Soziale Ungleichheit: Ärmere Menschen haben höheres Krebsrisiko
VonLaura Knops
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Die soziale Ungleichheit zwischen ärmeren und reicheren Regionen Deutschlands beeinflusst das Risiko an Krebs zu erkranken deutlich. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie.
Die soziale Situation eines Menschen in Deutschland beeinflusst das Risiko, im Laufe seines Lebens an Krebs zu erkranken deutlich – zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Demnach ist die altersstandardisierte Rate an neuen Krebserkrankungen zwar seit Jahren rückläufig. In sozial bessergestellten Regionen ist diese Entwicklung allerdings deutlicher zu erkennen als in sozial schwachen Gegenden. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „International Journal of Cancer“ veröffentlicht.
Soziale Situation beeinflusst das Risiko an Krebs zu erkranken
Soziale Faktoren wie die Verbreitung von Tabak- und Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und starkes Übergewicht haben einen maßgeblichen Einfluss auf das Krebsrisiko. Die Gesundheitsversorgung unterscheidet sich zwischen den sozioökonomischen Regionen dagegen weniger stark.
Das Team um Forscherin Lina Jansen vom DKFZ analysierte die Daten von rund 48 Millionen Einwohnern aus acht Bundesländern im Zeitraum von 2007 bis 2018. Aufgrund fehlender Daten wurden lediglich die Bundesländer Hessen, Baden-Württemberg, Berlin und die fünf ostdeutschen Bundesländer miteinbezogen. Untersucht wurden die Krebsdiagnosen auf Kreis- und Bezirksebene sowie der sozioökonomische Index. Die Forscher teilten den Index dabei in fünf Gruppen ein, abhängig von:
Das Ergebnis: Für fast alle untersuchten Gruppen sank die Neu-Erkrankungsrate im Laufe der Jahre. Mit Ausnahme von Lungenkrebs nahmen die Erkrankungen in jeder Kategorie für Frauen ab. Für Krebs insgesamt sowie für Darmkrebs und Lungenkrebs konnten die Wissenschaftler dagegen einen deutlich schwächeren Rückgang in den am stärksten benachteiligten Regionen feststellen.
Lücke zwischen arm und reich wird immer größer
Die Ungleichheit zwischen sozial schwachen und reichen Regionen nahm im Laufe des Untersuchungszeitraums zu. Während Männer in sozial schwachen Gegenden zu Beginn der Beobachtung eine um 7 Prozent höhere Krebs-Neuerkrankungsrate vorzuweisen hatten, stieg diese im Jahr 2018 auf 23 Prozent an. Auch bei den Frauen war dieser Trend - wenngleich etwas schwächer - zu sehen. Bei Frauen stieg die Rate von 7 auf 20 Prozent an.
Auch frühere Studien belegen diesen Trend bereits Dass die soziale Ungleichheit die Rate an Krebserkrankungen beeinflusst, ist daher nicht neu. So erkrankten hierzulande zwischen 2010 und 2013 in sozioökonomisch schwachen Regionen rund 7,3 Prozent mehr Männer an Krebs als in wohlhabenden.
Forscher fordern bessere Interventionsprogramme
Während die vorhandene Gesundheitsversorgung, also Ärztedichte, Entfernung zum nächsten medizinischen Zentrum, Zahl der Krankenhausbetten oder Pflegeheime, sich zwischen den sozial schwächeren und reicheren Regionen kaum unterscheidet, scheinen vielmehr soziale Faktoren entscheidend zu sein. „Die sozialen Faktoren scheinen also eine viel größere Rolle zu spielen als die generelle Infrastruktur“, erklärt Lina Jansen.
Der beobachtete Anstieg der Ungleichheit bei der Krebsinzidenz hängt den Forschern zu Folge deutlich mit gesundheitlichen Risikofaktoren sowie der Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen zusammen. Demnach gebe es ein deutliches sozioökonomisches Gefälle bei der Verbreitung von Tabak- und Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und Übergewicht. Die Wissenschaftler fordern daher bessere Interventionsprogramme, die auf sozioökonomisch benachteiligte Regionen ausgerichtet sind.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.