Was Eltern zur Kooperation der Kinder hilft

Wie können Eltern mit Kindern besser umgehen? Von drei Erziehungsfehlern raten Experten ab

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Viele Eltern hinterfragen sich regelmäßig, ob sie ihr Kind richtig erziehen und gut genug für das Leben vorbereiten. Welche Tipps ihnen auf ihrem Weg helfen können, verraten Erziehungsexperten.

Es ist für viele Eltern eine Lebensaufgabe, die mit Höhen und auch Tiefen verbunden ist: die Erziehung des eigenen Kindes. Und wenn man eine Umfrage unter Eltern durchführen würde, zu dem Thema, was sie sich für ihr Kind wünschen, würde die Antwort bei vielen womöglich gleich ausfallen: „das Beste für mein Kind“. Doch was ist genau das Beste? Das kann so manche Erziehungsberechtigte von heute vor Herausforderungen stellen. Während es in früheren Generationen das Beste für den Nachwuchs schien, dass essenzielle Grundbedürfnisse befriedigt wurden, das heißt genug zu essen, ein sicheres Zuhause zu haben sowie Bildung zu genießen, geht es laut Experten heutzutage um weitaus mehr. Es sind sozial-emotionale Grundbedürfnisse der Kinder, denen vielen Eltern zwar gerecht werden möchten, es aber in der Praxis nicht immer sicher umsetzen können. Es gibt drei entscheidende Tipps, die Psychologen und Pädagogen Eltern mit auf den Weg geben, um das eigene Kind selbstbewusst, selbstsicher und resilient auf das zukünftige Leben vorzubereiten.

Richtiger Umgang mit Kindern: Von drei Erziehungsfehlern raten Pädagogen ab

Die Art und Weise, wie Eltern mit ihrem Kind kommunizieren und inwieweit sie mit Empathie reagieren, ist häufig der Schlüssel dazu, ob das Kind kooperieren möchte oder auch nicht.

In den meisten Fällen spielt bei Eltern ihre eigene Erziehung eine sehr wichtige Rolle. Was Menschen als Kinder mit den Eltern erleben, geben sie häufig auch an den eigenen Nachwuchs weiter – die guten Dinge, aber auch sogenannte Erziehungsfehler. Zwar möchte man annehmen, dass die meisten Eltern richtig und gut erziehen, dennoch können sich weniger gute oder für die Entwicklung des Kindes gar schädliche Umgangsweisen im Familienleben etablieren, die dem Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein des Kindes schaden können.

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Mental Load, Stress, Schlafmangel, Einsamkeit: Dinge, die sich Eltern mit Kind anders vorgestellt haben

