Große Unterschiede

Elektroauto-Ladeinfrastruktur: In welchen Ländern es E-Auto-Fahrer schwer haben

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Wer ein E-Auto hat, will nicht lange nach einer Lademöglichkeit suchen – doch in einigen EU-Ländern kann mitunter viel Geduld gefragt sein.

Das Thema Elektromobilität gewinnt immer weiter an Fahrt – nichtsdestotrotz gibt es immer noch viele Menschen, die dem E-Auto nach wie vor skeptisch gegenüberstehen. Allerdings werden die Kritikpunkte zunehmend abgeschwächt: Die Reichweiten der Stromer wachsen – und auch die Ladezeiten sollen sich deutlich verkürzen, die NASA hat hierzu eine spannende Technik entwickelt. Wäre da noch die Ladeinfrastruktur: Laut einer Studie geht hierzulande der Ausbau viel zu schleppend voran, weswegen künftig eine „massive Ladelücke“ droht. Es gibt aber auch anders lautende Meinungen: Laut einer weiteren Studie sind Menschen, die bereits ein Elektroauto besitzen, mit der Infrastruktur weitgehend zufrieden. Deutschland steht im EU-Vergleich in Sachen Ladeinfrastruktur gar nicht so schlecht da – in anderen Ländern sieht es deutlich düsterer aus.

Elektroauto-Ladeinfrastruktur: In welchen Ländern es E-Auto-Fahrer schwer haben

Der europäische Automobil-Branchenverband ACEA hat nun ermittelt, wie viele Ladepunkte pro 100 Kilometer Straßenlänge in den verschiedenen europäischen Ländern vorhanden sind – die Unterschiede sind gravierend. Die Nase vorn haben die Niederlande. Dort gibt es im Schnitt 64,3 Ladepunkte auf 100 Kilometer Straßenlänge. Ebenfalls ziemlich gut steht Luxemburg da: Hier sind es immerhin 57,9 Ladepunkte pro 100 Kilometer Straße. Auf Rang drei kommt schon Deutschland – allerdings bereits mit deutlichem Abstand: Hier sind es 25,8 Ladepunkten auf 100 Kilometer.

Elektroauto laden: Diese zehn kommen nach 20 Minuten am weitesten

Kia EV6
Kia EV6: 309 Kilometer. Dank moderner 800-Volt-Ladetechnik fährt das Mittelklasse-SUV aus Südkorea klar an die Spitze. Die Version mit Heckantrieb und 77,4-kWh-Akku war das einziges Modell des Testfeldes, das die 300-Kilometer-Marke knackte. Basispreis: 46.990 Euro. © weigl.biz
Mercedes-Benz EQS 450+
Mercedes-Benz EQS 450+: 275 Kilometer. Die Luxuslimousine für mindestens 107.326 Euro holt aus der verwendeten 400-Volt-Technik dank präzisem Lade- und Temperatur-Management das Optimum heraus. Getestet wurde die Long-Range-Version mit 108-kWh-Akku und Heckantrieb. © Deniz Calagan/Mercedes-Benz AG
BMW iX
BMW iX: 273 Kilometer. Das große Elektro-SUV trat als xDrive50 mit serienmäßigem Allradantrieb zum Test in der Oberklasse-Kategorie an – und mit mächtigem 105,2-kWh-Akku. Der Basispreis des mächtigem Stromers liegt bei 84.600 Euro. © Uwe Fischer/BMW
Hyundai Ioniq 5
Hyundai Ioniq 5: 272 Kilometer. Das südkoreanische SUV ist technisch mit dem Testsieger Kia EV6 verwandt, und nutzt dieselbe schnelle 800-Volt-Technik. Die sparsamere Heckantriebsversion kostet ab 43.900 Euro, getestet wurde die Ausführung mit 72,6-kW-Akku für 4.000 Euro Aufpreis. © Dino Eisele/Hyundai
Porsche Taycan GTS
Porsche Taycan: 271 Kilometer. In der Oberklasse lagen die Testwerte relativ dicht beieinander. In der Version GTS fährt der Elektro-Porsche (Basispreis 86.733 Euro) mit 93,4-kWh-Akku nur knapp hinter den Klassenbesten her, er kann ebenfalls mit 800 Volt laden. © Porsche AG
Audi e-tron GT quattro
Audi e-tron GT quattro: 237 Kilometer. Der viertürige, Elektrosportler mit Allradantrieb basiert auf dem Porsche Taycan und verfügt daher ebenfalls über schnelle 800-Volt-Technik und einen 93,4-kWh-Akku, ist aber etwas größer und geräumiger. Preis: ab 104.000 Euro. © Audi
BMW i4 eDrive40
BMW i4: 235 Kilometer. Die Elektroversion der konventionell angetriebenen 4er-Reihe ist das sportlichste Modell der Mittelklasse-Wertung. Als eDrive40 kostet er ab 59.200 Euro und verfügt über einen Akku mit 83.9 kWh Kapazität. © BMW
Tesla Model 3
Tesla Model 3: 221 Kilometer. Der Elektroauto-Pionier legt seit jeher mehr Wert auf Reichweite als auf schnelles Laden, was bei der Akku-Auslegung ein Zielkonflikt ist. Der Test der Long-Range-Version mit 82,1-kWh-Akku erfolgte an markeneigenen Superchargern. Basispreis des Model 3: 52.965 Euro. © Tesla
Polestar 2
Polestar 2: 218 Kilometer. Die noch junge Marke gehört zum chinesischen Geely-Konzern, die Autos werden von dessen Tochter Volvo entwickelt und in China produziert. Den Polestar gibt es ab 46.495 Euro, gemessen wurde die heckgetriebene Long-Range-Version mit 78-kWh-Akku. © Polestar
BMW iX3
BMW iX3: 201 Kilometer. Ein weiterer BMW nach dem bewährten Muster, ein Verbrennermodell zum Stromer umzurüsten. Das Mittelklasse-SUV kostet ab 67.300 Euro und verfügt über einen Akku mit 80 kWh Kapazität. © BMW

