Immer mehr Elektroautos

Ladesäulen in Deutschland: „Nachholbedarf ist groß“

  • schließen

In Deutschland werden immer mehr Elektroautos zugelassen. Doch das Ziel für den Ausbau der Infrastruktur ist weit entfernt. Aber braucht es wirklich so viele Ladesäulen?

Der Boom bei den Elektroautos geht weiter. Im Mai hat sich der Absatz fast verdoppelt. Und auch BMW legt beim Geschäft mit den Stromern deutlich zu. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur kann mit den wachsenden Zahlen jedoch nicht mithalten. Das ist zumindest die Ansicht des Verbands der Automobilindustrie (VDA).

Demnach sei die Lücke zwischen dem Bestand an Elektroautos und der Ladeinfrastruktur über die Jahre immer weiter gewachsen. Laut VDA kamen im Januar 2021 noch 14 E-Autos und Plug-in-Hybride auf einen öffentlichen Ladepunkt. Inzwischen sind es 22 Stromer.

Ausbau der Lade-Infrastruktur für Elektroautos: Deutschland hat Nachholbedarf

Bislang gebe es nur rund 90.000 öffentliche Ladepunkte, wie der Spiegel unter Berufung auf den Branchenverband berichtet. Das ist weit entfernt von dem von der Bundesregierung ausgerufenen Ziel von einer Million Ladepunkte bis 2030. „Um das gesteckte Ziel zu erreichen, müsste die Ausbaugeschwindigkeit der vergangenen zwölf Monate etwa vervierfacht werden“, macht VDA-Präsidentin Hildegard Müller deutlich.

In Deutschland braucht es mehr Ladepunkte für Elektroautos.

Die gute Nachricht: Zuletzt hat das Ausbautempo angezogen. So müsse es auch weitergehen, betonte Müller, „denn Deutschlands Nachholbedarf ist groß“. So gab es Anfang 2023 in rund der Hälfte aller Gemeinden in Deutschland keinen einzigen öffentlichen Ladepunkt. In mehr als acht von zehn Gemeinden gab es zudem keine Schnelllademöglichkeit.

Leistungsstärke, Frequenz und Standortwahl wichtiger als Anzahl der Ladepunkte

Allerdings ist die von der Politik ausgegeben Zielmarke längst überholt, wie Christian Krüger, Geschäftsführer der BayWa Mobility Solutions GmbH auf Anfrage von 24auto.de von IPPEN.MEDIA erklärte. „Technologie und Leistungsstärke entwickeln sich schnell weiter. Wenn wir es in Deutschland richtig machen und konsequent auf Schnelllader setzen, sind wahrscheinlich 500.000 bis 600.000 Ladepunkte völlig ausreichend“, erklärt Krüger weiter.

