Wahl des Akkus

Die richtige Batterie fürs E-Auto: Drei Fragen, die man sich vor dem Kauf stellen sollte

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Diesel oder Benziner? Vier oder sechs Zylinder? Automatik oder Handschaltung? Viele klassische Autokäufer-Fragen stellen sich in Zeiten der E-Mobilität gar nicht mehr. Dafür rücken andere in den Fokus. 

Die PS-Zahl verliert beim Elektroauto an Bedeutung, im Gegenzug wird die Batterie zur entscheidenden Komponente. Käufer eines neuen oder gebrauchten Modells müssen sich drei Fragen stellen – und individuell beantworten. 

Die passende Batterie für ein Elektroauto – Frage 1: Groß oder klein?

Der Akku ist die teuerste Komponente beim E-Auto. Bei vielen Modellen haben Kunden daher die Wahl zwischen verschiedenen Optionen – bei Kleinwagen liegen die Kapazitäten meist unterhalb von 50 kWh, in Kompakt- und Mittelklasse haben sich Werte zwischen 50 und 75 kWh etabliert, in der Oberklasse sind es 100 bis 150 kWh. Die Kosten pro Kilowattstunde liegen aktuell bei rund 130 Euro – der Preisunterschied zwischen einem 50- und einem 100-kWh-Akku beträgt also rund 6.500 Euro. Wer ein eher kleines Exemplar wählt, muss beim Kauf also deutlich weniger Geld investieren. Im Gegenzug gibt es allerdings auch weniger Reichweite.

Stehen mit dem E-Auto häufig lange Fahrten an?

Es lohnt sich daher, die eigenen Anforderungen vorher ehrlich zu prüfen: Welche Strecken legt man regelmäßig zurück? Wie häufig stehen lange Fahrten an? Dabei ist zu bedenken, dass die reale Reichweite vor allem im Winter deutlich unter den Normwerten liegt. Aus 400 theoretischen Kilometern werden dann schon mal schnell nur noch 300. Auch auf der Autobahn kommen E-Autos nur bei vorsichtiger Fahrweise annähernd so weit wie vom Hersteller versprochen. Trotzdem ist eine kleine Batterie kein Ausschlusskriterium für lange Fahrten. Diese sind auch mit kleinen oder mittleren Batterien zu absolvieren, wenn das Auto über eine leistungsfähige Schnellladefunktion verfügt – rund 120 kW sind aktuell unterer Standard. Theoretisch lässt sich in einer halben Stunde damit Strom für 250 bis 300 Kilometer nachladen. 

Die passende Batterie für ein Elektroauto – Frage 2: Eisen oder Nickel?

Die meisten E-Autos nutzen bei ihren Lithium-Ionen-Batterien eine Zellchemie auf Nickelbasis – NMC abgekürzt. Die Technik ist etabliert, erprobt und bietet eine gute Energiedichte – auf relativ geringem Volumen lässt sich sozusagen relativ viel Strom sparen. Allerdings sind die nötigen Rohstoffe wie Nickel teuer und zeitweise knapp, sodass die Batterie- und Fahrzeughersteller immer nach Alternativen suchen. Aktuell gängig ist die Lithium-Ionen-Batterie mit Zellen auf Eisenphosphatbasis – der sogenannte LFP-Akku. Seine Rohstoffe sind aktuell günstiger zu haben, die Zellchemie ist aber weniger gut im Speichern von Energie.

Wer ein Elektroauto kaufen möchte, sollte sich überlegen, welcher Akku für ihn der richtige ist. (Symbolbild)

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Meist verfügen daher in einer Pkw-Baureihe Einstiegsmodelle mit geringerer Reichweite über LFP-Batterien, während die teureren Ausführungen NMC-Akkus nutzen. Einige Hersteller mischen auch beide Zelltypen, was Vorteile bei Haltbarkeit und Ladedauer haben kann. Für den Kunden ist die Zellchemie im Endeffekt nicht entscheidend – er dürfte in der Regel anhand von Reichweite und Kosten entscheiden. Für LFP könnte aber eine möglicherweise graduell höhere Sicherheit gegen Akkubrände sprechen, mit der einige Hersteller werben. Zudem enthalten LFP-Akkus kein Kobalt – das auch in anderen Branchen benötigte Metall wird teilweise in illegalen Minen in Afrika unter menschenunwürdigen Bedingungen gewonnen. 

