Wirkstoff gegen Krankenhaus-Keime

Antibiotikum gegen gefährliche multiresistente Bakterien entwickelt

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Multiresistente Keime werden auch als „stille Pandemie“ bezeichnet. Forschern aus den USA ist nun ein weiterer Schritt bei der Bekämpfung der Erreger gelungen.

Antibiotika-resistente Bakterien sind ein globales Problem, denn sie werden immer häufiger und führen zu immer mehr Todesfällen, wie das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) berichtet. Durch die Umwelt, das Essen, aber insbesondere auch durch Aufenthalte in Krankenhäusern können Menschen mit ihnen in Kontakt kommen. US-Forschern der Harvard University ist es jetzt gelungen, ein Antibiotikum zu entwickeln, dass viele dieser Bakterien bekämpfen könnte. Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal Science.

Wirkstoff zerstört multiresistente Keime ohne gesunden Zellen zu schaden

Multiresistente Krankenhaus-Keime sind unempfindlich gegenüber den meisten Antibiotika und dadurch sehr gefährlich (Symbolbild).

Eine Schlüsselrolle spielt laut den Forschern dabei das Molekül „Cresomycin“: Antibiotika wirken, indem sie Stoffwechselprozesse oder die Zellteilung von Bakterien stören. Viele Antibiotika zielen dabei auf die Ribosomen der Bakterien ab, die kleinen „Proteinfabriken“. Schaffen es Bakterien, ihre Ribosomenstruktur so zu verändern, dass Medikamente sich nicht mehr an ihre RNA-Bindestellen heften und diese blockieren, können sich die Bakterien wieder ungehemmt vermehren – sie sind gegen ein Antibiotikum„resistent“.

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Den Harvard-Forschern ist es nun gelungen, diesen „Ausweichmechanismus“ multiresistenter Bakterienstämme zu umgehen, ohne dabei gesunde Zellen zu schädigen. Sowohl im Laborversuch als auch im Tierexperiment war das Molekül wirksam gegen Erreger, die unter anderem gefährliche Lungenentzündungen und Blutvergiftungen auslösen können. Klinische Studien am Menschen sollen nun folgen.

„Obwohl wir noch nicht wissen, ob Cresomycin und ähnliche Medikamente beim Menschen sicher und wirksam sind, zeigen unsere Ergebnisse im Vergleich zu klinisch zugelassenen Medikamenten eine deutlich verbesserte Hemmwirkung gegen eine lange Liste pathogener Bakterienstämme, die jedes Jahr mehr als eine Million Menschen töten.“

Studienleiter Andrew Myers, Professor für Chemie und chemische Biologie

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16)
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. © dpa
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Auslöser der Tuberkulose sind Bakterien (Mycobacterium tuberculosis)
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

Multiresistente Keime – deshalb sind sie so gefährlich

Grundsätzlich sind multiresistente Bakterien laut dem Infoportal der Bundesärztekammer nicht gefährlicher als andere – zumindest nicht für gesunde Menschen – und Antibiotikaresistenzen ein natürliches Phänomen. In der Regel kommt der Körper bei einer Infektion mit resistenten „übriggebliebenene Bakterien“ zurecht. Problematisch wird es, wenn sich multiresistente Bakterien stark ausbreiten, zum Beispiel wenn:

  • Antibiotika bei einer Infektion zu schnell abgesetzt werden
  • Antibiotika zu oft gegeben werden
  • Antibiotika zu niedrig dosiert sind
  • Breitband-Antibiotika eingesetzt werden (die gegen ein breites Spektrum an Bakterien wirken)
  • die Fleischindustrie Antibiotika einsetzt, um die Verbreitung von Krankheiten in der Massentierhaltung einzudämmen. Menschen nehmen die Antibiotika dann über den Fleischverzehr auf

Infizieren sich immungeschwächte Menschen mit den multiresistenten Erregern, lässt sich die Infektion nur schwer behandeln. Die üblichen Medikamente sind dann wirkungslos, die Krankheitsverläufe schwerer und enden in einigen Fällen sogar tödlich. Auch gesunde Menschen können Träger von multiresistenten Keimen sein. Gelangen die Keime bei einer Operation in ihren Körper, können auch für sie die körpereigenen Bakterien gefährlich werden.

Wie kann man sich vor multiresistenten Bakterien schützen?

Der beste Schutz vor multiresistenten Bakterien ist Hygiene. An erster Stelle steht dabei das regelmäßige und gründliche Händewaschen mit warmen Wasser und Seife. Hygieneartikel wie Handtücher und Zahnbürsten sollten möglichst nicht geteilt und regelmäßig gewechselt werden. In Krankenhäusern und Pflegeheimen sind unbedingt die Hygienevorschriften zu beachten. Sofern keine immungeschwächten Personen im Haushalt leben, reicht es, dort regelmäßig mit normalen Haushaltsreinigern zu putzen. Desinfektionsmittel sind nicht nötig. Wichtig ist außerdem, bei einem bakteriellen Infekt ein Antibiotikum immer genau wie vom Arzt verordnet einzunehmen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.

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