Pilze unterscheiden

Pilzvergiftungen haben jetzt Saison: Wieder Engpass beim Knollenblätterpilz-Gegengift?

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Dieses Jahr hat es oft genug geregnet und im warmen Herbst sprießen die Pilze. Unerfahrene Pilzsammler sollten Pilzberatungsstellen aufsuchen. Bei Vergiftungssymptome sofort den Giftnotruf konsultieren.

Der Genuss selbst gesammelter Pilze kann gefährlich sein: Vor allem bei unerfahrenen Pilzsammlern landen immer wieder giftige Exemplare im Korb, dann auf dem Teller und die Betroffenen im Krankenhaus. Schlimmstenfalls kann der Verzehr von Giftpilzen beispielsweise zu einem akuten Leberversagen und dann zum Tod führen, warnt die Deutsche Leberstiftung.

737 Anfragen zum Thema Pilze bekam der Giftnotruf Süd in München am Klinikum rechts der Isar im Jahr 2022, berichtet Toxikologe Dr. Tobias Zellner. „Zudem haben wir in unserer Abteilung für klinische Toxikologie einige Patienten direkt behandelt, unter anderem schwere Fälle von Knollenblätterpilzen“, erzählt Dr. Zellner. Im Giftnotruf bekamen die Experten 18 Fälle mit Knollenblätterpilzen, 14 Pantherpilz-Fälle und 17 Fliegenpilz-Fälle, die restlichen Pilze mussten erst via einem Pilzberater identifiziert werden. Zudem gab es eine besondere Herausforderung: Legalon®, das Gegengift für Knollenblätterpilzvergiftungen, war 2022 schwer verfügbar – Engpässe waren die Folge!

Heuer hat der Hersteller, das Pharma-Unternehmen Viatris mit der Deutschlandniederlassung in Bad Homburg, bereits im August viermal so viel seines Mittels ausgeliefert als im August 2022. Das Medikament, das bei einer Knollenblätterpilzvergiftung die Vergiftung der Leber bekämpft, wird wie ein Grippeimpfstoff nicht das ganze Jahr über, sondern nur saisonal hergestellt. Unter dem Handelsnamen Legalon gibt es frei verkäufliche Tabletten, die die Leber schützen sollen. Doch für Pilzgiftopfer sind diese nicht geeignet, für sie wird aus dem hoch dosierten Pulver Legalon SIL im Krankenhaus eine Infusionslösung hergestellt. Ob es hier heuer wieder zu fatalen Engpässen kommt, wird sich erst zeigen und hängt auch ab vom Wetter – je wärmer und feuchter der Herbst ist, desto zahlreicher wachsen Speise-, aber auch Giftpilze.

52 Kinder mit Pilzvergiftung – zum Glück keine schweren Fälle

Die Pilzsaison hat begonnen! Heuer sprießen Steinpilze und Maronen, wie auf dem Bild zu sehen, aber auch der giftige grüne Knollenblätterpilz ist besonders häufig.

In 436 der Pilz-Anfragen beim Giftnotruf Süd lag tatsächlich eine Vergiftung vor. Zum Glück waren nur 52 Mal Kinder unter 14 Jahren betroffen, in 51 Fällen mit einer leichten Vergiftung, in einem Fall hatte sich ein Kleinkind mittelschwer vergiftet. Die Mehrzahl der Fälle betraf Erwachsene, bei denen auch fast alle mittelschweren und schweren Fällen vorkamen.

Giftige Doppelgänger: Die wenigsten Giftpilze sind so leicht zu erkennen wie der Fliegenpilz

Drei Exemplare des tödlich giftigen Grünen Knollenblätterpilzes, der für den Großteil der Pilztode verantwortlich ist.

Pilzberatungsstellen geben Sammlern Sicherheit. Denn Vorsicht: Viele begehrte heimische Speisepilze haben giftige Doppelgänger. Ein Beispiel ist der hochgiftige und häufige Knollenblätterpilz mit seinen Unterarten. Den Kegelhütigen Knollenblätterpilz können Laien schnell mit einem weißen Champignon verwechseln. Den Grünen Knollenblätterpilz mit einem Täubling. Und der Geschmack gibt hier keinen Hinweis auf die Giftigkeit: Menschen, die eine Vergiftung mit ihm überlebt haben, berichten, dass er sehr schmackhaft und fein gemundet hat – mit verheerenden Folgen.

