VonRobin Dittrichschließen
Wird Kaffee ab dem Jahr 2025 Mangelware werden? Diese Befürchtung äußerte die Industrie jetzt – die EU-Kommission widerspricht dem vehement.
Kassel – Die Preise vieler Lebensmittel sind in den letzten Monaten und Jahren kontinuierlich angestiegen. Die Kaffeebranche fürchtet gleiches auch für Kaffee ab dem Jahr 2025. Problematisch soll demnach eine neue EU-Verordnung sein.
Droht ab 2025 ein Kaffeemangel aufgrund einer neuen EU-Verordnung?
„Uns droht eine Unterversorgung auf dem deutschen und europäischen Markt“, warnt der Deutsche Kaffeeverband. Für viele Verbraucher könnte es dadurch ins Geld gehen: „Die Preise für den dann noch verfügbaren Kaffee werden signifikant steigen“, heißt es weiter. Die EU-Kommission widerspricht den Warnungen des Deutschen Kaffeeverbandes. Demnach seien keine Tatsachen bekannt, dass die Verordnung Lebensmittelpreise anheizen würde. Die EU-Kommission rechnet mit nur begrenzten Auswirkungen auf die Kaffeepreise.
Hintergrund ist eine im November 2021 vorgeschlagene und vor knapp einem Jahr beschlossene EU-Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten. Unternehmen müssen dadurch belegen, dass für die Herstellung von Produkten nach dem 31. Dezember 2020 kein Wald gerodet oder geschädigt wurde. Betroffen sind neben Kaffee- und Kakaobohnen auch Produkte wie Schokolade, Leder oder Möbel. Wer sich nicht an die Regelung hält, muss mit hohen Strafen in Höhe von mindestens vier Prozent des Jahresumsatzes in der EU rechnen.
Deutschland zweitgrößter Kaffeeimporteur der Welt – Preise könnten steigen
Aus Sicht des Kaffeeverbandes müsse die Anwendung der neuen Regelung verschoben werden. Sonst könnten weltweit Millionen Kaffeebauern in ihrer Existenz bedroht sein. Inhaltlich spricht sich der Verband durchaus für die neue EU-Regelung aus, der Zeitdruck sei allerdings zu hoch. Bis Ende 2024 müssen die erforderlichen Daten nach aktuellem Stand vorliegen. Viele der Kaffeebauern hängen jedoch hinterher, nur 20 Prozent von ihnen sollen den Anforderungen bislang nachgekommen sein.
Auch das zuständige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft will sich für eine für alle Parteien akzeptable Lösung einzusetzen: „Im Bereich des Kaffeehandels bestehen derzeit noch Hürden, um die Umsetzung bis zum Ende der Übergangszeit vollständig umzusetzen.“ Auch einige große Kaffeehersteller können den Zeitdruck der Verordnung nicht nachvollziehen. Johannes Dengler von Dallmayr Kaffee sprach von einem großen Verwaltungsaufwand für Unternehmen und Bauern.
An die neuen Regelungen halten wollen sich alle Hersteller, wenn sie mehr Zeit bekommen würden. „Die Folgen werden eine klare Verknappung des Angebots von Rohkaffee sein und die Preise dadurch steigen“, warnte auch eine Sprecherin von Darboven. Deutschland importiert im Jahr knapp 1,1 Millionen Tonnen Kaffee und ist damit nach den USA der zweitgrößte Importeur der Welt. Der Rohkaffee wird aus 15 bis 20 Ländern nach Deutschland geliefert, ein Großteil davon aus Brasilien und Vietnam. (rd/dpa)
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