Bei 216 Gebrauchtwagen

Mehr als 200 Gebrauchtwagenkäufer betrogen – Autohändler lässt 22,5 Millionen Kilometer verschwinden

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In den USA ist ein Autohändler angeklagt, die Tachos von mehr als 200 Gebrauchtwagen manipuliert zu haben: Insgesamt sollen rund 22,5 Millionen Kilometer verschwunden sein.

Beim Erwerb eines Gebrauchtwagens ist Vorsicht geboten, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Es gibt immer wieder schwarze Schafe, die bekannte Fahrzeugmängel oder Vorschäden verschleiern. Auch der Kilometerstand wird oft manipuliert. Ein besonders „arbeitsfreudiger“ Gebrauchtwagenhändler aus dem US-Bundesstaat Indiana wurde nun angeklagt: Er soll bei über 200 Fahrzeugen den Kilometerstand deutlich zurückgedreht haben.

Gebrauchtwagenhändler in Indianapolis soll 216 Fahrzeuge manipuliert haben

Der Händler aus Indianapolis soll laut Anklageschrift (PDF) bei 216 Fahrzeugen den Kilometerstand manipuliert haben – insgesamt verschwanden bei den Autos 14 Millionen Meilen (etwa 22,5 Millionen Kilometer). Das bedeutet, dass der Händler im Durchschnitt den tatsächlichen Stand um 105.000 Kilometer reduzierte – eine Strecke, die ungefähr zweieinhalb Erdumrundungen entlang des Äquators (rund 40.000 Kilometer) entspricht.

Massiv Kilometerzähler zurückgedreht: Im US-Bundesstaat Indiana ist ein Gebrauchtwagenhändler angeklagt, weil er mehr als 200 Autos manipuliert haben soll. (Symbolbild)

Kilometerzähler zurückgedreht oder komplett ausgetauscht

Die Fahrzeuge wurden bei Autoauktionen erworben, inklusive Fahrzeugbrief und einer Dokumentation des Kilometerstands. Bei den ersteigerten Autos wurden die Kilometerzähler entweder technisch manipuliert oder gleich komplett ausgetauscht. Auch auf dem Fahrzeugbrief wurde der Kilometerstand gefälscht.

