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Kamillentee gilt als beliebter Anzuchtbeschleuniger für selbst gezogene Pflanzen. Doch wenn Sie zum falschen greifen, werden die Samen nicht schneller keimen.
Das Frühjahr ist für viele Gärtner die spannendste Zeit des Jahres: die Anzucht beginnt! Auf Fensterbänken und in Gewächshäusern werden unzählige Samen in die Erde gebracht, in der Hoffnung auf eine reiche Ernte. Doch gerade die ersten Wochen sind kritisch. Ein altbewährtes Hausmittel kann hier den entscheidenden Unterschied machen: Kamillentee.
Darum wirkt Kamillentee bei der Anzucht doppelt gut
Der Einsatz von Kamillentee bei der Anzucht bietet gleich zwei entscheidende Vorteile. Zum einen besitzt die Echte Kamille (Matricaria chamomilla) eine pilzhemmende Wirkung. Dadurch wird das Saatgut vor schädlichen Keimen geschützt. Vor allem bei Gemüsesorten wie Paprika oder Chili ist der Trick beliebt. Einmal gekeimt, vergeilen viele Jungpflanzen, sie werden zu lang oder sind ein bisschen wurzelschwach – auch dagegen hilft Kamillentee.
Die Bäuerin Eva Denk erklärt in einem Video-Beitrag der Baum- und Rebschule Schreiber, dass sie den Tee in ihrem landwirtschaftlichen Betrieb hauptsächlich zur Keimunterstützung einsetzen: „Wir nehmen den Kamillentee in dem Fall pur und weichen unser Saatgut darin ein, 12 Stunden, und dann erfolgt erst die Aussaat. Das erhöht die Keimrate und auch die Keimgeschwindigkeit.“
Hübsche Kamille – aber leider wirkungslos
Dabei ist es jedoch das A und O, die richtige Kamille zu verwenden – vor allem wichtig für Selbstsammler: „Das, was man draußen als Kamille sieht, was gern am Wegesrand wächst, was gern an Waldrändern wächst, ist zu 99 Prozent die Hundskamille“, so die Pflanzenexpertin. Und diese Art habe „keine oder ganz marginale Wirkung“. Echte Kamille können Sie im eigenen Garten anbauen oder in der Apotheke erwerben.
So stellen Sie den Kamillentee für die Pflanzenanzucht her
Die Herstellung des Kamillentees ist einfach und in wenigen Schritten erledigt:
- Blüten vorbereiten: Geben Sie etwa 5 Gramm getrocknete Blüten der Echten Kamille in ein hitzebeständiges Gefäß.
- Tee aufgießen: Übergießen Sie die Blüten mit einem halben Liter kochendem Wasser. Am besten eignet sich Regenwasser. Leitungswasser sollte im Idealfall zuvor 24 Stunden abgestanden sein.
- Ziehen und abseihen: Lassen Sie den Aufguss 5 Minuten ziehen. Anschließend wird der Tee durch ein Sieb abgegossen, um die Blütenreste zu entfernen.
- Abkühlen lassen: Entscheidend für die Anwendung bei der Anzucht ist, den Tee vollständig auf Handwärme oder Zimmertemperatur abkühlen zu lassen. Zu heißer oder zu kalter Tee würde die Keimfähigkeit der Samen zerstören.
- Samen quellen lassen: Die Samen mit dem puren Kamillentee aufgießen und für 12 Stunden einweichen. Die Samen sinken dann zum Boden ab.
- Aussäen: Den Kamillentee über ein Sieb weggießen und die Samen in die vorbereiteten Saatschalen legen.
Diese Methode eignet sich besonders gut für länger gelagerte Samen. „Also auch altes Saatgut, das man länger schon aufbewahrt hat, kann man in der Keimfähigkeit noch kurz steigern“, erklärt Eva Denk.
Für die Jungpflanzenanzucht wird der Kamillentee als regelmäßige Gabe dem Gießwasser beigemischt. Hierfür wird eine 5-prozentige Lösung empfohlen, also 50 ml Kamillentee auf einen Liter Wasser. Diese Mischung wird dann für die bereits gekeimten Pflänzchen verwendet, um deren Wurzelbildung zu fördern und sie allgemein zu kräftigen.
Aus Kamillentee wird Jauche gegen Schädlinge
Eva Denk hat noch einen weiteren Tipp für einen Tee, der zu viele Tage aufbewahrt wurde: „Wenn der Kamillentee einmal kippt, dann kann man ihn sehr wohl im Gartenbau anwenden. Egal ob bei Gemüse oder Blumen, überall wo ich ein Wurzelproblem hab, wo der Wurzelbereich schwach ist, wo ich vielleicht irgendwelche Wurzelschädlinge hab“. Diese Kamillenjauche kann beispielsweise auch gezielt hergestellt und gegen Wurzelläuse an Karotten eingesetzt werden.
So wirksam der Kamillentee auch ist, er bleibt ein Hilfsstoff. Für eine erfolgreiche Anzucht müssen die grundlegenden Bedingungen wie Licht, Substrat, Temperatur und gutes keimfähiges Saatgut stimmen.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
1. Welche Kamille muss ich für die Pflanzenanzucht verwenden? Nehmen Sie ausschließlich die Echte Kamille (Matricaria chamomilla) her, da nur sie die gewünschten pilzhemmenden und pflanzenstärkenden Wirkstoffe enthält. Die oft wild wachsende Hundskamille (Anthemis) ist nahezu wirkungslos. Echte Kamille können Sie selbst anbauen oder in der Apotheke kaufen.
2. Wie lange sollte man Samen in Kamillentee einweichen? Eine Einweichzeit von etwa 12 Stunden ist ideal, um die Samenschale aufzuweichen und die Keimung zu beschleunigen. Bei sehr hartschaligen Samen kann die Dauer auf bis zu 24 Stunden verlängert werden. Danach sollten die Samen direkt in die Anzuchterde gebracht werden.
3. Kann ich auch Tee aus Teebeuteln für die Anzucht nehmen? Ja, das ist möglich, sofern es sich um Teebeutel handelt, die reine, echte Kamillenblüten ohne weitere Zusätze enthalten. Die Qualität und Konzentration der Wirkstoffe kann jedoch geringer sein als bei losen Blüten aus der Apotheke oder dem eigenen Anbau.