Elektroauto-Ladeinfrastruktur: In sechs EU-Ländern rechnerisch kein einziger Ladepunkt pro 100 km Straße

Der Auswertung zufolge gibt es in sechs EU-Ländern rein rechnerisch gesehen nicht einen einzigen Ladepunkt pro 100 Kilometer Straße. Besonders lange suchen müssen E-Auto-Fahrer in Litauen: Hier gibt es 0,2 Ladepunkte pro 100 Kilometer Straße. Und auch in Zypern (0,4) und Griechenland (0,4) sieht es nicht viel besser aus.

Hier die zehn EU-Länder mit den wenigsten Ladepunkten auf 100 Kilometer:

LandLadepunkte pro 100 Kilometer
Litauen0,2
Griechenland0,4
Zypern0,4
Estland0,6
Polen0,7
Lettland0,7
Ungarn1,1
Rumänien1,3
Spanien1,6
Irland1,6

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Elektroauto-Ladeinfrastruktur: Auch um das Ladetempo ist es nicht zum Besten bestellt

In Sachen Ladegeschwindigkeit ist es allerdings ganz allgemein nicht zum Besten bestellt: Nur einer von sieben Ladepunkten ist in der Lage, mit einer Leistung von mehr als 22 kW Strom in die Autos zu pumpen. Das ist ein großes Problem, denn eine niedrige Ladeleistung verlängert nicht nur die Ladedauer, sondern führt auch zu höheren Ladeverlusten, wie der ADAC kürzlich ermittelte.

Deutschland steht im EU-Vergleich in Sachen Ladepunkte relativ gut da. (Symbolbild)

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Der Verband plädiert deshalb an die Politik, die Lage zu verbessern: „Wenn wir die Bürger in ganz Europa davon überzeugen wollen, im kommenden Jahrzehnt auf E-Mobilität umzusteigen, sollte das Aufladen dieser Autos so einfach sein wie das Auftanken heute“, sagt ACEA-Generaldirektorin Sigrid de Vries. „Die Leute sollten nicht kilometerweit reisen müssen, um ein Ladegerät zu finden, und sie sollten auch nicht ewig warten müssen, um ihr Fahrzeug aufzuladen.“

Rubriklistenbild: © U. J. Alexander/Imago

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