Langfingers Liebste: Das sind die zehn am meisten geklauten Autos 2023

Toyota Prius+
Platz 10 – Toyota Prius+: Über die Optik des Prius+ lässt sich streiten. Doch Schönheit scheint für die Diebe nicht besonders wichtig zu sein. Gebaut wurde der Hybrid-Van von 2011 bis 2021 und war in Deutschland eher weniger erfolgreich. Dafür greifen die Langfinger nun um so häufiger zu. Mit 66 Diebstählen auf 1.000 Fahrzeugen ist der Hybrid-Van aber dennoch der wohl überraschendste Vertreter auf dieser Liste. © Toyota
Range Rover fährt auf einer Straße.
Platz 9 – Range Rover: Luxus gepaart mit der Fähigkeit im Gelände zufahren. Welcher Dieb sagt da schon nein? Immerhin macht der Range Rover sowohl vor der Oper als auch in der Kiesgrube eine gute Figur. Dazu ist der SUV nicht grade billig: Ab rund 140.000 Euro geht es los. Und doch ist er mit 68 Diebstählen auf 1.000 Autos nur minimal beleibter als der Toyota Prius+ © Land Rover
Jeep Grand Cherokee
Platz 8 – Jeep Grand Cheerokee (4. Generation): Auch dieser Geländewagen macht ordentlich was her. Kein Wunder, gilt in den USA doch das Motto: „Höher, schneller, weiter!“ Das dürften sich wohl auch die Langfinger auf der Flucht denken. Auf 1.000 Fahrzeuge kommen 87 Diebstähle. Die vierte Generation ist dabei aber noch beliebter als das aktuelle Modell, das seit 2022 auf dem Markt ist. Womöglich auch wegen der besseren Motorisierung. © Jeep
Hyundai Santa Fe
Platz 7 – Hyundai Santa Fe: Lange wurde Hyundai in Europa etwas belächelt. Doch inzwischen haben sich die Koreaner gemacht. Das bleibt auch den Dieben nicht verborgen. Mit 90 Diebstählen auf 1.000 Fahrzeuge landet der komfortable SUV von Hyundai im soliden Mittelfeld. Ob der neue Santa Fe es auch in die Herzen der Langfinger schafft, muss sich noch zeigen. © Hyundai
Toyota RAV4
Platz 6 – Toyota RAV4 (5. Generation): Ja, da ist der nächste Japaner auf der Liste. Das Duell mit dem Hyundai Santa Fe entscheidet der RAV4 nur knapp für sich. Auf 1.000 Fahrzeuge komme 91 Diebstähle. Bei Kunden und Dieben erfreut er sich schon lange hoher Beleibtheit. Der SUV erinnert dabei etwas an den VW Käfer: Läuft immer und lässt sich in alle Welt verkaufen. © Toyota
Kia Stinger
Platz 5 – Kia Stinger: Der Koreaner ist fast schon ein Exot in diesem Ranking. Immerhin ist er kein SUV, sondern ein klassisches Coupé. 2017 brachte Kia den Stinger nach Europa, um sein Image aufzupolieren. Das hat auf jeden Fall gut geklappt – auch bei den Dieben. Mit 110 Diebstählen auf 1.000 Fahrzeuge zieht der Koreaner dieser förmlich an. Auch bei den Kunden war der Stinger bliebt. Trotzdem war nach sechs Jahren Schluss. © Kia
Range Rover Sport
Platz 4 – Range Rover Sport (2. Generation): Neben dem klassischen Rang Rover schafft es auch dessen sportlicher Ableger ins Ranking. Und der kommt bei den Dieben noch etwas besser an. Kein Wunder: Die Autos der Briten sind traditionell ein beleibtes Diebesgut, dabei gelten sie als schwer zu klauen. Offensichtlich aber nicht schwer genug. Mit 121 Diebstählen auf 1.000 Fahrzeug kratzt der Luxus-SUV (Neupreis damals ca. 100.000 Euro) am Podium. © Lanf Rover
Lexus UX
Platz 3 – Lexus UX: Auch wenn hier nicht Toyota drauf steht, ist Toyota drin. Die Edelmarke der Japaner zieht die Diebe ebenfalls an wie das Licht die Motten. Auf 1.000 Autos kommen beim UX 136 Diebstähle. Kein Wunder: Immerhin gibt es Regionen, wo man ebenbürtig ist mit Mercedes. Als Neuwagen bekommt man den UX seit dem Ukraine-Krieg nicht mehr. © Lexus
Lexus NX
Platz 2 – Lexus NX: Noch beliebter als der UX ist dessen größerer Bruder. Von 1.000 Fahrzeugen werden satte 157 gestohlen. Ein Grund dafür: Seit dem Ukraine-Krieg ist der NX als Neuwagen nicht mehr zu bekommen. Nachschub muss als auf anderem Wege her. Erstaunlicherweise schaffte es das Flaggschiff RX nicht in die Top 50 der GDV. © Lexus
Toyota Land Cruiser
Platz 1 – Toyota Land Cruiser: Noch vor den beiden Konzernbrüdern schafft es der SUV auf das oberste Treppchen. Kein Auto ist bei den Langfingern beliebter. 160 Diebstähle kommen auf 1.000 Fahrzeuge. Dafür liefert der Land Cruiser auch gute Argumente: Er überzeugt im Gelände ebenso wie auf Asphalt. Zudem ist er mit 60.000 Euro auch nicht besonders teuer. Ob die neue Generation genauso beliebt ist, wird sich aber noch zeigen. Der Modellwechsel erfolgt im Herbst. © Toyota

„Dieser regelrechte Betrug bringt die guten und ehrlichen Leute im Gebrauchtwagenhandel zu Unrecht in Verruf“, sagte der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Indiana, Todd Rokita, laut einer Mitteilung. „Schlimmer noch: Diese unethischen Taktiken täuschen die Verbraucher, die diese Fahrzeuge mit zurückgedrehtem Kilometerzähler kaufen. Sie bekommen am Ende Autos und Lastwagen mit höherer Kilometerleistung und mehr Verschleiß als gedacht.“

Ein ähnlicher Fall ereignete sich vor einiger Zeit in Österreich: Ein Paar flog auf, weil es ebenfalls zahlreiche Fahrzeuge manipuliert hatte – bei einem Audi waren beispielsweise plötzlich 200.000 Kilometer auf dem Zähler verschwunden.

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Welche Anzeichen auf eine Tachomanipulation hinweisen

Es ist nicht immer einfach, eine Tachomanipulation zu erkennen, aber mit einigen Tricks ist es durchaus möglich. Käufer sollten besonders bei unschlagbar günstigen Autoangeboten sehr vorsichtig sein. Ein extrem abgenutztes Lenkrad oder stark verschlissene Sitze können ein Hinweis auf eine Manipulation sein, wenn die Abnutzung nicht im Verhältnis zum vergleichsweise niedrigen Kilometerstand steht.

Rubriklistenbild: © Depositphotos/Imago

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