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Mikroausdrücke bei Pferden: Studie gibt ersten Hinweis auf mögliches „Fenster“ zu ihrer Gefühlswelt

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Pferde überraschen Forscher der Universität Brüssel. Denn sie zeigen Mikroexpressionen, flüchtige Gesichtsausdrücke, die bislang nur beim Menschen bekannt waren.

Unbewusste Gefühlsäußerungen, bekannt als Mikroausdrücke oder Mikroexpressionen, sind ein faszinierendes Phänomen bei Menschen. Die flüchtigen Gesichtsausdrücke sind meist nur für Sekundenbruchteile sichtbar, geben aber Aufschluss über wahre Emotionen. Bisher wurden Mikroexpressionen mit grundlegenden Gefühlen wie Angst, Überraschung, Ärger, Ekel, Verachtung, Trauer und Freude in Verbindung gebracht. Doch nun enthüllt eine Studie der Universität Brüssel Erstaunliches: Pferde zeigen ebenfalls solche Mikroexpressionen.

Mikroausdrücke als ein faszinierendes Kommunikationsmittel

Ein faszinierendes Phänomen der menschlichen Kommunikation sind Mikroausdrücke, die bisher ausschließlich beim Menschen beobachtet wurden. Doch eine Studie von Claude Tomberg und seinem Forscherteam an der Universität Brüssel hat sich dieser Thematik nun erweitert angenommen. Im Fokus stand die Frage, ob Pferde solche flüchtigen, unbewussten Gesichtsausdrücke zeigen können und ob sie dies in einem sozialen Kontext tun. Im Gegensatz zu bewussten Makroausdrücken entstehen Mikroausdrücke beim Menschen unwillkürlich und sind schwer gezielt zu erzeugen oder zu unterdrücken. 

Pferde können Mikroausdrücke im Gesicht zeigen, bei hoher Aufmerksamkeit jedoch nehmen sie ab. (Symbolbild)

Pferde können mit ihrem Gesichtsausdruck eine Vielzahl von Emotionen wie Schmerz oder positive Gefühle ausdrücken. Da Pferde soziale Tiere sind und ein komplexes soziales System ähnlich, dem des Menschen haben, ist es nicht überraschend, dass ihr Gesichtsausdruck eine Rolle in der sozialen Interaktion spielt. Dieses soziale System wird als „Fission-Fusion-System“ bezeichnet und stellt hohe kognitive Anforderungen an die einzelnen Mitglieder.

Alle untersuchten Pferde zeigten im Test Mikroausdrücke

Das Forscherteam untersuchte 22 Pferde verschiedener Rassen im Alter von 4 bis 26 Jahren. Die Vierbeiner wurden in einem Putzbereich mit einer vertrauten Person gefilmt. In Sichtweite der Pferde befand sich eine Karotte, an die sie nicht herankommen konnten. Die Aufnahmen wurden anschließend analysiert, um Hinweise auf Mikroausdrücke zu finden. Dabei wurde das „Equine Facial Action Coding System“ (EquiFACS) angewendet, um die Bewertung der möglichen Mikroausdrücke zu erleichtern.

Die Ergebnisse der Studie waren beeindruckend: Alle untersuchten Pferde zeigten Mikroausdrücke. Tatsächlich stellten diese etwa zwei Drittel aller beobachteten Gesichtsausdrücke dar. Dabei wurden verschiedene Ausdrücke identifiziert, die mit einer Dauer von weniger als einer halben Sekunde gemessen wurden. Besonders auffällig war, dass knapp ein Drittel der Mikroausdrücke mit dem Schließen der Augen und dem Absenken der Lider in Verbindung standen. Bemerkenswert war, dass die Pferde in Gegenwart des Menschen deutlich weniger Mimik und Mikroausdrücke zeigten als in Situationen, in denen sie allein waren. Die Forscher erklären es folgendermaßen: „Da die Pferde in unserer Studie ihre Aufmerksamkeit stark auf den Experimentator richteten, könnte der Rückgang der Gesichtsausdrücke mit einem hohen Maß an Aufmerksamkeit zusammenhängen.“ Interessant: Auch beim Menschen steht ein neutrales Gesicht oft für eine hohe Konzentration.