Mutter liegt mit Baby in der Wiese
Die Elternzeit wird schön, endlich Freizeit, wie Urlaub, abschalten und die Zeit mit dem Baby genießen, viel spazieren gehen, die angefangenen Bücher fertig lesen, neue Kochrezepte ausprobieren. Was sich gerade Mütter während der ersten Schwangerschaft ausmalen, entspricht in vielen Fällen nicht dem, wie es dann wird. Manche Mütter und Väter fühlen sich vom neuen Lebensabschnitt überrollt und trotz aller Vorbereitungen doch nicht genug vorbereitet. (Symbolbild) © Kzenon/Imago
Frau enttäuscht am Telefon
So sehr sich viele Mütter über den positiven Schwangerschaftstest und den Nachwuchs freuen, umso herausfordernder kann dann die Organisation rund um die Geburt werden. Je nachdem, in welcher Stadt sie leben, wird Eltern geraten, sich frühzeitig um einen Platz zur Entbindung in einer Klinik zu bemühen. 24vita.de sprach mit einer Mutter, die bereits in der 6. Woche der Frühschwangerschaft von Kliniken am Telefon abgewiesen wurde, weil sie zum errechneten Entbindungstermin keinen Platz ermöglichen konnten. „Das habe ich wirklich nicht erwartet“, berichtete die Mutter. (Symbolbild) © AntonioGuillem/Imago
Zwei Frauen mit Baby am Wickeltisch.
Ein für viele Mütter besonders frustrierender Umstand ist der Mangel an Hebammen in Deutschland, insbesondere zur Nachsorge. Ein Umstand, den sich so manche Eltern wohl anders vorgestellt haben. Die Hebamme kommt nach der Geburt zu den Müttern nach Hause – anfangs täglich, später wöchentlich – sieht nach dem Baby und ist auch wertvolle Ansprechpartnerin für die Mutter. Eltern brauchen speziell am Anfang Unterstützung und Kraft, um ihre nötige Kompetenz entwickeln zu können. Gerade nach der Geburt fühlen sich viele Mütter körperlich und mental erschöpft. Die Hebamme kontrolliert in der Nachsorge zudem die Rückbildung der Gebärmutter bei der betreffenden Mutter, den Wochenfluss sowie die Wundheilung von Riss- oder Operationswunden bei Dammriss oder -schnitt sowie Kaiserschnitt. Außerdem zeigt die Hebamme ihnen erste Übungen der Rückbildungsgymnastik. (Symbolbild) © Mareen Fischinger/Imago
Mutter sitzt erschöpft vor Babybett
Ein Baby bedeutet das pure Glück – so denken und hoffen es die meisten Eltern. Doch nicht immer stellt sich nach der Geburt das Gefühl von Glück und unendlicher Liebe ein. Bei etwa 710.000 Geburten pro Jahr in Deutschland zeigen über 70.000 Frauen und mit ihnen auch Männer pro Jahr Symptome einer postpartalen Depression. (Symbolbild) © Highwaystarz/LOOP IMAGES/Imago
Vater und Sohn schlafen im Sitzen
„Schlaf immer dann, wenn das Baby schläft.“ Ein gut gemeinter Rat von anderen Eltern, der nach der Geburt eine besondere Bedeutung einnehmen wird. Denn den schwierigen Umstand der veränderten Schlafqualität mit Schlafmangel haben sich viele Eltern definitiv anders vorgestellt. Nicht selten fühlen sich die übermüdeten Mütter und Väter dann über den ganzen Tag schläfrig-benommen, leiden unter Konzentrationsschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen und sind stark reizbar. (Symbolbild) © Tanya Yatsenko/Imago
Mutter mit Baby erinnert sich
Zu dem neuen Leben mit Baby kommen auch jede Menge Aufgaben auf Mütter und Vater zu, angefangen vom neuen Tagesablauf, den oftmals kurzen Nächten, über das Stillen des Babys und Fläschchen geben bis hin zu Nachsorge- und Vorsorgeterminen. Gerade Mütter berichten, das Gefühl zu haben, an vieles denken zu müssen und machen dabei häufig die Erfahrung – auch wenn das Kind schon älter ist sowie, wenn Geschwister dazu kommen – Termine, Verabredungen oder Aufgaben zu vergessen. (Symbolbild) © Highwaystarz/LOOP IMAGES/Imago
Frau sortiert Wäsche in Waschmaschine
Mit dem Nachwuchs wird die Arbeit im Haushalt nicht weniger, ganz im Gegenteil. „Ich hätte es nie für möglich gehalten, so viel Wäsche pro Woche zu waschen“, erzählt eine Mutter 24vita.de im Gespräch. Mit dem Baby in der Familie fehlt es dann schlicht und ergreifend häufig an Zeit und vielen Eltern auch an Energie, Aufgaben zu erledigen, selbst wenn Eltern das Kind einbinden oder sich zur Erholung zum schlafenden Baby dazu legen. (Symbolbild) © YAY Images/Imago
Frau in der Dusche
Eine ausgiebige Dusche oder ein schönes, warmes Bad. Was für Menschen ohne Kinder meist selbstverständlich ist, muss von Eltern mit Baby nicht selten zeitlich eingeplant werden. „Ich habe anfangs immer nur ganz schnell duschen können, weil unser Kleiner nicht gerne abgelegt werden wollte und dann viel weinte“, beschreibt eine Mutter im Gespräch mit 24vita.de. Zwar mag es für die einen absurd klingen, doch ist dieser Umstand für so manche Mutter oder manchen Vater nach der Geburt des Babys blanke Realität, die vorher nicht in ihrer Vorstellung vorkam. (Symbolbild) © Ihar Ulashchyk/Imago
Mutter wiegt Baby im Arm
Über neun Monate warten Eltern darauf, ihr Baby in den Armen halten zu können. „Jeden Tag war das für mich ein besonderer Moment, wenn ich unser kleines Baby im Arm hielt, sie wiegte, an ihr roch“, so die Mutter einer jetzt 4-Jährigen. Die meisten Eltern freuen sich auf ihre Elternzeit mit Kind, doch es gibt auch die Mütter und Väter, die sich in dieser ersten Zeit mit Kind dennoch alleine fühlen, da ihnen beispielsweise die Ansprache mit anderen fehlt. (Symbolbild) © Monkey Business 2/Imago
Eltern mit kleinem Baby
Mit der Geburt des Babys werden aus zwei Menschen eine Familie. Wo sich vorher die Frau und der Mann voll auf ihre Partnerschaft konzentrieren konnten, stehen nun in der Regel vorrangig die Bedürfnisse des Nachwuchses im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ein Baby verändert zwar eine Partnerschaft, kann sie aber auch bereichern. Mutter und Vater ist eine Rolle im Leben, in die Eltern zunächst hineinwachsen müssen, die auch mit Tücken, Hindernissen und verschiedenen Gefühlen verbunden ist, auch wenn es in der eigenen Vorstellung einfacher schien. (Symbolbild)  © Cavan Images/Imago

