insekt
Insekten in Brot, Pizza oder Keksen? Wer jetzt an eine Prüfung im Dschungelcamp denkt, der liegt daneben. Denn eine neue EU-Verordnung erlaubt die Verwendung von Insekten in zahlreichen Lebensmittel. © Wolfgang Kumm/dpa
Insekten als Nahrungsmittel
In der EU benötigen Insekten, die als Lebensmittel verkauft werden, eine Zulassung nach der Novel-Food-Verordnung. © Patrick Pleul/dpa
Eine Frau kostet eine Quesadilla mit Wanderheuschrecken auf einem Markt.
Auf dem deutschen (Internet-)Markt halten essbare Insekten inzwischen Einzug. Sie werden in den unterschiedlichsten Formen angeboten: als Snack, in Schokolade oder Honig, gemahlen sowie als Proteinriegel. © Jair Cabrera/dpa
Larve Getreideschimmelkäfer
Seit Januar 2023 sind gefrorene, pastenartige, getrocknete oder pulverisierte Larven des Getreideschimmelkäfers zugelassen. Allergiker sollten beim Verzehr von Insekten vorsichtig sein. Denn wer allergisch auf Krebs-, Weichtiere oder Hausstaubmilben reagiert, kann eine solche Reaktion auch bei Insekten zeigen. © Marijan Murat/dpa
Ein Mann beißt in einen Insekten-Burger
Lecker oder eklig? Ein Mann beißt in einen Insekten-Burger. Für die Bulette werden sogenannte Buffalo-Würmer (Getreideschimmelkäferlarven) verwendet.  © Friso Gentsch/dpa
Heimchen, Hausgrille
Heimchen (auch: Hausgrillen, Acheta domesticus) dürfen in Deutschland gegessen werden, ob gefroren, getrocknet, pulverförmig oder als teilweise entfettetes Pulver. © W. Willner/IMAGO
Hausgrille
Ausgewachsene Hausgrillen krabbeln auf ihren Boxen. Seit dem 26. Januar dürfen sie in Lebensmitteln verwendet werden.  © Visarut Sankham/dpa
Mehl aus getrockneten Hausgrillen wird für das Verpacken vorbereitet.
Mehl aus getrockneten Hausgrillen. Insekten werden als wichtige Proteinquelle für Lebensmittel angesehen. © Visarut Sankham/dpa
Mehlwurm
Auch Mehlwürmer (Tenebrio molitor) sind zum Verzehr in Deutschland freigegeben. Der Nährwert pro 100 Gramm gefriergetrockneter Mehlwürmer beträgt 550 Kilokalorien.  © Matthias Lenke/IMAGO/imageBROKER
Mehlkäfer werden mit Äpfel gefüttert
Mehlkäfer werden in einem Forschungslabor der Hochschule Bremerhaven mit alten Äpfeln gefüttert. © Carmen Jaspersen/dpa
Mehlkäfer-Larven werden mit Weizenkleie gefüttert
Mehlkäfer-Larven werden mit Weizenkleie gefüttert. Seit Mai 2021 sind Mehlwürmer in gefrorener, getrockneter oder in Pulverform in der EU zugelassen. © Carmen Jaspersen/dpa
Schwarzen Soldatenfliege
Exemplare der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens). Ein Antrag bei der EU steht gerade aus. Auch ihre Larven sollen für die Lebensmittelindustrie genutzt werden. © Arne Dedert/dpa
Larven der Schwarzen Soldatenfliege
Larven der Schwarzen Soldatenfliege. Im Gegensatz zu Mehlwürmern und anderen bekannten Futtertier-Larven eignen sich diese Larven gut zum Verfüttern. Sie sind reich an Calcium und sorgen nicht für Verfettung bei Tieren im Terrarium. © Arne Dedert/dpa
Gegrillte Würmer
Für viele eine eklige Vorstellung, für andere ganz normal: Weltweit werden Insekten gegessen. Laut WHO können rund 2.000 Insektenarten verzehrt werden. © Robert Schmiegelt/IMAGO
europäische Wanderheuschrecke (Locusta migratoria)
Die Europäische Wanderheuschrecke (Locusta migratoria) ist für den Lebensmittelmarkt in Deutschland zugelassen. © IMAGO/imageBROKER/Michael Weber
Wanderheuschrecke
Quesadillas mit Wanderheuschrecken werden auf einem Markt serviert. In der mexikanischen Küche kommen Insekten sehr oft vor – und zwar in Pulverform, getrocknet, gefroren, mit und ohne Flügeln oder Beinen. 2021 ließ die EU-Kommission die Europäische Wanderheuschrecke als Lebensmittel zu. © Jair Cabrera/dpa
Darf‘s was Delikates sein? Eine pochierte Birne an Joghurt ist mit einer in Honig gebratenen Heuschrecke garniert.
Darf’s was Delikates sein? Eine pochierte Birne an Joghurt ist mit einer in Honig gebratenen Heuschrecke garniert.  © Stefan Puchner/dpa
Oder doch lieber herzhafter? Auf einem Brot befindet sich ein Rote Beete Hummus, das mit Buffalowürmern garniert ist.
Oder doch lieber herzhafter? Auf einem Brot befindet sich ein Rote Beete Hummus, das mit Buffalo-Würmern garniert ist.  © Stefan Puchner/dpa
Honigbiene
Auch die männlichen Larven der Honigbiene (Apis mellifera) sollen bald auf dem Teller landen dürfen. © Wolfgang Kumm/dpa
Die Brut von Honigbienen soll in der EU zugelassen werden. Bislang haben die Behörden dem aber noch nicht zugestimmt.
Die Brut der Honigbiene soll in der EU zugelassen werden. Bislang haben die Behörden dem aber noch nicht zugestimmt.  © IMAGO
rote Ameisen und Eier
Abseits der EU gelten andere Sitten. Hier eine Frau, die einen Löffel mit roten Ameisen und Eiern zubereitet. Das Essen wird auf dem Udong-Markt angeboten. © Chris Humphrey
Skorpione stehen zum Verkauf auf einem Markt
Skorpione stehen zum Verkauf auf einem Markt. In der mexikanischen Küche kommen Insekten und Spinnentiere sehr oft vor. © Jair Cabrera/dpa
Wüstenheuschrecken
Wüstenheuschrecken in einer Aufzuchtbox in der Zuchtstation. In Afrika versuchen Forscher gerade, einer Heuschreckenplage positive Aspekte für den Speisezettel abzugewinnen. Insekten sind nahrhaft und als Nahrung umweltschonend und gesund. © Armstrong Too kikambala Road/dpa

