Deutsches Krebsforschungszentrum

Soziale Ungleichheit: Ärmere Menschen haben höheres Krebsrisiko

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Die soziale Ungleichheit zwischen ärmeren und reicheren Regionen Deutschlands beeinflusst das Risiko an Krebs zu erkranken deutlich. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie.

Die soziale Situation eines Menschen in Deutschland beeinflusst das Risiko, im Laufe seines Lebens an Krebs zu erkranken deutlich – zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Demnach ist die altersstandardisierte Rate an neuen Krebserkrankungen zwar seit Jahren rückläufig. In sozial bessergestellten Regionen ist diese Entwicklung allerdings deutlicher zu erkennen als in sozial schwachen Gegenden. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „International Journal of Cancer“ veröffentlicht.

Soziale Situation beeinflusst das Risiko an Krebs zu erkranken

Soziale Faktoren wie die Verbreitung von Tabak- und Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und starkes Übergewicht haben einen maßgeblichen Einfluss auf das Krebsrisiko. Die Gesundheitsversorgung unterscheidet sich zwischen den sozioökonomischen Regionen dagegen weniger stark.

Das Team um Forscherin Lina Jansen vom DKFZ analysierte die Daten von rund 48 Millionen Einwohnern aus acht Bundesländern im Zeitraum von 2007 bis 2018. Aufgrund fehlender Daten wurden lediglich die Bundesländer Hessen, Baden-Württemberg, Berlin und die fünf ostdeutschen Bundesländer miteinbezogen. Untersucht wurden die Krebsdiagnosen auf Kreis- und Bezirksebene sowie der sozioökonomische Index. Die Forscher teilten den Index dabei in fünf Gruppen ein, abhängig von:

  • Einkommen
  • Beschäftigungsquote
  • Ausbildung
  • Umwelt
  • Sicherheit

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Erhöhtes Krebsrisiko: Elf Lebensmittel begünstigen das Tumor-Wachstum

