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Plug-in-Hybride gelten schon wieder als Auslaufmodell. Trotzdem setzt Kia beim neuen Niro auf dieses System – das durchaus auch Vorteile hat.
Kompakte SUV gehören derzeit zu den Erfolgsmodellen auf dem Automarkt. Auch Kia mischt per Niro kräftig mit. Seine Länge von 4,42 Metern sortiert ihn zu den größeren Fahrzeugen dieses Segments und übertrifft den technisch verwandten Hyundai Kona deutlich. Was man ihm äußerlich kaum ansieht: Der neue Niro wirkt handlich und dynamisch, und positioniert sich als sportlicher Konkurrent zum VW T-Roc.
Dem deutschen Bestseller hat er allerdings eine umfassende Elektrifizierung voraus: Vor allem die Version mit purem Elektroantrieb untermauert den Anspruch des Hyundai-Kia-Konzerns auf eine Vorreiterrolle bei der Verstromung der Mobilität. Doch die Koreaner haben jenen Antrieb nicht vergessen, der bis vor Kurzem noch überaus beliebt war, dessen Stern jetzt aber sinkt (nicht zuletzt wegen der auslaufenden Förderung) – den Plug-in-Hybrid mit Benzin- und Elektromotor.
Kia Niro Plug-in-Hybrid im Alltagstest: Eine Chance für Sprit plus Stecker
65 Kilometer elektrischer Reichweite verspricht Kia, in der Praxis zeigt die Reichweiten-Prognose mit vollem Akku (Kapazität 11,1 Kilowattstunden) 56 Kilometer. Die sind dann allerdings auch im Verkehrsalltag realistisch. Ist man rein elektrisch im EV-Modus unterwegs, schmilzt die Kilometer-Angabe bei zügiger Gangart mal schneller dahin – um sich wieder etwas aufzubauen, sobald man eher defensiv dahinrollt.
Der E-Motor mit 62 kW (84 PS) reicht in der Stadt völlig für das typische Stromer-Feeling aus: Beim Ampelstart zischt der Kia Niro 1.6 GDI PHEV DCT kraftvoll und leise davon. Beim offensiven Kick-down des Doppelkupplungsgetriebes schaltet sich der 105 PS starke Verbrennungsmotor dazu, dann stehen die vollen 135 kW/183 PS Systemleistung und 265 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung – gut für den Spurt auf Tempo 100 in 9,5 Sekunden. Wer das Fahrpedal eher defensiv nutzt, kann aber bis 120 km/h rein elektrisch fahren.
Kia Niro Plug-in-Hybrid im Alltagstest: Laden dauert dreieinhalb Stunden
Im Automatik-Modus wechselt das System je nach Verkehrssituation und Tempo eigenständig zwischen den beiden Motoren oder nutzt sie gemeinsame. Wird Hybrid gewählt, nippt der Niro immer mal wieder am Akku. Eine Funktion, den Akkustand für eine spätere rein elektrische Fahrt „einzufrieren“, fehlt freilich. Ist der Stromvorrat verbraucht, pendelt sich der Verbrauch realistisch auf knapp sechs Liter ein.
| Kia Niro 1.6 GDI PHEV DCT | |
|---|---|
| Motor/Antrieb | 1,6l-Benzin + Elektro |
| Leistung/Drehmoment | 135 kW (183 PS ) / 265 Nm |
| Länge/Breite/Höhe | 4,42/1,83/1,57 m |
| Gewicht | 1594 kg |
| Gepäckvolumen | 348 – 1.342 l |
| Vmax/0–100 km/h | 168 km/h / 9,5 s |
| Normverbrauch/elektrische Reichweite | 1,4 l/100 km / 65 km |
| Preis | 36.690 Euro |
Also heißt es nach längerer Tour am Zielort: Bitte laden. Das geschieht natürlich vorwiegende über das bekannte Typ-2-Kabel, dauert mit 3,5 Kilowatt Ladeleistung allerdings seine Zeit. Um einen leeren in einen vollen Akku zu verwandeln, muss man gut dreieinhalb Stunden einkalkulieren.
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Kia Niro Plug-in-Hybrid im Alltagstest: Immer noch ein guter Kompromiss
Auf größerer Tour während einer Pause zu laden, macht also keinen Sinn. Damit erfüllt der Kia Niro PHEV ziemlich genau die Erwartungen an einen Plug-in: Die tägliche Pendelei ist problemlos elektrisch zu bewältigen. Und wer öfter auch mal längere Strecken fährt, freut sich über gut 460 Kilometer Reichweite aus Benzintank plus Akku – und das gewohnt schnelle Nachtanken in wenigen Sekunden an der Sprit-Zapfsäule.
Für diese Klientel ergibt der Kia Niro als Plug-in-Version durchaus noch Sinn. Ob sie für den Kompromiss 36.690 Euro, also 6.000 Euro Mehrpreis gegenüber der Basisversion mit Voll-Hybrid (also ohne Plug-in-Funktion) bezahlt, wird sich zeigen.
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