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Mikroausdrücke im Gesicht könnten Informationen über Gefühlswelt liefern

Mentale Merkmale, die Mikroausdrücke bei Pferden steuern, seien jedoch noch unbekannt, so die Autoren weiter. Ausschließen können sie jedoch nicht, dass einige beobachtete Gesichtsausdrücke auf Frustration zurückzuführen sind. Denn in der durchaus frustrierenden Situation, mit der unerreichbaren Möhre, konnten die Forscher keine auffälligen Verhaltensweisen, die eine Frustration bestätigt hätten, feststellen.

Die zehn außergewöhnlichsten Pferderassen – und ihre wichtigsten Eigenschaften

Ein Pferd im Miniatur-Format ist das American Miniature Horse. Diese Rasse zeichnet ein feiner, eleganter Körper mit schönen Proportionen aus.
Ein Pferd im Miniatur-Format ist das American Miniature Horse. Diese Rasse zeichnet ein feiner, eleganter Körper mit schönen Proportionen aus. (Symbolbild) © agefotostock/Imago
Von mini zu maxi: Eine imposante Erscheinung sind die Shire Horses aus England. Die größte Pferderasse der Welt wird auch liebevoll als sanfter Riese bezeichnet. Mit ihrem coolen Temperament sind sie der ideale Freizeitpartner.
Von mini zu maxi: Eine imposante Erscheinung sind die Shire Horses aus England. Die größte Pferderasse der Welt wird auch liebevoll als sanfter Riese bezeichnet. Mit ihrem coolen Temperament sind sie der ideale Freizeitpartner. (Symbolbild) © Horst Galuschka/Imago
Die American Bashkir Curly Horses haben nicht nur lockiges Fell und Langhaar, sondern sind auch für die meisten Allergiker geeignet. Ihr Proteinmuster in den Hautzellen unterscheidet sich von anderen Rassen, weshalb sie als hypoallergen gelten.
Die American Bashkir Curly Horses haben nicht nur lockiges Fell und Langhaar, sondern sind auch für die meisten Allergiker geeignet. Ihr Proteinmuster in den Hautzellen unterscheidet sich von anderen Rassen, weshalb sie als hypoallergen gelten. (Symbolbild) © Anni Sommer/Imago
Das Exmoor Pony hat Ähnlichkeit mit dem Urtyp des europäischen Wildpferds. Ihr Körperbau ist klein und kompakt. Sie sind als äußerst robuste Pferderasse bekannt, die in Südengland nahezu wild im gleichnamigen Nationalpark aufwachsen.
Das Exmoor Pony hat Ähnlichkeit mit dem Urtyp des europäischen Wildpferds. Ihr Körperbau ist klein und kompakt. Sie sind als äußerst robuste Pferderasse bekannt, die in Südengland nahezu wild im gleichnamigen Nationalpark aufwachsen. (Symbolbild) © Miroslav Chaloupka/Imago
Der Marwari hat ein markantes Erkennungsmerkmal: seine Sichelohren, die sich fast an der Spitze berühren. Die elegante, indische Pferderasse hat seidiges Fell und Langhaar.
Der Marwari hat ein markantes Erkennungsmerkmal: seine Sichelohren, die sich fast an der Spitze berühren. Die elegante, indische Pferderasse hat seidiges Fell und Langhaar. (Symbolbild) © Vladimir Sklyarov/Imago
Seinen Namen hat der Jütländer von der gleichnamigen Region Dänemarks, aus der er stammt. Er zählt zu den ältesten europäischen Kaltblutrassen, die ein Gewicht von bis zu 800 Kilogramm erreichen.
Seinen Namen hat der Jütländer von der gleichnamigen Region Dänemarks, aus der er stammt. Er zählt zu den ältesten europäischen Kaltblutrassen, die ein Gewicht von bis zu 800 Kilogramm erreichen. (Symbolbild) © Antje Lindert-Rottke/Imago
Robust, intelligent und vielseitig: Die Eriskay Ponys sind an der Westküste Schottlands beheimatet. Sie gelten als die letzten Überlebenden der ursprünglich einheimischen Ponys. Die Rasse wird daher vom Rare Breed Survival Trust (RBST) als vom Aussterben bedroht eingestuft.
Robust, intelligent und vielseitig: Die Eriskay Ponys sind an der Westküste Schottlands beheimatet. Sie gelten als die letzten Überlebenden der ursprünglich einheimischen Ponys. Die Rasse wird daher vom Rare Breed Survival Trust (RBST) als vom Aussterben bedroht eingestuft. (Symbolbild) © Ernie Janes/Imago
Eine Kreuzung aus Warmblut und Kaltblut ist der Budjonny. In Deutschland sind die Pferde eher selten vertreten, in ihrer Heimat in Südrussland sind sie dagegen umso bekannter. Budjonny Pferde sind temperamentvoll und äußerst zäh, da sie ursprünglich für die russische Kavallerie gezüchtet wurden.
Eine Kreuzung aus Warmblut und Kaltblut ist der Budjonny. In Deutschland sind die Pferde eher selten vertreten, in ihrer Heimat in Südrussland sind sie dagegen umso bekannter. Budjonny Pferde sind temperamentvoll und äußerst zäh, da sie ursprünglich für die russische Kavallerie gezüchtet wurden. (Symbolbild) © agefotostock/Imago
Kinsky-Pferde sind mittelgroße, leichte Warmblüter, deren Ursprung in Tschechien liegt. Daher sind sie in Deutschland eher weniger verbreitet. Die Rasse ist vor allem für ihren goldenen Schimmer im Fell bekannt. Dafür ist das sogenannte Cream-Gen verantwortlich.
Kinsky-Pferde sind mittelgroße, leichte Warmblüter, deren Ursprung in Tschechien liegt. Daher sind sie in Deutschland eher weniger verbreitet. Die Rasse ist vor allem für ihren goldenen Schimmer im Fell bekannt. Dafür ist das sogenannte Cream-Gen verantwortlich. (Symbolbild) © agefotostock/Imago
Bei den Mérens handelt es sich um schwarze, stämmige Gebirgspferde aus den Pyrenäen. Sie sind robust, trittsicher und sanftmütig. Vom Aussehen ähneln sie dem englischen Fell Pony und dem Dales-Pony.
Bei den Mérens handelt es sich um schwarze, stämmige Gebirgspferde aus den Pyrenäen. Sie sind robust, trittsicher und sanftmütig. Vom Aussehen ähneln sie dem englischen Fell Pony und dem Dales-Pony. (Symbolbild) © Carol Walker/Imago

