VonSandra Barbara Furtnerschließen
Milchkuh Helen ist stolze 19 Jahre alt und zudem blind, als sie ihr Zuhause verliert. Ein Lebenshof zeigt Mitleid und nimmt sie auf. Dafür bedankt sich Helen mit täglichen Umarmungen.
Wenn ältere Tiere ihr Zuhause und ihre gewohnte Umgebung verlieren, ist das meist ein besonders schweres Schicksal. Alles ist plötzlich neu und komplett anders, die Umstellung ist nicht leicht. Noch dramatischer ist es, wenn das Tier zudem blind ist. Denn diese besonderen Wesen orientieren sich größtenteils an bekannten Gerüchen und Mustern, die sie im Kopf gespeichert haben. Bricht das alles weg, herrscht meistens nur noch große Unsicherheit. So muss sich wohl auch Milchkuh Helen gefühlt haben. Sie lebte rund 19 Jahren auf einem Milchviehbetrieb im US-Bundesstaat New Jersey. Doch aus unbekannten Gründen konnte man sich nicht mehr ausreichend um sie kümmern. Zum Glück wurde die gemeinnützige Organisation Uncle Neil’s Home, eine Einrichtung, die sich um kranke, alte oder misshandelte Nutztiere kümmert, auf sie aufmerksam.
Milchkuh Helen musste mit knapp 19 Jahren umziehen
Dass Helen überhaupt so alt wurde, grenzt fast schon an ein Wunder. Denn normalerweise liegt, laut der Tierschutzorganisation Vier Pfoten, die durchschnittliche Lebenserwartung bei Milchkühen bei rund sechs Jahren. Dann lässt oftmals die Milchproduktion nach, sie werden als nicht mehr rentabel eingestuft und landen im Schlachthaus. Doch es gibt auch Ausnahmen. Wird auf eine tierfreundliche Haltung großen Wert gelegt, können die Nutztiere sogar rund 25 Jahre alt werden. Und so scheint es, als ob man sich um Helen all die Jahre herzlich gekümmert hat. Umso trauriger, dass sie nun ihr Zuhause verlor.
Anfangs war Helen sehr verstört und wollte nicht fressen
„Als Helen bei uns ankam, war sie sehr verstört“, sagt Rian Feldman, Gründer und Präsident von Uncle Neil‘s Home, gegenüber The Dodo. „Sie ist blind und wurde gerade aus der einzigen Umgebung gerissen, die sie 19 Jahre lang kannte. Sie wollte nicht fressen und bewegte sich nicht viel. So vieles war neu für sie. Neue Stimmen, neues Futter, neue Umgebung, neue Geräusche und Gerüche. Sie fühlte sich sehr unwohl und war besorgt. Sie wusste nicht, ob sie in Sicherheit war oder nicht“.
Doch dann blüht Helen regelrecht auf
Doch nur kurze Zeit später scheint Helen wie ausgewechselt. Sie genießt es ausgiebig, mit ihren neuen Besitzern Zeit zu verbringen und schmust für ihr Leben gern. Und so postet Rian ein Video auf Instagram und schreibt: „Sie kann zwar nicht sehen, aber das hält sie nicht davon ab, genau zu wissen, wo wir sind, um uns zu umarmen. Sie ist so klug, so glücklich und so voller Leben. Sie wirft uns jeden Tag fast um, weil sie uns mit ihrem Kopf umarmt, und sie leckt ständig an unseren Kleidern“.
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Wie hat er das nur geschafft? In einem Folge-Post verrät er: „Wir sprachen sehr sanft mit ihr, nannten ständig ihren Namen, sagten ihr mehrmals am Tag, dass wir sie lieben, und spielten ihr Musik vor. Wir verbrachten viel Zeit mit ihr, damit sie sich nicht allein fühlte, vor allem nicht in den ersten paar Tagen. Wir haben auch ihren Bereich umgestaltet und es ihr leichter gemacht, sich zu bewegen, da sie nicht sehen kann“.
Seine Mühe sollte sich auszahlen. Denn Helen lernt schnell und gibt ihm und dem gesamten Team all die Liebe doppelt und dreifach zurück.
Rubriklistenbild: © Instagram (uncleneilshome)