Wurst
Verarbeitetes Fleisch und Fleischwaren werden von der „Weltgesundheitsorganisation (WHO)“ als krebserregend eingestuft. Verarbeitet bedeutet in diesem Fall, dass es sich um Fleisch handelt, das durch Salzen, Fermentieren, Räuchern oder Pökeln haltbar gemacht wird, wie Salami, Schinken oder Würstchen. Gepökelte, geräucherte und einge­salzene Fleisch­produkte erhöhen pro 50 Gramm das Risiko auf Darmkrebs um 18 Prozent. © CSH/Imago
Zucker
Ein hoher Zuckerkonsum kann nicht nur Entzündungsprozesse im Körper sowie Diabetes Typ 2 und Rheuma fördern. Zucker begünstigt Übergewicht und Adipositas, was das Krebsrisiko erhöhen kann. Zu hohes Körpergewicht zählt bei Darmkrebs, Schilddrüsenkrebs, Leberkrebs, Magenkrebs sowie Gallenblasenkrebs zu einem der größten Risikofaktoren. Laut der „Weltgesundheitsorganisation (WHO)“ erhöht Übergewicht das Risiko für mindestens 13 Krebs­formen. Die Wahr­scheinlich­keit, eine von diesen zu entwickeln, steigt ab einem Body-Maß-Index (BMI) über 25. Bekannt ist, dass Krebszellen sich durch die Energie von Zucker noch eher entwickeln und vermehren. Sie nehmen bis zu zehnmal mehr Zucker auf als normale Körperzellen. Laut „Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)“ sollte jeder Mensch nicht mehr als 50 Gramm Zucker pro Tag verspeisen. Doch es zeigt sich, dass im Durchschnitt jeder Bundesbürger täglich ca. 93 Gramm Zucker – pro Jahr nahezu 34 Kilogramm – aufnimmt. Versteckte Zucker sind auch in industriell hergestellten Produkten enthalten, von denen man es zunächst nicht vermuten würde, beispielsweise Tiefkühlpizza, Kraut- und Fleischsalat sowie Tomatensuppe. © Science Photo Library/Imago
Burger
Fertig-Burger enthalten häufig neben Zucker auch Transfette, die zu einer Gewichtszunahme führen können, welches wiederum das Krebsrisiko erhöht. Doch auch ein selbstgemachter Burger mit Grillfleisch kann Gefahren bergen: Wenn Fett beim Grillen vom Fleisch in die Glut tropft, entstehen krebserregende Stoffe wie Benzpyren und Amine, die sich über den Rauch und die Hitze mit dem Fleisch verbinden. Benzpyren wird der Gruppe der sogenannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) und Amine der Gruppe der heterozyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (HAA) zugeordnet. Beide gelten als Auslöser für Magen- und Darmkrebs. Sie werden im Körper zu Molekülen umgebaut, die in die Darmzellen eindringen. Dort können sie Veränderungen im Erbgut, sogenannte Mutationen bewirken, welche dann zu bösartigen Tumoren heranwachsen können, wie die „Deutsche Krebsgesellschaft“ berichtet. Wer sich für die Grillzeit wappnen möchte, sollte am besten eine Folie zwischen Grillgut und Glut legen. Die gefährlichen Kohlenstoffe können letztlich durch Räuchern oder Rösten entstehen, beispielsweise neben gegrilltem Fleisch auch in geräuchertem Fisch, geröstetem Kaffee oder verbrannter Salami auf der Pizza. © JuriEber/Imago
Pommes frites
Durch das Frittieren entsteht in Pommes Frites der chemische Stoff Acrylamid, der in Tierversuchen als krebserregend eingestuft wurde. „Bei hoher Dosis schädigt es zudem die Nerven“, bekräftigt Dr. Susanne Weg-Remers vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Acrylamid ist natürlicherweise in stärkehaltigen Lebensmitteln enthalten, die durch Braten, Backen oder Rösten sowie der industriellen Verarbeitung bei über 120 Grad Celsius gefertigt werden. Zudem werden Pommes häufig in gehärtetem Fett frittiert, wodurch Transfette entstehen, die Übergewicht fördern können und somit das Risiko für eine Krebserkrankung steigen lassen. © foodandmore/Imago
Kartoffelchips
Die meisten lieben es: Abends beim Filmschauen Chips knabbern. Doch nicht nur wegen der gesünderen Inhaltsstoffe sollte man lieber zu den Nüssen greifen. Wie Pommes Frites werden auch industriell verarbeitete Kartoffelchips häufig in gehärtetem Fett frittiert. Dabei entstehen Transfette, die Übergewicht fördern, wodurch das Krebsrisiko signifikant steigt. Zudem bildet sich beim Frittieren der chemische Stoff Acrylamid, der durch das „Deutsche Krebsforschungszentrum“ als krebserregend eingestuft wird. © Zoonar.com/monticello/Imago
Pizza
Tiefkühlpizza kann als Geschmacksträger Zucker und zudem Transfette enthalten. Bislang gibt es keine eindeutig wissenschaftlichen Nachweise darauf, dass ein hoher Zuckerkonsum das Krebsrisiko steigen lässt, so die „Deutsche Krebshilfe“. Allerdings begünstigt Zucker eine Krebserkrankung insofern, als man dadurch eher übergewichtig werden kann – und Übergewicht erhöht das Risiko für 13 verschiedene Krebsarten. Gleiches gilt für Fette, insbesondere gehärtete Fette wie Transfette. Es ist nicht nachgewiesen, dass Transfette das Krebsrisiko erhöhen. Jedoch sollen sie dazu beitragen, das Sättigungsgefühl zu beeinflussen, wodurch das Risiko für Übergewicht und demnach Krebs steigt. © Bernd Schmidt/Imago
Rotes Schweinefleisch
Die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)“ empfiehlt, wöchentlich nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Fleischwaren zu verzehren. Insbesondere rotes Fleisch soll krebserregend wirken können. Denn das Häm-Eisen im roten Fleisch, vornehmlich in Rind und Schwein, könnte das Erbgut schädigen und die Zellteilung fördern. Eine schnelle Zellteilung kann die Entstehung von Darmkrebs, Prostatakrebs sowie Bauchspeicheldrüsenkrebs begünstigen. © Imaginechina-Tuchong/Imago
Hot-Dogs im Brötchen werden mit Senf garniert.
Die beliebten Hot Dog-Würstchen enthalten Nitrate, was an sich für den Körper nicht gefährlich ist. Kritisch wird es, wenn Nitrate in Nitrit oder Nitrosamine umgewandelt werden. Beide Stoffe gelten als krebserregend. Das passiert, sobald Nitrate gleichzeitig mit proteinreichen Speisen aufgenommen werden. Neben Hot Dogs kann dies ebenfalls bei Pizza Salami der Fall sein. Das Nitrat der Salami und die Proteine des Käses können sich leicht zu Nitrosaminen umwandeln. © picture alliance/dpa/Johannes Schmitt-Tegge
Croissants
Industriell hergestellte Backwaren wie Croissants enthalten häufig Transfette, die bei regelmäßigem Verzehr Arterienverkalkung, Schlaganfall und Herzinfarkt zur Folge haben können. Transfette stehen außerdem im Verdacht, Entzündungen im Körper zu begünstigens. Zudem fördern die gehärteten Fette Übergewicht und Adipositas, was als einer der entscheidenden Risikofaktoren für Darmkrebs, Magenkrebs, Leberkrebs, Speiseröhrenkrebs, Brustkrebs, Gebärmutterschleimhautkrebs, Schilddrüsenkrebs, Nierenzellkrebs, Eierstockkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Gallenblasenkrebs sowie Multiples Myelom gilt. © hojo/Imago
Zwei Donuts auf einem Teller
Donuts enthalten wie Pommes und Chips nicht selten das krebserregende Acrylamid sowie Transfette. Neben der hohen Menge an Zucker tragen auch die gehärteten Transfette zu Übergewicht und Adipositas bei, was wiederum die Gefahr einer Tumorerkrankung ansteigen lässt. © Tobias Becker / echo24.de
Bavaria, Germany - 02 February 2023: Krapfen, pancakes or doughnuts with powdered sugar on a wooden table *** Krapfen, P
Auch die vielerorts in Deutschland beliebten Krapfen enthalten den chemischen Stoff Acrylamid, der mit einem erhöhten Risiko für eine Krebserkrankung verbunden ist. Ein regelmäßiger Verzehr von Gebäck wie Krapfen, das ungesunde Mengen der Transfette und Zucker aufweist, fördert Übergewicht und erhöht in der Folge das Krebsrisiko. © Bihlmayerfotografie/Imago