Insekten in Lebensmitteln – gesundheitliche Folgen unklar

Werden die Insekten in Massenhaltung von einer Krankheit befallen, hat man demnach im Nullkommanichts eine Verseuchung biblischen Ausmaßes. Wenn das Coronavirus uns eines gezeigt hat, dann, wie schnell eine Krankheit vom Tier auf den Menschen übertragen und zur Pandemie ausarten kann. Hinzu kommen hygienische Bedenken. So werden bei der Herstellung oft Darm und Kot nicht entfernt, die Folgen davon für den Menschen sind noch völlig unklar.

Die Verbraucherzentrale warnt, dass es noch an Regelungen in der Lebensmittel-Hygiene-Verordnung mangele. Auch andere Experten sehen dem sechsbeinigen Inhaltsstoff als Lebensmittel kritisch entgegen. So spricht sich Kriminalbiologe Mark Benecke aktuell klar gegen Insekten als Lebensmittel aus. Er sieht auch die Artenvielfalt durch die Massenzucht von Insekten bedroht – mit verheerenden Folgen.

„Umwelt drumherum stirbt ab“ – Kriminalbiologe Benecke zu Insekten in Lebensmitteln

Laut Benecke sind Insekten die eigentlichen Bewohner der Erde. Schließlich gibt es von ihnen viel mehr als vom Menschen. Und jedes von ihnen ist ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems. Wird eine Art bedroht, bedroht das alle. „Jede Art der Massenzucht endet darin, dass Medikamente und Gifte gegen Keime und Krabbler eingesetzt werden müssen. Außer vielleicht bei Larven der Schmeißfliege. Die Folge: Die Umwelt drumherum stirbt ab“, erklärt Benecke gegenüber utopia.de.

Ihm zufolge ist die pflanzliche Alternative immer die bessere Wahl. Massenzucht bei Insekten ist jedoch keine Zukunftsdystopie, sondern längst Realität. Schon jetzt sind in vielen Nahrungsmitteln, besonders Süßigkeiten, Insekten enthalten. Doch nicht nur in der globalen Dimension sind Insekten als Nahrungsquelle problematisch. Auch Allergiker sollten aufpassen, denn wer beispielsweise auf Garnelen allergisch reagiert, der wird laut ndr.de auch auf Mehlwürmer reagieren.

Nicht nur in Lebensmitteln – Insekten längst auch in Kosmetik

Nicht nur in Lebensmitteln kommen die Viecher zum Einsatz. Was vielen völlig unbekannt ist: Auch in vielen Kosmetik-Produkten, wie Lippenstift, stecken Insekten – häufig versteckt hinter kryptischen Codes. (paw)

Rubriklistenbild: © dpa/Oliver Berg/Federico Gambarini/Montage HEADLINE24

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