Welche Erziehungsfehler Eltern trotz Stress, Erschöpfung, Druck und starken Emotionen des Kindes laut Experten unbedingt vermeiden und welche Tipps sie eher berücksichtigen sollten:

1. Kommunizieren Sie offen und klar mit Ihrem Kind

Anke Precht, Diplom-Psychologin und Mutter von drei Kindern, weiß aus Erfahrung, wie wichtig die richtige und offene Kommunikation mit Kindern ist. Offen kommunizieren bezieht sich dabei nicht nur auf die Eltern – auch Kindern sollte vermittelt werden, dass sie offen über alles reden können, was sie beschäftigt, die guten, schlechten und auch traurigen Dinge. Jedes Gefühl sollte den nötigen Raum bekommen, das ist für eine gesunde sozial-emotionale Entwicklung eines Menschen wichtig. Dazu gehört auch, dass Eltern ihre Kinder ermutigen, ihre Gefühle offen zu zeigen und für ihren Standpunkt einstehen zu können. Gleichzeitig ist es wichtig, dass eine klare Kommunikation herrscht, Dinge kindgerecht auf den Punkt gebracht werden, um das Kind nicht zu verwirren oder zu verunsichern. Eltern sollten immer versuchen, auf Augenhöhe mit ihrem Kind zu kommunizieren.

2. Überbehüten Sie Ihr Kind nicht aus Angst und Sorge heraus

Dr. Bastian Willenborg ist Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Buchautor und Vater von zwei Kindern. Er vertritt die Haltung, dass Eltern versuchen sollten, ihr Kind nicht aus einer Angst oder Sorge heraus zu erziehen, da dies dem Kind langfristig schaden kann. Sorge, dass aus dem eigenen Kind nichts „Ordentliches“ wird, Angst, dass das Kind nicht gut in der Schule ist, keinen anständigen Beruf erlernt, im besten Fall studiert. „Meine Mutter ist Anfang, Mitte 70 und sie ist natürlich in einer anderen Zeit aufgewachsen, in der Nachkriegszeit. Die Rahmenbedingungen waren damals natürlich ganz andere und diese Generation hat häufig noch Leid erfahren, was natürlich auch die Erziehung geprägt hat. Und obwohl sich die Rahmenbedingungen ja deutlich geändert haben, gibt man unter Umständen die Sorge und Angst, die man vielleicht durch die eigenen Eltern erlebt hat, weiter an die eigenen Kinder. Das ist ein Punkt, wo man wirklich sagen kann: Ist das denn notwendig? Ist es wirklich noch das, was meine Tochter oder mein Sohn jetzt braucht? Oder ist es eigentlich meine Sorge, meine Angst.“

3. Vergleichen Sie Ihr Kind nie mit anderen

Der Familien- und Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge beschäftigt sich einschlägig mit dem Thema „Kinder vergleichen“ und weiß, was die Hintergründe des Vergleichens durch Eltern sind. Er hat sich mit den Konsequenzen des gegenseitigen Vergleichens auseinandergesetzt und kann beurteilen, warum es wichtig ist, Kinder besser nicht untereinander zu vergleichen. Aus der Erfahrung heraus weiß er, dass viele Eltern ihre Kinder gar nicht vergleichen möchten, genauso wenig, wie sie selbst mit anderen Eltern verglichen werden möchten. Hintergrund ist ein Spiegel an Selbstzweifel, der den betreffenden Eltern dann vorgehalten wird. „Das Problem ist: Viele Eltern nehmen an ihren Kindern und an sich selbst nur die Defizite wahr.“ ‚Was mache ich falsch?‘ oder ‚Warum funktioniert es bei mir nicht so gut?‘, sind unterbewusst die Fragen, die sich Eltern eigentlich stellen, so Rogge.

Es sei wichtig, dass Eltern nicht nur ihr Kind als Individuum sehen, sondern auch sich selbst. Jede Mutter, jeder Vater, jedes Elternpaar geht ihren beziehungsweise seinen eigenen Weg, so wie sich auch jedes Kind anders entwickelt. Der Erziehungsberater appelliert dafür, dass Eltern sich zunächst eher auf die Stärken des Kindes konzentrieren sollten und für die Dinge, die es möglicherweise noch nicht so gut kann, Anreize und Ideen mit an die Hand geben. Jedoch stets mit der Toleranz und Akzeptanz, dass das Kind in neuen Dingen möglicherweise weniger Stärken entwickelt als andere Kinder.

Rubriklistenbild: © Ute Grabowsky/photothek.de/Imago

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