Das Ergebnis: Für fast alle untersuchten Gruppen sank die Neu-Erkrankungsrate im Laufe der Jahre. Mit Ausnahme von Lungenkrebs nahmen die Erkrankungen in jeder Kategorie für Frauen ab. Für Krebs insgesamt sowie für Darmkrebs und Lungenkrebs konnten die Wissenschaftler dagegen einen deutlich schwächeren Rückgang in den am stärksten benachteiligten Regionen feststellen.

Lücke zwischen arm und reich wird immer größer

Die Ungleichheit zwischen sozial schwachen und reichen Regionen nahm im Laufe des Untersuchungszeitraums zu. Während Männer in sozial schwachen Gegenden zu Beginn der Beobachtung eine um 7 Prozent höhere Krebs-Neuerkrankungsrate vorzuweisen hatten, stieg diese im Jahr 2018 auf 23 Prozent an. Auch bei den Frauen war dieser Trend - wenngleich etwas schwächer - zu sehen. Bei Frauen stieg die Rate von 7 auf 20 Prozent an.

Auch frühere Studien belegen diesen Trend bereits Dass die soziale Ungleichheit die Rate an Krebserkrankungen beeinflusst, ist daher nicht neu. So erkrankten hierzulande zwischen 2010 und 2013 in sozioökonomisch schwachen Regionen rund 7,3 Prozent mehr Männer an Krebs als in wohlhabenden.

Forscher fordern bessere Interventionsprogramme

Während die vorhandene Gesundheitsversorgung, also Ärztedichte, Entfernung zum nächsten medizinischen Zentrum, Zahl der Krankenhausbetten oder Pflegeheime, sich zwischen den sozial schwächeren und reicheren Regionen kaum unterscheidet, scheinen vielmehr soziale Faktoren entscheidend zu sein. „Die sozialen Fak­toren scheinen also eine viel größere Rolle zu spielen als die generelle Infrastruktur“, erklärt Lina Jansen.

Der beobachtete Anstieg der Ungleichheit bei der Krebsinzidenz hängt den Forschern zu Folge deutlich mit gesundheitlichen Risikofaktoren sowie der Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen zusammen. Demnach gebe es ein deutliches sozioökonomisches Gefälle bei der Verbreitung von Tabak- und Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und Übergewicht. Die Wissenschaftler fordern daher bessere Interventionsprogramme, die auf sozioökonomisch benachteiligte Regionen ausgerichtet sind.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © ttatty/IMAGO

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