Hoffnung für Krebspatienten

Biontech will Krebsimpfstoffe noch vor 2030 auf den Markt bringen

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Seit Jahren forschen Wissenschaftler an Impfstoffen gegen Krebs. Biontech-Gründer Uğur Şahin macht Betroffenen jetzt Hoffnung.

Sie machten während der Corona-Pandemie mit ihren mRNA-Impfstoffen Milliarden-Gewinne. Nun steht bei den Mitarbeitern des Mainzer Technologie-Unternehmen Biontech vor allem eine Aufgabe im Fokus: die Entwicklung von Impfstoffen, die Tumore bekämpfen können. Laut Gründer Uğur Şahin könnten erste Impfstoffe noch vor 2030 auf den Markt kommen.

Krebsimpfstoffe – wie funktioniert das?

Die Idee eines Krebsimpfstoffes ist nicht neu. Schon seit Jahren forscht die Wissenschaft daran, schwere Krankheiten mit mRNA-Therapien behandeln zu können. mRNA steht für messenger-RNA und bedeutet „Boten“-RNA. Sie hat die Aufgabe, genetische Informationen für den Aufbau eines bestimmten Proteins innerhalb einer Zelle zu übertragen.

Diese Proteine können beispielsweise auslösen, dass sich eine Zelle teilt. Bei Krebs sind unter anderem Proteine, die an der Zellteilung beteiligt sind, krankhaft verändert, sodass sich die Zelle übermäßig teilt. Außerdem bilden sich in Tumoren auch neuartige Proteine, die im Körper normalerweise nicht vorkommen. Sie werden als Neoantigene bezeichnet. Hier setzt die Therapie mit Krebsimpfstoffen an: Sie soll die körpereigene Immunabwehr dazu bringen, diese Proteine zu erkennen und auszuschalten.

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Jeder Patient bekommt seine eigene Impfung

Der Bedarf an Krebsimpfstoffen wäre groß: Nach Angaben der WHO starben im Jahr 2020 weltweit fast 10 Millionen Menschen an Krebs – allein in Deutschland waren es im letzten Jahr laut Statistischem Bundesamt 231.533 Fälle. Damit liegen bösartige Krebstumore auf Platz zwei der häufigsten Todesursachen.

Biontech möchte die Krankheit künftig mit einer personalisierten Therapie behandeln. Dazu forscht das Unternehmen an verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten, unter anderem mRNA-basierten Impfstoffen. Dabei werden Patienten kleine Abschnitte mRNA eines krebstypischen Proteins gespritzt. Diese Proteinabschnitte kommen nur auf bösartigen Krebszellen vor, werden vom Körper als fremd wahrgenommen und lösen eine besonders starke Immunantwort aus.

Obwohl schon Milliarden in diesen Forschungsansatz flossen, stehen die Wissenschaftler immer wieder vor Herausforderungen. Krebs sei eine komplexe Krankheit, so Biontech-CEO Uğur Şahin gegenüber Bild am Sonntag. Es gäbe viele verschiedene Krebsarten, in unterschiedlichen Stadien, die sich zudem von Patient zu Patient unterscheiden. Viele Therapien könnten einen Großteil der Krebszellen zerstören, aber eben nicht alle. Das führe dazu, dass Patienten oft erst mal auf eine Therapie ansprechen, dann aber doch an ihrem Krebs versterben. Ziel sei es deshalb, einen maßgeschneiderten Impfstoff für jeden Patienten zu entwickeln.

Biontech-CEO zeigt sich optimistisch

Neben Biontech forschen auch andere Unternehmen an Krebsimpfstoffen. So veröffentlichte das US-Unternehmen Moderna bereits vielversprechende Ergebnisse einer klinischen Studie zur Hautkrebstherapie mittels mRNA-Technologie. Und auch CureVac aus Tübingen forscht gerade an drei Krebsimpfstoffen.

Im Fall von Biontech macht Firmen-Chef Şahin Betroffenen jetzt Hoffung. So gehen er und seine Kollegen davon aus, dass es schon in wenigen Jahren möglich sein wird, Krebs zu kontrollieren und im besten Fall auch zu heilen.

