VonAlina Schröderschließen
Temu verspricht günstige Produkte und kostenlose Lieferung. Doch die Realität sieht anders aus: Es drohen versteckte Kosten, minderwertige Ware und Kundenservice-Probleme.
Kassel – Der chinesische Online-Shop Temu hat die App-Charts in Rekordzeit erobert und breitet sich immer weiter aus – auch in Europa. Der Anbieter lockt insbesondere auf Social-Media-Plattformen mit scheinbar unwiderstehlichen Angeboten. Stark vergünstigte Produkte wie Elektronikartikel für weniger als einen Euro, Herrenschuhe für etwas über zehn Euro oder preiswerte Haushaltswaren sind nur einige Beispiele.
Doch, Vorsicht: Was verlockend klingt, kann teuer enden. Nachdem die Verbraucherzentrale bereits nachdrücklich vor Betrug auf Facebook, Amazon oder Tiktok gewarnt hatte, nahm sie jetzt Temu ins Visier. Ein scheinbar kostengünstiges Produkt kann sich im Nachhinein nämlich als kostspielig erweisen – insbesondere wenn es beim Zoll und nicht im Briefkasten des Kunden landet.
Billig-Shop aus China – Verbraucherzentrale warnt vor versteckten Kosten bei Temu
Online-Shops mit unschlagbar niedrigen Preisen sind keine Seltenheit. Billiganbieter wie Wish oder AliExpress sind in letzter Zeit immer wieder durch zweifelhafte Dumpingpreise aufgefallen. Ähnlich wie bei der genannten Konkurrenz verkauft Temu die Waren nicht selbst, sondern fungiert lediglich als Vermittler. Die eigentliche Ware stammt von Drittproduzenten im Hintergrund. Hier können oft hohe Zollgebühren anfallen. Die Billigwaren können für Verbraucher jedoch nicht nur durch diese Kosten schnell zur Falle werden. Der Verbraucherschutz NRW mahnt zur Vorsicht, da neben möglichen Zusatzkosten auch die persönlichen Daten gefährdet sein könnten. Ein Überblick über alle potenziellen Risiken:
- Da die Ware von Händlern außerhalb der EU kommt, sollten die geltenden Zollbestimmungen für die Einfuhr beachtet werden. Außerdem muss mit langen Lieferzeiten gerechnet werden.
- Die bestellten Produkte sollten keinesfalls per Vorkasse bezahlt werden. Die Verbraucherzentrale rät erst zur Zahlung, nachdem die Ware geliefert wurde.
- Vor dem Kauf sollte genaustens auf die Authentizität der Produktbewertungen geachtet werden.
- Bei elektronischen Geräten darauf achten, dass das Produkt mit dem CE-Zeichen versehen ist.
- Bei Verwendung der Temu-App sollten unbedingt die Privatsphäre-Einstellungen überprüft werden. Temu sei besonders an den Daten seiner Nutzer interessiert, daher sollten Ortungsdienste ausgeschaltet sein und der Zugriff auf Kamera sowie Mikrofon verweigert werden.
Temu bietet zwar kostenlose Lieferung an, Bestellungen im Billig-Shop können aber trotzdem teuer werden
Temu wirbt hauptsächlich mit kostenfreien Lieferungen. Da das Unternehmen aber Waren von Drittanbietern aus Fernost bezieht, können bei der Einfuhr nach Europa Probleme auftreten und unerwünschte Kosten entstehen. Der Anbieter selbst ist laut Verbraucherzentrale NRW in vielen Fällen von EU-Zollgebühren befreit. Eine Zollgebühr werde erst dann fällig, wenn der Warenwert 150 Euro übersteigt.
Bei einer solchen Bestellung könnte Temu dann einen einfachen Trick anwenden: Die Produkte werden in einzelnen Paketen mit einem Warenwert unter der Zollgrenze versendet. Sollte dieser Trick jedoch den Zollbehörden bei der Einfuhr auffallen, müsse der Kunde dafür aufkommen – erklärt der Medienrechtsanwalt Christian Solmecke in einem YouTube-Video. Auch kann laut der Generalzolldirektion bei vermeintlich steuerfreien Warensendungen von unter 150 Euro eine Einfuhrumsatzsteuer von sieben bis 19 Prozent erhoben werden, die ebenfalls vom Empfänger zu tragen ist.
Sind sie dann angekommen, lassen die Produkte oft zu wünschen übrig. Das zeigt ein Testkauf des WDR-Magazins „Servicezeit“. Einige Produkte seien durch den Transport beschädigt worden und bei elektronischen Produkten fehle das CE-Zeichen – eine Bestätigung des Herstellers, dass das Produkt den geltenden EU-Richtlinien entspricht.
„Manipulation vom Feinsten“: Angebote von Temu ernten Kritik
Die negativen Bewertungen werden zunehmend von Online-Testportalen bestätigt. Neben auffällig vielen 5-Sterne-Bewertungen, die „zufällig“ einen Gutschein-Code für Rabatte enthalten, werden immer mehr kritische Stimmen laut. So ist auf der Bewertungswebsite Trustpilot von „Betrug“, „minderwertiger Ware“, „China Schrott“ und „Manipulation vom Feinsten“ die Rede. Vorsicht ist auch bei gefälschten Produkten geboten. Diese sind nicht nur von schlechter Qualität, sondern können bei einer Bestellung in großen Mengen für Kunden zu Verstößen gegen das Urheberrecht führen, was rechtliche Konsequenzen nach sich zieht und im schlimmsten Fall sehr teuer werden kann.
Bei Lieferproblemen, beschädigter Ware oder Zahlungsschwierigkeiten ist in der Regel ein guter Kundenservice hilfreich, was bei Temu laut den Bewertungen auf trustpilot.com nicht der Fall zu sein scheint. Immer wieder beklagen sich Kunden über mangelnde Deutschkenntnisse, missverstandene Probleme oder schlechte Erreichbarkeit. Da Temu selbst keine Produkte direkt anbietet, ist es für Käufer besonders schwer, ihre Ansprüche gegenüber den Herstellern geltend zu machen. Viele Kunden fühlen sich mit ihren Problemen im Stich gelassen.
Wer auf günstige Preise aus ist, sollte sich daher nicht immer auf die selbstproklamierten Billiganbieter verlassen. Oftmals genügen bereits sechs Tipps, um das günstigste Angebot im Internet zu finden. Doch auch Vorsicht im Supermarkt: Hinter teils beliebten Lebensmittelprodukten versteckt sich gerne mal eine Mogelpackung.
Dieser Artikel wurde mithilfe maschineller Unterstützung erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redakteurin Alina Schröder sorgfältig überprüft.
