VonSimon Monesschließen
In Deutschland werden immer mehr Elektroautos zugelassen. Doch das Ziel für den Ausbau der Infrastruktur ist weit entfernt. Aber braucht es wirklich so viele Ladesäulen?
Der Boom bei den Elektroautos geht weiter. Im Mai hat sich der Absatz fast verdoppelt. Und auch BMW legt beim Geschäft mit den Stromern deutlich zu. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur kann mit den wachsenden Zahlen jedoch nicht mithalten. Das ist zumindest die Ansicht des Verbands der Automobilindustrie (VDA).
Demnach sei die Lücke zwischen dem Bestand an Elektroautos und der Ladeinfrastruktur über die Jahre immer weiter gewachsen. Laut VDA kamen im Januar 2021 noch 14 E-Autos und Plug-in-Hybride auf einen öffentlichen Ladepunkt. Inzwischen sind es 22 Stromer.
Ausbau der Lade-Infrastruktur für Elektroautos: Deutschland hat Nachholbedarf
Bislang gebe es nur rund 90.000 öffentliche Ladepunkte, wie der Spiegel unter Berufung auf den Branchenverband berichtet. Das ist weit entfernt von dem von der Bundesregierung ausgerufenen Ziel von einer Million Ladepunkte bis 2030. „Um das gesteckte Ziel zu erreichen, müsste die Ausbaugeschwindigkeit der vergangenen zwölf Monate etwa vervierfacht werden“, macht VDA-Präsidentin Hildegard Müller deutlich.
Die gute Nachricht: Zuletzt hat das Ausbautempo angezogen. So müsse es auch weitergehen, betonte Müller, „denn Deutschlands Nachholbedarf ist groß“. So gab es Anfang 2023 in rund der Hälfte aller Gemeinden in Deutschland keinen einzigen öffentlichen Ladepunkt. In mehr als acht von zehn Gemeinden gab es zudem keine Schnelllademöglichkeit.
Leistungsstärke, Frequenz und Standortwahl wichtiger als Anzahl der Ladepunkte
Allerdings ist die von der Politik ausgegeben Zielmarke längst überholt, wie Christian Krüger, Geschäftsführer der BayWa Mobility Solutions GmbH auf Anfrage von 24auto.de von IPPEN.MEDIA erklärte. „Technologie und Leistungsstärke entwickeln sich schnell weiter. Wenn wir es in Deutschland richtig machen und konsequent auf Schnelllader setzen, sind wahrscheinlich 500.000 bis 600.000 Ladepunkte völlig ausreichend“, erklärt Krüger weiter.
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Ohnehin seien „Leistungsstärke, Frequenz und Standortwahl die wichtigsten Schlüssel“ und nicht rein die Anzahl der Ladepunkte. So seien laut dem Echtzeit-Monitoring der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur meist nur zwischen 15 und 20 Prozent der Ladesäulen besetzt. „Die aktuellen AC-Ladepunkte in den Städten entpuppen sich mehr und mehr als exklusive E-Auto-Parkplätze für die Nacht“, betont Krüger. Eine Zukunft für die AC-Ladesäulen sieht er im urbanen Raum daher nicht.
Elektroauto-Fahrer wollen schnell laden
Das liegt auch an den Wünschen der Autofahrer: „Denn was will denn der Fahrer eines Elektroautos? Möglichst schnell Strom tanken und sicher nicht ewig lang an der Ladestation stehen.“ Zeitgleich sind die Reichweiten so weit gestiegen, dass es reicht, ein bis zweimal die Woche zu laden. Daher seien Lade-Hubs, an denen die Batterie in „einer halben Stunde oder kürzer geladen werden kann“ in Zukunft besonders wichtig.
Das erkennen auch immer mehr Einzelhändler, die auf ihren Parkplätzen genügend Flächen haben, um ihren Kunden Lademöglichkeiten zu bieten. Während des Einkaufs kann das Elektroauto dann – meist kostenpflichtig – auf 60 bis 80 Prozent geladen werden, ohne dass wertvolle Standflächen blockiert werden. Alternativ können E-Auto-Fahrer auch einen Schnellladepark anfahren, „wo das Fahrzeug dann maximal eine halbe Stunde steht“.
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