Wir erwarten, dass unsere ersten mRNA-basierten Krebsimpfstoffe noch vor 2030 zugelassen werden können

Uğur Şahin, CEO von Biontech

Außerdem plane das Unternehmen, „in den Jahren 2025 bis 2029 Studiendaten für verschiedene andere Therapieansätze vorliegen zu haben, die, wenn sie positiv sind, zur Zulassung führen können“.

Derzeit seien Immuntherapien für verschiedene Krebsarten in der klinischen Entwicklung, darunter:

  • Dickdarmkrebs
  • Brustkrebs
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs
  • und Lungenkrebs

Künftig könnten dann mithilfe einer Blut- und einer Tumorprobe des Patienten seine Krebsmerkmale genau analysiert und darauf basierend ein individualisierter Impfstoff bereitgestellt werden. Dazu müsse sich das Unternehmen technologisch entsprechend aufstellen. Ziel sei es, die Therapie zehntausenden Patienten im Jahr zu ermöglichen.

Krebserregende Viren: Diese Erreger können Krebs auslösen

Herpesvirus
Das Epstein-Barr-Virus (EBV) zählt zur Gruppe der Herpesviren. Dem Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz) zufolge gilt als sicher, dass eine Infektion mit EBV zur Entstehung von B-Zell-Lymphomen beitragen kann, einer bösartigen Erkrankung von B-Lymphozyten. Mit Lymphom werden in der Medizin bösartige Tumoren des lymphatischen Systems bezeichnet. In Tumoren von T-Lymphozyten (T-Zell-Lymphome) konnte das Epstein-Barr-Virus ebenfalls nachgewiesen werden, so das dkfz. © Imago
Das Magenbakterium Helicobacter pylori
Das Magenbakterium Helicobacter pylori soll das Risiko in sich bergen, Magenkrebs zu fördern. Das Pikante daran: Etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung trägt es bereits in sich. Helicobacter soll Magengeschwüre begünstigen, welche sich dann zu Krebs ausweiten können. Allerdings ist eine Behandlung in den meisten Fällen mit einer Kombination aus Antibiotika und Magensäureblockern äußerst erfolgreich. © dpa
HIV: Eine Frau hat sich eine rote Schleife angeheftet
Die rote Schleife soll das Thema Aids und HIV in die Mitte der Gesellschaft rücken. Eine Infektion mit sogenannten HI-Viren (humane Immundefizienzviren) kann die Krankheit Aids auslösen. Menschen mit Aids sind häufiger von Krebs betroffen, vermutlich aufgrund ihres geschwächten Immunsystems, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum informiert.  © Oliver Berg/dpa
Impfausweis
Hepatitis B fördert Leberentzündungen. Auch diese können sich zu Leberkrebs weiterentwickeln. Allerdings können Sie sich gegen diesen Hepatitis-Typ beim Hausarzt impfen lassen. © Martin Wagner/Imago
Hepatitis C Viren
Gegen Hepatitis-C-Viren gibt es unglücklicherweise (noch) keinen Impfstoff. Die aggressiven Erreger zählen zu den häufigsten Ursachen für Leberkrebs. Wie das Deutsche Krebsforschungszentrum informiert, werden Hepatitis-C-Viren inzwischen aber auch mit weiteren Tumorarten in Zusammenhang gebracht: Auch Krebs der Gallenwege sowie das Multiple Myelom könnten durch eine Infektion begünstigt werden, heißt es.  © CAVALLINI JAMES/Imago
HPV (Humane Papillomviren)
Humane Papillomviren (HPV) sind meist ungefährlich - doch es gibt Arten, die krebserregend wirken und Gebärmutterhalskrebs auslösen sollen. Zudem stehen sie im Verdacht, Anal- oder Peniskrebs zu begünstigen. Allerdings gibt es auch hier eine sehr effektive Schutzimpfung, die gegen alle HPV-Typen helfen soll. © CAVALLINI JAMES/Imago

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

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