Kontaminiertes Fleisch

Nach Keim-Fund in Lidl-Fleisch: Debatte um Tierwohl losgetreten – warum ist gutes Fleisch so teuer?

  • schließen

Fleisch aus guten Haltungsformen ist oft deutlich teurer. Doch billiges Fleisch hat einige Nachteile, so war etwa vor kurzem Fleisch von Lidl mit resistenten Keimen kontaminiert.

Kassel – Die meisten Menschen in Deutschland essen Fleisch. Dass die Haltungsbedingungen in der Nutztierhaltung häufig nicht sonderlich gut sind, ist vielen Personen bekannt. Die Debatte um Tierwohl ist bei weitem nichts Neues, trotzdem findet sie immer wieder neue Höhepunkte. Aktueller Anlass ist der Fund von multiresistenten Keimen auf Fleisch, das bei Lidl angeboten wurde. Dabei handelt es sich nicht um den ersten Fleisch-Skandal beim Discounter, so gab es beispielsweise bereits im Jahr 2021 erschreckende Testergebnisse. Gutes Fleisch möchten die meisten, doch warum ist gutes Fleisch meisten so teurer?

Keime im Fleisch von Lidl: Tierwohl-Debatte losgetreten – Haltungsformen in Deutschland

Derzeit wird in Deutschland Fleisch in vier Haltungsformen verkauft. Die Einordnung in Kategorien soll den Verbrauchern dabei helfen, sich bewusst für eine Haltungsform zu entscheiden. Die Verbraucherzentrale kritisiert jedoch, dass das Angebot von Fleisch aus den besseren Haltungsbedingungen 3 und 4 deutlich geringer ist. Verbraucher haben deshalb beim Einkaufen nicht wirklich eine Wahl. In diese Haltungsformen wird Fleisch eingeteilt:

  • Haltungsform 1: Stallhaltung
  • Haltungsform 2: Stallhaltung Plus
  • Haltungsform 3: Außenklima
  • Haltungsform 4: Premium

Nutztierhaltung begünstigt Keime im Fleisch, wie bei Lidl – gutes Fleisch ist teuer

In der intensiven Nutztierhaltung werden häufig viele Tiere auf engem Raum gehalten. In diesem Zusammenhang wurde dem Discounter Lidl bereits im vergangenen Jahr der Vorwurf von Qualzucht bei Hühnern gemacht. Der Platzmangel führt dazu, dass sich Keime unter den Tieren schnell verbreiten. Um dem entgegenzuwirken, wird häufig Antibiotika verabreicht, berichtet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND auf seiner Website. So wird die Entstehung von resistenten Keimen begünstigt.

In der Nutztierhaltung haben die Tiere oft nur wenig Platz, so können sich Keime schnell verbreiten.

Gefahr geht von den resistenten Keimen, wie im Lidl-Fleischskandal, jedoch nicht nur für die Tiere aus – auch für den Menschen können sie gefährlich werden. Bei unsauberen Verarbeitungsprozessen können die Keime im Endprodukt noch enthalten sein. Laut BUND wurden in einer Untersuchung sogar auf fast 90 Prozent von Putenfleisch-Proben, resistente Keime festgestellt. Zudem wurden auf den Fleischproben mehrerer Discounter, darunter auch Aldi und Lidl, auch andere Keime nachgewiesen.

Keine Keime im Fleisch aus besseren Haltungsformen – dafür teurere Preise

Besser sieht es bei den höheren Haltungsformen und in Ökobetrieben aus, da hier überwiegend auf den Einsatz von Antibiotika verzichtet wird und die Tiere deutlich mehr Platz haben, berichtet die Verbraucherzentrale weiter. „Wir wollen weniger Tiere besser halten“, äußert sich Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft. Ziel sei ein Umbau der Tierhaltung, der von der Regierung gefördert wird.

Trotzdem ist eine bessere Haltungsform mit höheren Kosten für die Fleisch-Produzenten verbunden. Zum einen liegt das daran, dass wenn „weniger Tiere besser gehalten“ werden, auch weniger Fleisch produziert wird. Der Preis wird von Angebot und Nachfrage bestimmt, deshalb könnten die Preise deutlich steigen.

Keime im Fleisch: Bessere Haltungsbedingungen führen zu Mehraufwand und teureren Preisen

Weiter stellen die besseren Haltungsbedingungen zusätzliche Anforderungen an die landwirtschaftlichen Betriebe, die mit einem Mehraufwand verbunden sind, schreibt die Pressestelle von Aldi auf Nachfrage der Tageszeitung Handelsblatt. Dieser Mehraufwand sei nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell. Festhalten lässt sich – wer gute Haltungsbedingungen in der Nutztierhaltung möchte, muss etwas tiefer in die Tasche greifen.

Die meisten Discounter planen trotzdem, etwas fürs Tierwohl und die Umwelt zu machen. Auch der Discounter Lidl plant große Änderungen und möchte seinen Kunden bald mehr Alternativen zu Fleisch anbieten. (kiba)

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

Kommentare