Airbag-Innovation: Zweistufiges System soll Autofahren sicherer machen
VonSebastian Oppenheimer
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Airbags haben schon vielen Autoinsassen das Leben gerettet. Nun hat ZF Lifetec eine Weiterentwicklung des Seitenairbags vorgestellt – ein System mit zwei Stufen.
Lange Zeit zählten bei Autos vor allem Motorleistung, schickes Design – und vielleicht noch das Platzangebot. Sicherheit dagegen war ein Randthema. Gegen Ende der 1960er-Jahre stieg in Deutschland jedoch die Zahl der Verkehrstoten immer weiter an. Trauriger Höhepunkt war das Jahr 1971: 21.332 Menschen kamen damals ums Leben. Seitdem hat sich in Sachen Fahrzeugsicherheit viel getan: 2023 waren es nur noch 2.839 Verkehrstote. Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu besserem Insassenschutz war die Einführung des Sicherheitsgurts – ein anderer die Erfindung des Airbags. Nun wurde eine Weiterentwicklung vorgestellt, die zusätzlichen Schutz bieten soll.
Weiterentwicklung: Seitenairbag löst in zwei Stufen aus
Waren Airbags anfangs nur für den Fahrer verbaut, folgten später auch Airbags für den Beifahrer. Eine weitere Stufe war die Einführung des Seitenairbags. Und genau für diese Variante hat nun ZF Lifetec eine Weiterentwicklung vorgestellt, die auf den etwas sperrigen Namen Pre-Crash Dual Stage Side Airbag getauft wurde. Dabei handelt es sich um einen Airbag, der in zwei Stufen auslöst – die Passagiere sollen dadurch besser geschützt werden.
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Erste Airbag-Stufe zündet schon kurz vor dem Zusammenprall
Dabei spielt die im Fahrzeug verbaute Sensorik eine elementare Rolle: Denn die erste Airbag-Stufe der Neuentwicklung löst bereits 200 Millisekunden vor dem Zusammenprall aus. Wird eine nicht mehr vermeidbare Kollision erkannt, schiebt das erste Luftkissen den Passagier etwa sechs Zentimeter von der Türe weg, weiter ins Innere des Fahrzeugs. Erst dann zündet die zweite Stufe mit dem klassischen Seitenairbag, der sich in dem nun gewonnenen Zwischenraum entfalten kann. Die so entstehende vergrößerte Knautschzone ist laut, Harald Lutz, Senior Vice President Global Engineering bei ZF Lifetec ein „großes Sicherheitsplus“.
Airbag-Kammern werden mit unterschiedlicher Geschwindigkeit befüllt
Bei dem System kommen zwei unterschiedliche Gasgeneratoren zum Einsatz: So wird der früher ausgelöste Teil des Airbags innerhalb von 30 Millisekunden vergleichsweise langsam befüllt, damit die gefährdete Person möglichst kontinuierlich vom Crash wegbewegt wird. Die zweite Airbag-Kammer wird dreimal so schnell befüllt: in nur zehn Millisekunden. Erkennt die Elektronik kein Pre-Crash-Signal, funktioniert das System wie ein herkömmlicher Seitenairbag. Bis zur Serienreife des zweistufigen Airbags dürften noch ein paar Jahre vergehen – ein Termin für einen Marktstart ist noch nicht bekannt.