Die Beobachtung, dass die Mikroausdrücke der Pferde in Anwesenheit eines Menschen abnahmen, bestätigt frühere Erkenntnisse, dass Pferde sensibel auf den sozialen Kontext reagieren. Die Forscher vermuten, dass einige der Mikroausdrücke mit dem Aufmerksamkeitszustand der Pferde zusammenhängen oder als soziale Signale in der Beziehung zwischen Pferd und Mensch dienen könnten. Jedoch ist es zu früh, diese Ausdrücke als eindeutige Kommunikationssignale zu klassifizieren, da diese Studie die erste ihrer Art ist, die sich mit den mentalen Merkmalen von Mikroausdrücken im Gesicht eines Tieres beschäftigt.

„Diese Studie zeigt, dass Pferde Gesichtsmikroausdrücke zeigen – und legt nahe, dass einige davon mit dem Aufmerksamkeitszustand zusammenhängen oder von Pferden als soziale Information in einer Beziehung zwischen den Arten verwendet werden könnten“, so die Autoren. Zukünftige Forschungen sollten versuchen, die Funktion dieser flüchtigen Mikroausdrücke zu klären, um zu bestätigen, ob sie als soziale Informationen dienen könnten und, wenn ja, welche Art von sozialen Signalen sie übermitteln könnten. „Es wäre auch interessant zu untersuchen, ob die Fähigkeit der Pferde, Mikroausdrücke auszuführen, ein evolutionäres Spezialisierungsmerkmal sein könnte, das auch andere sehr soziale Tiere teilen. Da Mikroausdrücke vorübergehende, flüchtige, unwillkürliche Gesichtsausdrücke sind, könnten sie Informationen über den wahren inneren Zustand der Pferde liefern“ – also in diesem Sinne ein „Fenster zu vorübergehenden inneren Zuständen des Tieres“ sein, so das Resümee der Autoren.

Rubriklistenbild: © Panthermedia/Imago

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