Biologisches Alter senken

Lange und gesund leben: Epigenetiker erklärt, wie wir das Alter beeinflussen können

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Professor Hartmut Geiger von der Universität Ulm forscht seit vielen Jahren zum Thema Alterungsprozesse. Im Exklusiv-Interview mit IPPEN.MEDIA erklärt er, wie wichtig epigenetische Faktoren sind.

Die Gene bestimmen nicht nur unser Aussehen. Auch Eigenschaften wie Intelligenz werden genetisch vererbt. Sogar die Anfälligkeit für Krankheiten ist in unseren Genen verankert. Unveränderbar ist das Genom aber keinesfalls. Es gilt als wissenschaftlich erwiesen, dass Umwelteinflüsse und der eigene Lebensstil großen Einfluss darauf haben, wie die Gene in unserem Körper wirken.

Was ist mit „Genom“ gemeint?

Das Erbgut wird in Fachkreisen auch als „Genom“ bezeichnet. Es umfasst alle in einer Zelle vorhandenen Erbinformationen, wie das Fachportal Thieme informiert. Das menschliche Genom ist in Form von DNA auf 46 Chromosomen im Zellkern gespeichert.

Nicht nur das genetische Erbe durch Mutter und Vater – auch die Umwelteinflüsse beeinflussen also die menschliche Entwicklung. Dieser zweite genetische Code wird im Fachbereich der Epigenetik erforscht. „Epi“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet hier soviel wie „nebenbei“.

Länger körperlich fit bleiben: „Epigenetik ist zentral für Alterungsvorgänge“

Auch Altersforscher Professor Hartmut Geiger vom Institut für Molekulare Medizin an der Universität Ulm beschäftigt sich mit dem Einfluss der Epigenetik, speziell mit den Effekten auf den Alterungsprozess. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Altersforschung erklärte im Interview mit IPPEN.MEDIA, wie wir unseren epigenetischen Code beeinflussen können – und so die Chance auf ein langes und gesundes Leben erhöhen.

„Vor rund 15 Jahren wurde klar, wie wichtig und zentral die Epigenetik im Bereich der Altersforschung ist. Seitdem verdichtet sich auch die belastbare Datenlage“, erklärt Geiger: „Epigenetik kann vererbt werden. Man kann sagen, dass 50 bis 60 Prozent angeboren ist, der Rest wird durch Alterung, Medikamente, Ernährung, Sport und anderes Verhalten beeinflusst“. Der epigenetische Code des Menschen ist also zum Teil fest, zum anderen Teil veränderbar. „Man hat bis zu 50 Prozent die Chance, was zu tun und damit etwas zu verändern. Epigenetik ist zentral für Alterungsvorgänge.“

Soziale Interaktion beeinflusst unsere Gene – und soll sogar verjüngend wirken.

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Lebensstil ändern und so wertvolle Lebensjahre gewinnen

Altersforscher Hartmut Geiger zufolge kann man durch eine Reihe von Lebensstilfaktoren den epigenetischen Code positiv beeinflussen – und so den Alterungsprozess der Zellen verlangsamen. Folgende Routinen können Geiger zufolge unseren epigenetischen Code bis zu 50 Prozent beeinflussen:

  • Ernähren Sie sich gesund: „Nicht zu viel, nicht zu wenig von allem“, so eine Faustregel von Altersforscher Geiger.
  • Bewegung und Sport: Um die Chance auf ein gesundes Altern zu erhöhen, sollten Sie sich häufig bewegen und „kein Couchpotato werden“, rät der Professor.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Joseffson/Imago

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