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Kunden zahlen bei Penny für Umwelt-Experiment drauf: Lebensmittel werden teurer

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Preisschock bei Penny: Viele Produkte kosten auf einmal viel mehr. Dahinter steckt eine Umwelt-Aktion des Discounters. Verbraucher können damit etwas Gutes tun.

Hamm – Kunden werden sich wohl nicht nur in NRW verwundert die Augen reiben, wenn sie ab Montag, 31. Juli, ihren Blick durch die Regale eines Penny-Discounters schweifen lassen. Bei einigen Produkten werden die Preise nämlich ordentlich erhöht. Dahinter steckt eine Umweltschutz-Aktion, an der die zur Rewe-Gruppe gehörenden 2.150 Filialen in Deutschland teilnehmen. Die Mehreinnahmen sollen für ein Projekt zum Klimaschutz und zum Erhalt familiengeführter Bauernhöfe im Alpenraum gespendet werden.

„Wahre Kosten“: Penny erhöht Preise für neun Produkte

Der Hintergrund ist, dass Wissenschaftler berechnet haben, dass viele Lebensmittel deutlich teurer sein müssten – wegen versteckter Umweltkosten. Diese „wahren Preise“ bzw. „wahre Kosten“ testet der Discounter Penny seit Montag. „Durch Inflation und schwankende Rohstoff-Preise ist gerade vieles teurer, doch wir geben alles dafür, dass du bei uns immer Penny-günstig einkaufst. Aber wir müssen auch an Morgen denken und wollen gemeinsam mit dir Gutes für die Umwelt tun: Vom 31. Juli bis zum 05. August erheben wir einen Umweltausgleich für neun unserer Produkte und unterstützen so das Projekt Zukunftsbauer“, teilt der Discounter mit. Wie die Kunden die erhöhten Preise annehmen werden, ist noch offen. Betroffen sind insgesamt neun Produkte:

ArtikelbezeichnungNormaler PreisWahre Kosten
Naturgut Bio-Fruchtjoghurt1,191,56
Naturgut Käsescheiben2,193,70
Naturgut Bio-Mozzarella1,291,92
Naturgut Bio-Würstchen 3,295,36
PENNY Zukunftsbauer Fruchtjoghurt 1,19 Euro bzw. 0,99 Euro1,64 Euro bzw. 1,44 Euro
Lindenhof Maasdamer Scheiben2,494,84
SAN FABIO Mozzarella 0,89 Euro1,55
Mühlenhof Wiener3,196,01
FOOD FOR FUTURE Vegane Schnitzel2,692,83

Schnell fällt auf: Nicht überall ist der Preisaufschlag durch Einbeziehung der versteckten Umweltkosten gleich. Deutlich geringer als bei Wiener Würstchen oder Joghurt fällt die Steigerung mit nur 5 Prozent bei einem veganen Schnitzel aus. Generell sei der notwendige Aufschlag laut Wissenschaftlern bei rein pflanzlichen Produkten wegen der geringeren Umweltbelastung am niedrigsten. Deutlich höher sei er bei Milchprodukten und am höchsten bei Fleisch. „Wir lügen uns in die Tasche, wenn wir so tun, als hätte die heutige Lebensmittelproduktion keine versteckten Umweltfolgekosten“, wird Amelie Michalke, die an der Universität Greifswald die ökologischen und sozialen Effekte der landwirtschaftlichen Produktion untersucht, vom WDR zitiert. Diese Kosten spiegelten sich zwar nicht im Ladenpreis wider, doch fielen sie der Allgemeinheit und künftigen Generationen zur Last.

Penny erhöht Preise für die Umwelt – Mehreinnahmen werden gespendet

Penny selbst appelliert an das Umwelt-Gewissen seiner Kunden. „Entscheide dich bei deinem Einkauf für die Umwelt. Denn Lebensmittel haben von ihrer Erzeugung bis hin zu deinem Einkauf soziale und ökologische Auswirkungen, die sich aber nicht im Verkaufspreis widerspiegeln. Möchte man sie beheben, so kostet das Geld – die sogenannten wahren Kosten“, erklärt Penny. Transparenz ist dem Lebensmittelgeschäft bei der Aktion aber auch wichtig. So seien bei der Berechnung der „wahren Preise“ bei Penny durch die Universität Greifswald und die Technische Hochschule Nürnberg für ausgewählte Produkte vier Faktoren ausschlaggebend gewesen:

  • Klima: Dieser Faktor beinhaltet alle klimaschädlichen Emissionen der für die Produkte notwendigen Landwirtschaft, z.B. das von Rindern produzierte Methan oder CO2, das durch dieselbetriebene Traktoren entsteht.
  • Wasser: Hier geht es um alle Schadstoffe, die sich negativ auf das Grundwasser oder andere Wasserquellen und -speicher auswirken – z.B. Stickstoffe aus Düngemitteln oder die Giftigkeit von ins Wasser gelangenden Pestiziden.
  • Boden: Wichtig ist die Nutzung von Landfläche für die Produktion landwirtschaftlicher Güter und die resultierende Verschlechterung ihrer Qualität, z.B. durch die Veränderung natürlicher Flächen für die Ackernutzung.
  • Gesundheit: Hierbei geht es nicht darum, wie gesund ein Produkt beim Konsum ist. Vielmehr geht es um die gesundheitlichen Schäden, die durch Pestizide oder das durch Tierhaltung anfallende Ammoniak entstehen.

Die Aktion endet am 5. August, die zusätzlichen Gewinne will Penny nach eigenen Angaben komplett weitergeben. „Alle Mehreinnahmen aus deinem Einkauf spenden wir komplett an das Projekt Zukunftsbauer, bei dem wir gemeinsam mit der Molkerei Berchtesgadener Land eine klimafreundlichere Landwirtschaft fördern. Zusätzlich erhöhen wir den Spendenbetrag um weitere 50.000 Euro“, erklärte das Unternehmen. Jetzt liegt es also an den Verbrauchern, ob sie diese „wahren Preise“ im Aktionszeitraum auch annehmen.

Zuletzt hatte auch Coca-Cola angekündigt, seine Preise ab September 2023 zu erhöhen. Aber nicht nur das dunkle Softgetränk wird teurer. Auch weitere Marken des Mega-Konzerns sind betroffen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Oliver Berg/IMAGO/APress

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