„Empty-Desk-Syndrom“

„Rentenloch“: Warum der Ruhestand nicht immer die erhoffte Erleichterung bringt

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Viele Menschen freuen sich auf den Ruhestand, doch für manche wird er zu einer psychischen Herausforderung. Das „Empty-Desk-Syndrom“ beschreibt das Gefühl von Leere und Angst, das manche Rentner empfinden.

Angststörungen, Depressionen, Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit: Immer mehr Menschen erhalten aufgrund einer psychischen Erkrankung eine Erwerbsminderungsrente oder gehen vorzeitig in den Ruhestand. Doch es geht auch umgekehrt. Manche Rentner erkranken erst nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben an einer psychischen Erkrankung. Dieses Phänomen wird auch als „Empty-Desk-Syndrom“ oder „Rentenloch“ bezeichnet. Warum das so ist und welche Krankheiten daraus entstehen können, verrät echo24.de.

„Empty-Dest-Syndrom“: Wenn die Rente zur Qual wird

Morgens ausschlafen, mittags spazieren gehen und abends ein gutes Buch lesen: So stellen sich viele Arbeitnehmer ihre Rente vor. Was für viele verlockend klingt, ist für andere ein Graus. Denn für manche Menschen ist die berufliche Tätigkeit ein elementarer Teil ihrer Identität und hat sinnstiftenden Charakter. Deshalb fällt mancher Rentner mit dem Eintritt in den Ruhestand in ein tiefes Loch, statt sich über die neu gewonnene Freiheit zu freuen. „Empty-Desk-Syndrom“ oder „Angst vor dem leeren Schreibtisch“ heißt es, wenn der Ausstieg aus dem Berufsleben zur Qual wird.

Laut „t-online.de“ geht der Begriff auf den Psychologen Otto L. Quadbeck zurück, der sich intensiv mit dem Syndrom beschäftigt hat. Er arbeitete früher als Bankdirektor und studierte erst im Ruhestand Psychologie. Bei der Namensgebung ließ sich Quadbeck vom sogenannten „Empty-Nest-Syndrom“ inspirieren. Darunter versteht man ein Gefühl der Leere bei Eltern, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

Das „Rentenloch“: Vor allem Männer leiden unter „Empty-Desk-Syndrom“

Wie „t-online.de“ berichtet, sind vor allem Männer vom sogenannten „Empty-Desk-Syndrom“ betroffen. Der Grund: Männer besetzen häufiger Führungspositionen in Unternehmen als Frauen. Gerade einmal 29,4 Prozent der Führungspositionen waren beispielsweise im Jahr 2019 mit Frauen besetzt, teilt das Statistische Bundesamt mit. Das könnte unter anderem ein Grund dafür sein, dass Frauen mehrere hundert Euro weniger Rente bekommen als Männer.

Der Ruhestand ist nicht für jeden ehemaligen Arbeitnehmer das Paradies auf Erden.

Viele Männer – vor allem in Führungspositionen – haben sich in ihrem Berufsleben zu einem großen Teil über den Beruf definiert. Sie verbanden damit Status und soziale Kontakte. Wertschätzung und Anerkennung haben sie zu einem großen Teil über ihre Arbeit erfahren. Fällt der Job mit der Rente weg, bleibt ein großes Loch – und die Angst vor der eigenen Bedeutungslosigkeit. Aber ist das alles wahr oder nur Einbildung? Gibt es ein reales Krankheitsbild?

„Empty-Desk-Syndrom“: Diese Symptome können auftreten

Die Antwort: Ja. Denn das „Empty-Desk-Syndrom“ ist nicht einfach nur ein ungutes Gefühl. Es führt laut Quadbeck zu konkreten Symptomen, die oft mit anderen Krankheiten in Zusammenhang stehen oder gleich als eigenständige Erkrankung angesehen werden.

So ist das „Empty-Desk-Syndrom“ selbst zwar nicht als eigenständige psychosomatische Erkrankung anerkannt, dennoch kann das „Rentenloch“ reale Erkrankungen nach sich ziehen, wie auch „klinik-friedenweiler.de“ berichtet. Dazu gehören z. B.:

  • Rückenschmerzen
  • Essstörungen
  • Alkoholismus
  • Tabletten- und/oder Drogensucht
  • Herzbeschwerden
  • Depressionen und Selbstmordgedanken

Suizid-Hinweis

Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Angel Santana Garcia

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