Die passende Batterie für ein Elektroauto – Frage 3: Kauf oder Miete?

Der Deutsche will sein Auto komplett besitzen. Das könnte einer der Gründe sein, warum sich Batterie-Mietmodelle hierzulande bislang nicht durchsetzen konnten. E-Mobilitäts-Pionier Renault zumindest hat das zum Start des Kleinwagens Zoe angebotene Abo-Modell auch mangels Nachfrage längst wieder eingestellt. Aktuell setzt einzig die chinesische Premium-Marke Nio auf das „Battery as a Service“-Modell. Käufer erwerben die Limousinen und SUVs der Marke ohne Akku und mieten den Speicher gegen eine monatliche Gebühr zwischen 170 und 290 Euro je nach Größe hinzu. Das hat diverse Vorteile, aber auch potenzielle Nachteile, vor allem für Barkäufer.

E-Wagen der Extraklasse: Zehn Luxusautos, die mit Strom fahren

Der Elektro-Sportwagen Rimac Nevera fährt auf einer Straße.
Rimac Nevera: Für viele sind Sportwagen der Inbegriff von Luxus. Beim Rimac Nevera dürfte das außer Frage stehen. Lediglich 150 Exemplare des Elektroautos sollen gebaut werden. Kolportierter Kostenpunkt: zwei Millionen Euro. Netto. Dafür gibt es aber auch 1.914 PS, vier Elektro-Motoren und eine Reichweite von bis zu 550 Kilometern. Den Sprint von null auf 100 legt der Sportwagen in sagenhaften 1,85 Sekunden zurück. © Rimac
Das Luxus-Elektroauto Audi e-tron GT
Audi e-tron GT: Auch der Ingolstädter vereint Sport und Luxus. In der Basisvariante sorgen 476 PS für viel Vortrieb. Wer sich für die RS-Version entscheidet, darf sich auf 598 PS freuen. Je nach Modell sind Reichweiten von 472 bzw. 487 Kilometer möglich. Preislich geht es bei rund 104.000 Euro los. Der RS e-tron GT schlägt mit mindestens 142.500 Euro zu Buche. © Audi
Das Luxus-Elektroauto Porsche Taycan.
Porsche Taycan: Auch wenn man es auf den ersten Blick nicht sieht, technisch ist der Luxus-Stromer eng verwandt mit dem Audi e-tron. Beide nutzen die gleiche Plattform und teilen auch so viele Bauteile. Allerdings hat der Zuffenhausener etwas mehr Leistung (bis zu 761 PS) und kommt je nach Version bis zu 498 Kilometer weit. In der günstigsten Variante kostet der Taycan 88.399 Euro. Am teuersten ist der Taycan Turbo S Cross Turismo mit 191.096 Euro. © Porsche
Das Luxus-Elektroauto Mercedes-Benz EQS
Mercedes-Benz EQS: Abgesehen von den Maybach-Modellen ist die S-Klasse wohl das luxuriöseste Fahrzeug, das man bei Mercedes kaufen kann. Kein Wunder also, dass man in Stuttgart mit einer Elektro-Version nachlegte. In der günstigsten Version mit 292 PS kostet der EQS rund 116.000 Euro. Die Reichweite liegt bei 576 Kilometern. Zudem bietet der Stromer neben viel Luxus auch eine Menge Platz. © Mercedes-Benz AG
Das Luxus-Elektroauto Mercedes-Benz EQE.
Mercedes-Benz EQE: Neben der S-Klasse hat auch die E-Klasse ein elektrisches Gegenstück bekommen. In der Basisversion leistet der Elektromotr des EQE 245 PS und kommt bis zu 639 Kilometer weit. Wer etwas mehr Leistung bevorzugt wird bei AMG fündig. Der AMG EQE 53 4Matic+ Dynamic Plus kommt mit zwei E-Aggregaten die zusammen 687 PS leisten. Allerdings sinkt die Reichweite auf bis zu 526 Kilometer. © Dirk Weyhenmeyer/Mercedes-Benz AG
Das Luxus-Elektroauto BMW iX M60
BMW iX: Ja, auch BMW kann bekanntlich Luxus. In diesem Fall mit dem SUV iX. Die zwei Elektromotoren leisten je nach Version 326 oder 523 PS. Der iX M60 kommt sogar mit 540 PS zum Kunden. Je nach Batterie legt der Stromer mit einer Ladung 408 bis 633 Kilometer zurück. Die Basisversion gibt es bereits für 77.300 Euro. Mit dem M-Logo geht es bei 143.100 Euro los. © BMW/Enes Kucevic Photography
