VonSandra Sporerschließen
Mit der Aktion „wahre Kosten“ wollte der Supermarkt Penny auf ein Problem hinweisen. In Zeiten ohnehin hoher Kosten ernteten sie dafür jedoch viel Kritik.
Kassel – Bei der Herstellung von Lebensmitteln fallen viele Kosten an. Zum Beispiel in Form von zu zahlenden Löhnen, Transport- und Verarbeitungskosten. Aber auch die Umweltbelastung, die durch verschiedene Lebensmittel entsteht, lässt sich beziffern. Und genau diese Kosten hat der Discounter Penny in der Aktion „wahre Kosten“ auf neun ausgewählte Produkte aufgeschlagen. Und auch wenn der Gedanke hinter der einwöchigen Aktion durchaus gut ist, wurde sie heiß diskutiert und erntete viel Kritik – unter anderem von der Verbraucherschutzorganisation foodwatch. In einer yougov-Umfrage zur Aktion sendeten die Kunden ebenfalls ein klares Signal.
Discounter Penny erhöht die Preise einiger Produkte, um auf Umweltfolgekosten aufmerksam zu machen
Eine Packung Würstchen kostete im Aktionszeitraum etwa 5,36 Euro anstatt 3,29 Euro. Bei insgesamt neun Produkten verlangte Penny vom 31. Juli bis zum 5. August die erhöhten Preise, bei denen die Umweltfolgekosten aufgeschlagen wurden. Auf der Webseite zur Aktion wird auch aufgeschlüsselt, wie genau sich die wahre-Kosten-Preise zusammensetzen.
So kamen unter anderem folgende Preise zustande:
- Lindenhof Maasdamer Scheiben – 4,84 Euro (statt 2,49 Euro)
- San Fabio Mozzarella – 1,55 Euro (statt 0,89 Euro)
- Food for Future Vegane Schnitzel – 2,83 Euro (statt 2,69 Euro)
- Penny Zukunftsbauer Fruchtjoghurt – 1,44 Euro (statt 0,99 Euro)
- Naturgut Bio Fruchtjoghurt – 1,56 Euro (statt 1,19 Euro)
- Naturgut Bio Maasdamer – 3,70 Euro (statt 2,19 Euro)
- Mühlenhof Wiener Würstchen – 6,01 Euro (statt 3,19 Euro)
- Naturgut Bio Wiener Würstchen – 5,36 Euro (statt 3,29 Euro)
- Naturgut Bio Mozzarella – 1,92 Euro (statt 1,29 Euro)
„Wir machen auf ein Problem aufmerksam, auf das wir selber im Moment noch keine gute Antwort haben“, sagt Penny-Pressesprecher Andreas Krämer in einem Beitrag der ZDF-Sendung wiso. Es gehe darum, „eine Diskussion zu starten und Bewusstsein zu generieren“.
Verbände kritisieren die wahre-Preise-Aktion von Penny
Eine Diskussion haben die höheren Preise definitiv ausgelöst – allerdings wahrscheinlich nicht so, wie die Supermarktkette sich das vorgestellt hatte. So bezeichnete etwa foodwatch die Aktion laut der Deutschen Presseagentur (dpa) als PR-Gag.
Und auch seitens des Deutschen Bauernverbandes gab es Kritik. „Die Penny-Aktion zu „wahren Kosten“ ist vor allem ein auf Kosten der Bauern ausgetragenes Greenwashing-Projekt eines Discounters, der sich ansonsten wenig für faire Bepreisung interessiert“, kommentierte Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Bauernverbandes, die Aktion.
Wütendes Kundensignal: Nur 16 Prozent unterstützen die Aktion des Discounters
Auch viele Kunden waren von der Aktion wenig begeistert. In einer repräsentativen Umfrage von yougov gaben gerade einmal 16 Prozent an, die Aktion durch einen Kauf der Produkte unterstützen zu wollen.
Ein Vorwurf, der im Vorfeld der Aktion im Raum stand, kann jedoch ausgeräumt werden. Denn Penny behält die Mehreinnahmen bei den verteuerten Produkten keineswegs für sich. „Alle Mehreinnahmen aus deinem Einkauf spenden wir komplett an das Projekt Zukunftsbauer“, informiert die Webseite zur wahre-Preise-Aktion. (sp)
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