Fettleber heilen: Zehn Lebensmittel helfen, die Leber zu entgiften

Es sind zwei Knoblauch-Zehen zu sehen.
Knoblauch regt die Leberaktivität an. Knoblauch hat zudem eine antioxidative Wirkung und bindet freie Radikale. So können Schadstoffe schnell wieder ausgeschieden werden.  © Imago
Es ist ein Brokkoli zu sehen.
Grünes Gemüse wie Brokkoli stärkt die Leberfunktion. Die enthaltenen Glucosinolate helfen der Leber gegen bestimmte Gifte. Zu finden sind diese Nährstoffe ebenfalls in Rettich und Radieschen.  © Moodboard/Imago
Eine Frau hält einen Korb voller Walnüsse in den Händen.
Nüsse wie Paranüsse und Walnüsse enthalten nicht nur gesunde Öle, sie liefern auch sättigendes pflanzliches Eiweiß. In Paranüssen und Walnüssen sind zudem gesunde Nährstoffe wie Omega-3-Fettsäuren und Zink, welche bei der Ausscheidung von Schadstoffen helfen. Empfehlenswert ist mindestens eine Handvoll Nüsse täglich.  © Gudella/Imago
Es ist frischer Kurkuma und Pulver zu sehen.
Kurkuma enthält den anti-entzündlichen Inhaltsstoff Curcumin. Curcumin soll die Leber vor Giftstoffen schützen und die Leberzellen regenerieren.  © Imago
Ein Junge hält Blattsalat in der Hand.
Bittere Salate wie Rucola oder Löwenzahn bilden eine gesunde Basis. Salat sollten daher den Großteil – mindestens jedoch die Hälfte jeder Mahlzeit – ausmachen. Bitterstoffe kurbeln den Fettstoffwechsel an und helfen der Leber, zu entgiften.  © Cavan Images/Imago
Es sind Artischocken zu sehen.
Gemüse mit vielen Bitterstoffen wie Artischocken unterstützen die Funktion der Leber und helfen dem Organ, sich selbst zu entgiften. Das enthaltene Cynarin schützt die Leber zudem vor Zellschäden. © Imago
Mehrere Aprikosen
Aprikosen sind lecker und gesund. Da die Früchte viele Antioxidantien enthalten, schützen sie das Zellgewebe vor Schäden und helfen bei der Regeneration der Leber. © Andrea Warnecke/dpa
Leinöl
Hochwertige pflanzliche Öle wie Leinöl sollten Teil der täglichen Ernährung sein. Schon zwei bis drei Löffel pro Tag – eingenommen vor der Mahlzeit – helfen, die Leber zu entgiften. © rezkrr/Imago
Es ist eine Ingwer-Wurzel zu sehen.
Ingwer stärkt nicht nur das Immunsystem, sondern unterstützt auch die Regeneration der Leber. Der Bitterstoff Gingerol regt die Produktion von Gallenflüssigkeit an, was wiederum die Funktion der Leber unterstützt.  © Mykola/Imago
Jemand hält eine Tasse Tee mit Zitrone in den Händen.
Ein grüner Tee mit Zitronensaft hat gleich mehrere Vorteile für die Leber. Die in der Zitrone enthaltenen Enzyme neutralisieren Säuren im Körper, aktivieren Enzyme und regen die Verdauung an. Bitterstoffe in grünem Tee gelten darüber hinaus als entgiftend und entfettend.  © Anna Bogush/Imago

Zwischen 80 und 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen sind durch den Knollenblätterpilz verursacht. Für einen Erwachsenen ist ein Pilz mit 50 bis 100 Gramm Gewicht tödlich, bei Kindern sind schon fünf bis zehn Gramm Pilz tödlich. Weiterhin gemein: Erst rund zwölf Stunden nach dem Verzehr eines Knollenblätterpilzes starten die Vergiftungssymptome mit schlimmen Magen-Darm-Problemen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen. Ohne Behandlung kann es dann zu einem Leberversagen und dann zum Tod kommen.

Der hübsche Fliegenpilz ist gut zu erkennen. Leider gilt das für die meisten anderen Giftpilze nicht, viele sehen Speisepilzen zum Verwechseln ähnlich!

Die Stadt München gibt folgende nützliche Tipps zur Pilzsuche, in Bayern Schwammerlsuche genannt:

  • Sammeln Sie maßvoll und umweltschonend!
  • Lassen Sie alte, angefressene, angefaulte und noch sehr kleine, junge Pilze am Fundort stehen!
  • Abschneiden oder Herausdrehen? Für den Organismus Pilz macht es keinen Unterschied. Für eine sichere Bestimmung benötigen Sie oder der Pilzberater aber einen ganzen Fruchtkörper mit Stielbasis.
  • Unbekannte Arten für die Nachbestimmung getrennt von den Speisepilzen aufbewahren. Dafür eignen sich beispielsweise Plastikgefäße mit Deckel oder Aluminiumfolie.
  • Die Pilze noch im Wald auf Madenfraß hin kontrollieren.
  • Pilze kühl lagern und im möglichst frischen Zustand zur Pilzberatung bringen!
  • Bereiten Sie nur einwandfreie, frische Pilzfruchtkörper zu, die Sie zweifelsfrei als Speisepilze erkannt haben!
  • Viele Waldpilze sind roh unbekömmlich oder giftig, daher die Pilze ausreichend erhitzen (je nach Art und Menge etwa 20 Minuten).

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © dpa/Patrick Pleul

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