Das Luxus-Elektroauto BMW i7.
BMW i7: Was Mercedes die S-Klasse ist, ist bei BMW der 7er. Mehr Luxus geht nicht. Und wie der Konkurrent aus Stuttgart haben auch die Münchner ihr Flaggschiff unter Strom gesetzt. Zwei Elektromotoren sorgen für 544 PS. Künftig soll der Stromer sogar teilweise autonom fahren können. So viel Luxus hat allerdings seinen Preis: Satte 139.900 Euro ruft BMW für den i7 auf. © BMW/Daniel Kraus
Das Luxus-Elektroauto Lucid Air.
Lucid Air: Mit dem Elektroauto drängen auch immer mehr neue Hersteller auf den Markt. Einer davon ist Lucid. Mit dem Air haben sich die Amerikaner direkt ins Luxus-Segment gewagt. Je nach Ausführung wird das Elektroauto von 480 bis 1.111 PS angetrieben. 2023 soll das neue Top-Modell Saphire mit 1.217 PS kommen. Die Reichweite liegt bei 653 bis 883 Kilometern. In nur 15 Minuten soll genug Strom für ca. 400 Kilometer Reichweite geladen sein. Für die Air Dream Edition werden aktuell 218.000 Euro fällig. Etwas günstiger ist der Grand Touring, der bei 159.000 Euro startet. © Lucid
Das Luxus Elektroauto Jaguar I-PACE.
Jaguar I-PACE: Die Briten sind schon seit 2018 mit ihrem Luxus-Elektroauto auf dem Markt. Entsprechend bekommt der I-PACE 2024 einen Nachfolger. Bis dahin haben die Kunden die Wahl zwischen zwei Versionen mit jeweils 400 PS. Mit der 90,2-kWh-Batterie kommt der Stromer bis zu 450 Kilometer weit. Die Preise starten bei 92.400 Euro. © Jaguar
Das Luxus-Elektroauto Rolls-Royce Spectre.
Rolls-Royce Spectre: Schon im Jahr 1900 hatte sich der Rolls-Royce-Mitbegründer Charles Rolls ein Elektroauto zugelegt und war begeistert. Er wusste aber auch: Die Stromer sind erst dann sinnvoll, wenn es feste Ladestationen geben würde. Über 110 Jahre später ist das der Fall und die BMW-Tochter bringt mit dem Spectre ihr erstes Serien-Elektroauto auf den Markt. Dafür setzt man nicht etwa auf die Neue-Klasse-Architektur, sondern hat mit dem Aluminium-Spaceframe eine eigene Basis entwickelt. Die Batterie ist jedoch mit der des i7 verwandt und soll eine Reichweite von etwa 520 Kilometern ermöglichen. Angetrieben wird der Nobel-Stromer von zwei E-Motoren, die zusammen 585 PS leisten. Mit einem Preis von 318.500 Euro liegt der Spectre zwischen dem Cullinan und Phantom.  © Rolls-Royce

Wer sein E-Auto lange halten möchte, zahlt beim Miet-Akku eventuell drauf

Auf der Habenseite steht vor allem: Bei Batterieschäden tritt in der Regel der Hersteller ein, der dann auch die potenziell horrenden Austauschkosten übernimmt. Bei Nio kommt noch hinzu, dass die Marke Akkuwechsel-Stationen an Hauptverkehrsrouten betreibt, an der Autofahrer die leere Batterie vollautomatisch gegen eine volle tauschen können. Das schafft Langstreckenfähigkeit ohne lange Ladezeiten. Während die Batterie-Miete vor allem für Leasingkunden häufig die bessere Wahl sein dürfte, müssen Privatkunden genau abwägen. Nachteilig könnte der Abo-Akku etwa beim späteren Verkauf als Gebrauchtwagen sein, denn der Zweitbesitzer kann den Mietvertrag nicht automatisch übernehmen, sondern muss einen neuen abschließen – zu Konditionen, auf die der Autoverkäufer keinen Einfluss hat. Auch wer sein E-Auto lange halten will, zahlt mit einem zeitlich unbegrenzten monatlichen Akku am Ende im Vergleich mit einem Kauf möglicherweise kräftig drauf. (Holger Holzer/SP-X)

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