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Das derzeitige Wetter macht wenig Vorfreude auf die Skisaison. Und dann sollen auch noch die Lifte teurer werden. Machen Skifahrer das trotzdem mit?
Innsbruck – Die kommende Skisaison 2024/25 bringt einige Überraschungen mit sich. Während viele Verbraucherpreise in die Höhe schießen, bleibt die Nachfrage nach Skierlebnissen in Deutschland, Österreich und der Schweiz stabil. Laut einer aktuellen Marktanalyse von P8 Business Strategy zeigen Skifahrer in der DACH-Region (Österreich, Deutschland, Schweiz) eine erstaunlich hohe Akzeptanz für die teils gestiegenen Ticketpreise an Skiliften und Bergbahnen. Doch es gibt eine Preisgrenze, die Skifahrer nicht bereit sind zu überschreiten.
Ski-Tourismus bleibt beliebt: Hohe Akzeptanz für gestiegene Preise an Ski-Liften
Die P8-Studie vom 21. Oktober 2024 zeigt eine überraschend hohe Akzeptanz der Ticketpreise unter Skifahrern. Von den 900 befragten Wintersportlern planen etwa 90 Prozent fest ihre Skitage für den Winter 2024/25 - ungeachtet der stolzen Preise zwischen 60 und 70 Euro pro Tagesticket.
„Wintersport ist ein fixer Bestandteil im Leben vieler Menschen in der DACH-Region“, erklärt Markus Bischof, Geschäftsführer der P8 Marketing GmbH. Er betont, dass trotz wirtschaftlicher Herausforderungen die Nachfrage ungebrochen hoch ist und die Bergbahnen von dieser Leidenschaft profitieren.
Während öffentliche Diskussionen häufig den Eindruck vermitteln, dass höhere Preise Skifahrer abschrecken könnten, zeichnet die P8-Studie ein anderes Bild. Laut Walter Schertler, Professor für strategisches Management, wird die Diskussion über die Rechtfertigung der Preise „scheinbar ohne den relevanten Kunden geführt.“ Für viele Ski-Touristen ist der Preis akzeptabel, solange das Erlebnis überzeugt.
Preisliche Obergrenze im Skigebiet: Wann der Spaß für Urlauber aufhört
Obwohl eine Mehrheit der Wintersportler bereit ist, höhere Preise in Kauf zu nehmen, zeigt die Studie auch eine klare Grenze: Wenn die Ticketpreise auf über 75 Euro steigen, sinkt die Nachfrage spürbar. Ein interessanter Punkt: Preise unter 50 Euro haben wiederum keine nennenswerte Erhöhung der Nachfrage zur Folge.
Anzumerken ist, dass Skifahren für viele ein soziales Erlebnis ist. Mehr als 90 Prozent der Befragten gaben an, dass sie am liebsten gemeinsam mit Familie, Freunden oder Partnern Skifahren gehen. Für viele ist es ein Event, das in Erinnerung bleibt und mit Freunden oder der Familie geteilt werden möchte. Nur sieben Prozent genießen das Skifahren am liebsten alleine.
Neben der Geselligkeit ist das Naturerlebnis für viele Wintersportler entscheidend. Etwa ein Drittel der Befragten bezeichnet das Erleben der Natur als wesentlichen Faktor ihrer Skitouren. Dabei spielt das Wetter eine zentrale Rolle: Für 27 Prozent der Österreicher und 37 Prozent der Schweizer ist gutes Wetter ausschlaggebend für einen Skitag. Nur ein kleiner Teil der Befragten, rund zehn Prozent, nennen den Adrenalinkick als Hauptmotivation.
Weite Anreisen trotz hoher Benzinpreise: Für Skifahren greifen Deutsche auch tiefer in die Tasche
Obwohl Skifahren fest im Leben vieler Menschen verankert ist, zeigt die P8-Studie, dass die Skitouristen oft wechselbereit sind. Nur etwa 50 Prozent der Tagesgäste besuchen regelmäßig dasselbe Skigebiet. Markus Bischof kommentiert: „Das eröffnet den Bergbahnen große Chancen, Marktanteile zu gewinnen.“ Mit kreativen Angeboten können Bergbahnen neue Gäste anlocken und langfristig ihre Position stärken.
Besonders bemerkenswert ist auch die Reisebereitschaft vieler Skitouristen. Ganze 61 Prozent der Befragten nehmen für einen Tag auf der Piste eine Anreise von bis zu einhundert Kilometern in Kauf, 24 Prozent sogar noch deutlich mehr – auch in Zeiten gestiegener Benzinpreise und erhöhter Reisekosten. Eine Analyse vom Anfang Oktober 2024 kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Doch der Trend verdichtet sich: Wintersporturlaub entwickelt sich zu einem Ereignis der Besserverdiener. (ls)
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