Elektroauto laden: Diese zehn kommen nach 20 Minuten am weitesten

Kia EV6
Kia EV6: 309 Kilometer. Dank moderner 800-Volt-Ladetechnik fährt das Mittelklasse-SUV aus Südkorea klar an die Spitze. Die Version mit Heckantrieb und 77,4-kWh-Akku war das einziges Modell des Testfeldes, das die 300-Kilometer-Marke knackte. Basispreis: 46.990 Euro. © weigl.biz
Mercedes-Benz EQS 450+
Mercedes-Benz EQS 450+: 275 Kilometer. Die Luxuslimousine für mindestens 107.326 Euro holt aus der verwendeten 400-Volt-Technik dank präzisem Lade- und Temperatur-Management das Optimum heraus. Getestet wurde die Long-Range-Version mit 108-kWh-Akku und Heckantrieb. © Deniz Calagan/Mercedes-Benz AG
BMW iX
BMW iX: 273 Kilometer. Das große Elektro-SUV trat als xDrive50 mit serienmäßigem Allradantrieb zum Test in der Oberklasse-Kategorie an – und mit mächtigem 105,2-kWh-Akku. Der Basispreis des mächtigem Stromers liegt bei 84.600 Euro. © Uwe Fischer/BMW
Hyundai Ioniq 5
Hyundai Ioniq 5: 272 Kilometer. Das südkoreanische SUV ist technisch mit dem Testsieger Kia EV6 verwandt, und nutzt dieselbe schnelle 800-Volt-Technik. Die sparsamere Heckantriebsversion kostet ab 43.900 Euro, getestet wurde die Ausführung mit 72,6-kW-Akku für 4.000 Euro Aufpreis. © Dino Eisele/Hyundai
Porsche Taycan GTS
Porsche Taycan: 271 Kilometer. In der Oberklasse lagen die Testwerte relativ dicht beieinander. In der Version GTS fährt der Elektro-Porsche (Basispreis 86.733 Euro) mit 93,4-kWh-Akku nur knapp hinter den Klassenbesten her, er kann ebenfalls mit 800 Volt laden. © Porsche AG
Audi e-tron GT quattro
Audi e-tron GT quattro: 237 Kilometer. Der viertürige, Elektrosportler mit Allradantrieb basiert auf dem Porsche Taycan und verfügt daher ebenfalls über schnelle 800-Volt-Technik und einen 93,4-kWh-Akku, ist aber etwas größer und geräumiger. Preis: ab 104.000 Euro. © Audi
BMW i4 eDrive40
BMW i4: 235 Kilometer. Die Elektroversion der konventionell angetriebenen 4er-Reihe ist das sportlichste Modell der Mittelklasse-Wertung. Als eDrive40 kostet er ab 59.200 Euro und verfügt über einen Akku mit 83.9 kWh Kapazität. © BMW
Tesla Model 3
Tesla Model 3: 221 Kilometer. Der Elektroauto-Pionier legt seit jeher mehr Wert auf Reichweite als auf schnelles Laden, was bei der Akku-Auslegung ein Zielkonflikt ist. Der Test der Long-Range-Version mit 82,1-kWh-Akku erfolgte an markeneigenen Superchargern. Basispreis des Model 3: 52.965 Euro. © Tesla
Polestar 2
Polestar 2: 218 Kilometer. Die noch junge Marke gehört zum chinesischen Geely-Konzern, die Autos werden von dessen Tochter Volvo entwickelt und in China produziert. Den Polestar gibt es ab 46.495 Euro, gemessen wurde die heckgetriebene Long-Range-Version mit 78-kWh-Akku. © Polestar
BMW iX3
BMW iX3: 201 Kilometer. Ein weiterer BMW nach dem bewährten Muster, ein Verbrennermodell zum Stromer umzurüsten. Das Mittelklasse-SUV kostet ab 67.300 Euro und verfügt über einen Akku mit 80 kWh Kapazität. © BMW

Ohnehin seien „Leistungsstärke, Frequenz und Standortwahl die wichtigsten Schlüssel“ und nicht rein die Anzahl der Ladepunkte. So seien laut dem Echtzeit-Monitoring der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur meist nur zwischen 15 und 20 Prozent der Ladesäulen besetzt. „Die aktuellen AC-Ladepunkte in den Städten entpuppen sich mehr und mehr als exklusive E-Auto-Parkplätze für die Nacht“, betont Krüger. Eine Zukunft für die AC-Ladesäulen sieht er im urbanen Raum daher nicht.

Elektroauto-Fahrer wollen schnell laden

Das liegt auch an den Wünschen der Autofahrer: „Denn was will denn der Fahrer eines Elektroautos? Möglichst schnell Strom tanken und sicher nicht ewig lang an der Ladestation stehen.“ Zeitgleich sind die Reichweiten so weit gestiegen, dass es reicht, ein bis zweimal die Woche zu laden. Daher seien Lade-Hubs, an denen die Batterie in „einer halben Stunde oder kürzer geladen werden kann“ in Zukunft besonders wichtig.

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Das erkennen auch immer mehr Einzelhändler, die auf ihren Parkplätzen genügend Flächen haben, um ihren Kunden Lademöglichkeiten zu bieten. Während des Einkaufs kann das Elektroauto dann – meist kostenpflichtig – auf 60 bis 80 Prozent geladen werden, ohne dass wertvolle Standflächen blockiert werden. Alternativ können E-Auto-Fahrer auch einen Schnellladepark anfahren, „wo das Fahrzeug dann maximal eine halbe Stunde steht“.

 

Rubriklistenbild: © YAY Imahes/Imago

Kommentare