VonStella Henrichschließen
Linken-Politikerin Didem Aydurmuş will, dass sich Menschen auch mit wenig Geld gesund ernähren können. Sie hat dafür das Kartoffeldeckel-Konzept entwickelt. Was genau steckt hinter der Idee der Politikerin?
Kassel ‒ Die Preise für Lebensmittel sind in den vergangenen Monaten rasant in die Höhe geschossen. Milch, Eier, Butter, Gurken, Paprika und Tomaten - die Preise im Lebensmittelhandel explodierten förmlich. Viele Grundnahrungsmittel wurden für die Verbraucherinnen und Verbraucher sehr viel teuer. Jeden sechsten Deutschen brachte die Teuerung sogar in existenzielle Not. Im Februar dieses Jahres sind die Lebensmittelpreise laut Statistischen Bundesamt mit 21,8 Prozent sogar stärker als die Energiepreise (19,1 Prozent) gestiegen. Ein Trend, der sich weiter fortsetzen könnte. Didem Aydurmuş von der Partei „Die Linke“ brachte die inflationäre Entwicklung im Lebensmittelhandel auf eine ungewöhnliche Idee. Sie entwickelte so etwas wie das Konzept des Kartoffeldeckels.
Das Kartoffeldeckel-Konzept von Didem Aydurmuş
Die Idee ist eine staatliche Vorgabe, dass Supermärkte wöchentlich einen Warenkorb zusammenstellen müssen, der den Grundbedarf der Ernährung von Menschen deckt. Lebensmittelgeschäfte wären somit verpflichtet, zu einem vom Staat festgelegten Preis eine Gruppe von Nahrungsmitteln zu verkaufen. Dazu soll zunächst eine staatliche Vorgabe gemacht werden, welche Nährstoffe ein Mensch im Schnitt in der Woche und in welchen Mengen braucht. Außerdem soll ein sozial gerechter Preis bestimmt werden. Eine Familie weiß dann genau, zu welchem Preis sie sich ernähren kann.
Für Aydurmuş gehören Supermärkte zu den Krisengewinnern, die derzeit ordentlich Kasse machen, berichtet spiegel.de. Gleichzeitig trügen sie aber eine Mitverantwortung für die angemessene Ernährung der Bevölkerung. „Ernährung ist ein Menschenrecht“, proklamiert die studierte Ethnologin aus Niedersachsen. Deswegen sei es auch eine staatliche Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Menschen die Möglichkeit hätten, sich gesundheitsförderlich zu ernähren, fordert Aydurmuş jetzt in einem Interview mit spiegel.de. Trotz Staatseingriffs könnten Supermärkte dabei selbst entscheiden, was der Warenkorb beinhaltet. Hauptsache ist, die Vorgaben der Nährstoffe werden eingehalten.
Das Kartoffeldeckel-Konzept von Didem Aydurmuş - Produkte aus der Region anstelle eines Preisdeckels
Von einer Senkung der Mehrwertsteuer oder einem Preisdeckel für Grundnahrungsmittel hält Aydurmuş hingegen nichts. Klar, von einer Mehrwertsteuersenkung profitierten schließlich alle Bürgerinnen und Bürger - auch solche, die viel Geld zur Verfügung haben. Ein Preisdeckel fördere außerdem nicht die gesundheitsförderliche Ernährung. Ein wichtiger Punkt des Kartoffeldeckels. Die Linken-Politikerin plädiert allerdings dafür, „dass ein Anteil der Produkte aus der Region kommen muss. Das hätte eine zusätzliche Wirkung für die Klimapolitik.“
Diese Lebensmittel haben sich innerhalb eines Jahres im Handel verteuert:
- Butter: +acht Prozent - Margarine sogar +43 Prozent
- Schnittkäse: +47 Prozent
- Quark: +64 Prozent
- Eier: +16 Prozent
- Obst insgesamt: +acht Prozent
- Gemüse insgesamt: +20 Prozent
- Fleisch insgesamt: +19 Prozent
- Fisch insgesamt: +23 Prozent
- Broterzeugnisse insgesamt: +24 Prozent
- Quelle: Verbraucherzentrale.de, Vergleichszeitraum Februar 2023 zum Vorjahresvergleich Februar 2022 mit Daten des Stat. Bundesamt
Verbraucher, die nicht auf eine Umsetzung des Kartoffeldeckel-Konzept warten wollen, können derweil trotzdem beim Einkaufen sparen. Oder einfach mal zu einer Rettertüte greifen, deren Inhalt nicht nur günstig ist, sondern noch aus gesunden Lebensmittel aus der Obst- und Gemüseabteilung von Supermärkten und Discountern besteht. Und das sogar gänzlich ohne staatlich festgelegte Vorgaben.
Rubriklistenbild: © Unai Huizi/imago

